Chancengleichheit
Antworten und Tipps wie Frau Verwaltungsrätin werden kann

Der Weg der Frauen in Verwaltungsräte führt über mehr Eigenwerbung, mehr Mut und eine transparente Rekrutierung. Am Informationsanlass begaben sich knapp 100 Frauen auf die Suche nach Antworten und Tipps.

Pascale Hofmeier
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Wie wird Frau Verwaltungsrätin? Antworten und Tipps gab es am Infoanlass.

Wie wird Frau Verwaltungsrätin? Antworten und Tipps gab es am Infoanlass.

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Wie wird Frau Verwaltungsrätin? Dass Kompetenz alleine nicht reicht, zeigt sich darin, dass in den Schweizer Verwaltungsräten erst 13 Prozent Frauen sitzen. Auf die Suche nach Antworten und Tipps begaben sich am Donnerstag knapp 100 Frauen am Informationsanlass des Kantons «Frauen im Verwaltungsrat – das erwartet Sie».

Die Veranstaltung hat der Kanton im Anschluss an die Einführung der Frauenquote in den Verwaltungsräten staatsnaher Betriebe in Basel vor knapp einem Jahr organisiert. Eine Umfrage unter einigen Teilnehmerinnen – von der Firmeninhaberin bis zur Professorin – zeigt: Die Frauen sind top qualifiziert und motiviert. Dennoch zweifeln einige an, dass sie das Fachwissen für ein Verwaltungsratsmandat mitbringen, also zum Beispiel fundierte strategische Fähigkeiten, Branchenkenntnisse, Kenntnisse in der Risikobeurteilung, Bilanzen lesen können oder konzeptionelles Denkvermögen.

Quotenfrau vs. Netzwerkmann

«Es war in den letzten Jahren nicht immer die Fachkompetenz ausschlaggebend», sagte Finanzdirektorin Eva Herzog in ihrer Begrüssung. Der Breitseite gegen die Fehlleistungen in verschiedenen Verwaltungsräten, deren Sitze durch Seilschaften innerhalb von Männernetzwerken besetzt wurden schob sie hinterher: «Ich weiss nicht, warum sich eine Quotenfrau schlechter fühlen sollte als ein Netzwerkmann.» Spontaner Applaus. Dennoch erweisen sich Kompetenzen, zum Beispiel die Bilanzsicherheit, für einige Teilnehmerinnen als kritischer Faktor, warum sie vorerst eine Tätigkeit als Verwaltungsrätin für sich ausschliessen. Sie müssten sich diese Fähigkeit erst aneignen.

Die zweite zentrale Frage neben der Qualifikation war, wie Frauen überhaupt von freien Sitzen in Verwaltungsräten erfahren. Denn: «Sie können sich nicht dafür bewerben», waren sich die Referenten Antoinette Hunziker-Ebneter, CEO und Vize-Verwaltungsratspräsidentin der Vermögensverwaltungsfirma Forma Futura Invest AG und Guido Schilling, Partner der gleichnamigen Kaderrekrutierungsfirma einig. Das wurde aber relativiert: Frauen können für sich werben. «Haben Sie ein Kompetenzprofil erstellt», fragte Schilling rhetorisch – und ergänzte mit konkreten Tipps für die «VR-ich-AG». Zur Selbstvermarktung gehört zum Beispiel, sich an Firmen zu wenden, deren Verwaltungsräte einen interessieren. Doch genau diese Art von Ego-Marketing ist für viele Frauen eine Hürde. Es lasse sich nicht ganz von der Hand weisen, dass einmal mehr gegenüber Frauen Anforderungen gestellt würden, die in der bisherigen Männerwelt der VR-Etage «wohl in dieser Konsequenz eher die Ausnahme darstellten», findet eine Teilnehmerin. Einer anderen behagt die Strategie nicht: «Ich fände es gut, wenn sich Frauen nicht in ein Männerraster quetschen müssten, sondern neue Zugänge geöffnet würden.» Wieder anderen fehlen Mut und Selbstvertrauen für die Offensive.

Durchbruch durch Transparenz

Eine Lösung für das Rekrutierungsproblem könnte sein, dass künftig freie Verwaltungsratssitze – zumindest in staatsnahen Betrieben – öffentlich ausgeschrieben werden. Dies fordert neben vielen anderen auch das Frauennetzwerk Business and Professional Women Schweiz. Die ehemalige Co-Präsidentin Georgia Bross, die sich stark für die Einführung der Frauenquote engagiert hat, ist überzeugt: Nur so sei ein echter Durchbruch möglich – nur so «können sich interessierte Frauen aktiv bewerben». Nadine Gautschi, Verwaltungsrätin der Basler Verkehrsbetriebe, schliesst sich dem an: «Warum sollte der Regierungsrat diese Posten nicht ausschreiben? Auch sein Netzwerk ist nur begrenzt.»

Das Fazit der Teilnehmerinnen über die Informationsveranstaltung: Begeisterung pur. Und viele wünschten sich, dass er wiederholt wird für alle die, die nicht teilnehmen konnten. Doch das ändert nichts an Andrea Wiedemanns Haltung. Die Leiterin der Zentralen Personaldienste des Kantons Basel-Stadt bleibt dabei: «Der Anlass war in dieser Form eine einmalige Sache.»

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