BaZ-Druckerei

Insider aus Druckerei erhebt schwere Vorwürfe gegen die BaZ-Chefetage

Noch bis Ende März wird an der Hochbergerstrasse die «Basler Zeitung» gedruckt.

Noch bis Ende März wird an der Hochbergerstrasse die «Basler Zeitung» gedruckt.

Eine anonyme Quelle aus dem Personal der BaZ-Druckerei erhebt schwere Vorwürfe gegen die Chefetage. Der CEO soll die Druckerei schlechter gerechnet haben, als sie tatsächlich war. Ein internes Dokument zeigt: Die Auslastung beträgt 56 Prozent, nicht 23.

Ende März schliesst die Druckerei der Basler Zeitung an der Hochbergerstrasse ihre Tore. Der Grund: Die schlechte Auslastung der Druckerei. Diese habe zuletzt noch 23 Prozent betragen, hiess es in einem Communiqué der Basler Zeitung Medien (BZM), das am 8. Januar verschickt wurde.

Nun zeigen interne Zahlen: Dieser Wert liegt offenbar zu tief. Bei aktuellem Personalbestand beträgt die Auslastung knapp 56 Prozent - ist also doppelt so hoch. Aus einem internen Dokument, welches der bz vorliegt, geht hervor, dass die kommunizierten 23 Prozent Auslastung nur theoretisch stimmen. So niedrig läge die Auslastung, wenn man mit sämtlichen acht Drucktürmen in drei Schichten bei vollem Personalbestand drucken würde. Nur: Seit das neue BaZ-Druckzentrum 2003 eröffnet wurde, gab es gar nie so viele Angestellte, um in dieser Kadenz zu drucken. Mit anderen Worten: Die BaZ-Druckerei an der Hochbergerstrasse konnte gar nicht so viel produzieren, wie von ihr verlangt worden ist.

Bollmann kannte die Zahlen

Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass das BZM-Management die Druckerei klein gerechnet hat, um den Verlust von fast 90 Arbeitsplätzen und den Wegzug des Drucks nach Zürich zu rechtfertigen. Das ist jedenfalls der Vorwurf des Druckerei-Mitarbeitenden, der der bz das Dokument zugespielt hat. Die Quelle möchte anonym bleiben, denn gemäss dem Arbeitsvertrag ist sie eigentlich zu Stillschweigen verpflichtet. Die Person versichert, dass BaZ-CEO Rolf Bollmann mit den Zahlen vertraut ist. «Kurz nach seinem Amtsantritt wurde ihm das Dokument vorgelegt», sagt der BaZ-Angestellte.

Es sei klar, dass die aktuellen Besitzer gar nie ein Interesse daran hatten, die Druckerei halten zu wollen. «Bollmann wurde geholt, um die Druckerei zu schliessen.» Bereits im letzten Frühling habe sich das Management nicht mehr richtig um Druckaufträge bemüht. Für das Personal sei das hart gewesen: «Irgendwie hat man das Unheil kommen sehen, doch da war immer die leise Hoffnung, dass es eine Lösung gibt.»

Mit BaZ-Investor Christoph Blocher sowie der aktuellen Führung geht der Druckerei-Angestellte hart ins Gericht. Zwar sagt er: «Es war nicht Blocher, der die Druckerei runtergewirtschaftet hat. Das ist schon vorher passiert.» Aber: «Blocher war nie am Druck interessiert. Ihn interessierte nur die BaZ, aus der er ein SVP-Blatt machen wollte.» Der Frust sitzt spürbar tief. Die Druckerei sei trotz allem gut aufgestellt gewesen, weshalb es schmerze, wenn sie vom eigenen Management in der Öffentlichkeit schlechter gemacht werde, als sie war, sagt der Insider.

Kampfmassnahmen sind in Sicht

Bei der BaZ war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Obwohl die Schliessung offenbar rasch über die Bühne gebracht werden soll, dürfte das Thema Druckerei aber nicht ausgestanden sein. Im Moment sind Verhandlungen um den Sozialplan im Gang, mit welchem die Angestellten aber nicht einverstanden sind. Für nächste Woche zeichnen sich offenbar Kampfmassnahmen ab.

Trotz allem: Einer der letzten Grossaufträge der BaZ-Druckerei wurde gestern an sämtliche Schweizer Haushalte ausgeliefert. Die SVP druckte ihr «Extrablatt» mit einer Auflage 2,8 Millionen Exemplaren an der Hochbergerstrasse. Den Gastkommentar verfasste BaZ-Chefredaktor Markus Somm.

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