Geschlechtskrankheiten
Ansteckungen mit Tripper sind gestiegen

Im Kanton Basel-Stadt ist der Anstieg grösser als anderswo. Laut Daniel Stolz, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe beider Basel, liegt das unter anderem daran, dass heute mehr Menschen getestet werden.

Noemi Lea Landolt
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«Wenn die Freier mehr bieten für ungeschützten Sex, ist der Druck da, zuzustimmen», meint Daniel Stolz, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe beider Basel.

«Wenn die Freier mehr bieten für ungeschützten Sex, ist der Druck da, zuzustimmen», meint Daniel Stolz, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe beider Basel.

Mario Heller

Seit 2006 haben sich im Kanton Basel-Stadt pro Jahr nie mehr als 63 Personen mit Tripper angesteckt. 2015 dann der sprunghafte Anstieg auf 104 Ansteckungen, was einer Zunahme von 65 Prozent entspricht und zudem weit über dem Schweizer Durchschnitt von 21 Prozent liegt.

Es sei schwer zu sagen, woran das liege. «Das Sexualverhalten verändert sich nicht einfach von einem Jahr aufs nächste», sagt Daniel Stolz, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe beider Basel.

Die Freier haben es in der Hand

Zur Risikogruppe für sexuell übertragbare Krankheiten gehören Sexarbeiterinnen. Und der Druck auf sie hat zugenommen. Es gibt immer mehr Frauen, die sich prostituieren, während die Zahl der Freier etwa konstant bleibt.

Das Angebot ist also grösser als die Nachfrage. Die Freier bestimmen, was sie wollen und auch, was sie dafür bezahlen. «Wenn die Freier mehr bieten für ungeschützten Sex, ist der Druck natürlich da, zuzustimmen», sagt Stolz.

Die Frauen haben Sex ohne Gummi, wenn das nachgefragt wird, und setzen sich aus finanziellen Gründen dem gesundheitlichen Risiko aus, sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit anzustecken.

Jede diagnostizierte Ansteckung mit Tripper muss der behandelnde Arzt dem Kantonsarzt melden. «Wir stellen nicht nur beim Tripper eine Zunahme fest, sondern auch bei den anderen sexuell übertragbaren Krankheiten», sagt Simon Fuchs, stellvertretender Kantonsarzt im Kanton Basel-Stadt. Fuchs erstaunt es nicht, dass die Tripper-Infektionen im Kanton Basel-Stadt über dem Schweizer Durchschnitt liegen.

Es betreffe meistens städtische Gebiete: «Die Zusammensetzung der Bevölkerung ist in den Städten anders als auf dem Land.» Es werde nun interessant sein, wie sich die Zahlen entwickeln. «Im Moment sieht es schon eher nach einem Trend aus als nach einem einmaligen Anstieg», sagt Fuchs.

Mehr Tests, mehr Diagnosen

Stolz hat noch eine andere Erklärung, weshalb die Ansteckungen im Kanton Basel-Stadt zugenommen haben. Die Aids-Hilfe beider Basel nimmt im Moment an einer Studie teil: «Da werden auch Leute getestet, die keine Symptome haben und trotzdem infiziert sind.» Je mehr Tests – gerade bei Leuten aus der Risikogruppe – durchgeführt werden, desto mehr Fälle werden gefunden.

Neues Pilotprojekt in der Region

Bei der Anlaufstelle der Aids-Hilfe beider Basel kann man anonym einen Aids- und Syphilis-Test machen. Dazu braucht es keinen Arzt. «Aber wir versuchen, gerade den Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind, Zugang zu unserem Gesundheitssystem zu verschaffen.»

Sie seien oft nur kurz in der Schweiz, wüssten nicht, dass sie ein Recht auf medizinische Behandlung haben. Deshalb habe man ein neues Pilotprojekt gestartet. «Es ist ein niederschwelliges Angebot und wir helfen in Notfällen auch bei der Finanzierung von Behandlungen bei sexuell übertragbaren Krankheiten», sagt Stolz.

Die Mentorinnen seien in der Szene gut vernetzt und würden die Sexarbeiterinnen auf das medizinische Angebot aufmerksam machen.

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