Herbstmesse Basel
An der «Mäss» tut sich auf jedem Platz eine eigene kleine Welt auf

Sich den Bauch vollhauen und den Kopf auf wilden Bahnen durchlüften, das ist das Eine. Doch in welche Welt werden Besucher der Herbstmesse auf den verschiedenen Plätzen geworfen? Und was fühlen sie dabei? Alles mögliche. Bloss ein Gefühl kommt kaum auf.

Martina Rutschmann
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Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Der «Swing Up» im Zentrum der Rosentalanlage, dem pursten Platz.
37 Bilder
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse «Schwanensee» als heimliches Münsterplatz-Wahrzeichen.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse «Bad King» als Anziehungspunkt für die Halbstarken der Gegenwart. Runderherum stehen Bahnhighlights – Klassiker auf der Kaserne bleibt aber der Boxautomat.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Luftballons für die Kleinen.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Das Riesenrad auf dem Münsterplatz.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Hier machen Autounfälle Spass.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Auf dem Barfi gibt es viel Süsses und etwas ruhigere Bahnen.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Das Riesenrad spiegelt sich im Brunnen auf dem Münsterplatz.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Rundum: Der Disco-Express auf dem Münsterplatz
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Mal eine andere Sicht: Vom grossen Riesenrad auf dem Münsterplatz hat man eine wunderbare Sicht auf die ganze Stadt.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Auf dem Petersplatz kann man sich den Magen vollschlagen.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Das Kettenkarussel auf dem Münsterplatz.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Der beliebte «Round up Rounder». Auf der Bahn kam es am ersten Mäss-Wochenende zu einem Unfall. Ein angetrunkener Mann hat sich schwer am Kopf verletzt.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Auf dem Kettenkarussel beim Kasernenareal flitzt man in luftigen 80 Metern Höhe durch die Luft.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Das Kettenkarussel auf dem Münsterplatz ist für die weniger Waghalsigen.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Auch hier geht es hoch hinaus: Der Freifallturm auf dem Messeplatz
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Hau den Lukas – aber nicht zu fest 😉
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Auf dem Kasernenareal ist das Bälleliwerfen für wenig Geld (und Erfolgschance) sehr beliebt.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Auf der «Rock & Roller Coaster»-Bahn versagten am ersten Wochenende die Notbremsen – jetzt läuft sie wieder und ist beliebt wie eh und je.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Und zur Herbstmesse gehört selbstverständlich auch Magenbrot.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Hier wollen sich harte Kerle beweisen: Die Boxmaschine auf dem Kasernenareal.
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Wer ist am schnellsten im Ziel?
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse
Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse

Die schönsten Bilder der Basler Herbstmesse Der «Swing Up» im Zentrum der Rosentalanlage, dem pursten Platz.

zvg

Dieser eine Ölscheich hätte sehr viel Geld bezahlt. Eugen Urfer liess sich trotzdem nicht überreden: «Das Schwänlikarussell verkaufe ich nicht!», sagte der inzwischen verstorbene Bahnbesitzer. Und der Scheich reiste ohne Schwäne in die Heimat zurück.

Wie auf dem Münsterplatz symbolisiert auf fast allen Plätzen der Herbstmesse mindestens ein Fahrgeschäft oder ein Stand das Gefühl, das der ganze Ort vermitteln soll. Im «Familienparadies» am Münsterplatz sind tatsächlich mehr Kinderwagen zu sehen als anderswo und Eltern, die schwärmen: «Ich war als Kind selber auf dem Schwänlikarussell.

Vorweihnachts-Geborgenheit

Der Münsterplatz vermittelt vorweihnachtliche Geborgenheit – und das Riesenrad trägt seinen Teil dazu bei. Das offizielle Wahrzeichen stand früher allerdings jahrelang am Barfüsserplatz. Dem Ort, der einst alles bot, es heute aber schwer hat, ein Gefühl rüberzubringen, das über «ich geh ne Wurst essen» hinausgeht.

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Keine Lust auf Gedränge? Geniessen Sie die Fahrt auf dem Riesenrad in unserem 360°-Video

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Abgesehen vom Zuckerwatten- und Spielzeugstand entlang des Trottoirs bietet der Platz wenige Konstanten. Essen gibt es zwar mehr als genug und auch Bahnen und Buden stehen da, aber in was für eine Welt wirft einen der Barfi? In eine beliebige. Da ist die Kaserne greifbarer.

Grimmig, aber nicht aggressiv

Hier verkehren die harten Jungs, die Halbstarken der Gegenwart, und lassen ihre Muskeln spielen. Ein Franken pro Schlag, ein Fünfliber für sieben Schläge. Die Messeorganisatoren übertrumpfen sich jährlich mit nie dagewesenen Bahnen – doch der Boxautomat bleibt das Highlight. Während man früher fürchten musste, auf dem Platz blöd angemacht zu werden, geht es inzwischen auch abends friedlich zu. Zwar kucken manche Kerle nach wie vor speziell grimmig in die Welt, Aggressionen kommen aber kaum mehr auf.

Wo jeder ein bisschen cool ist

Martin Schütz vom Sicherheitsdepartement bestätigt das: «Aus polizeilicher Sicht gibt es bis dato auf dem Kasernenareal mit Jugendlichen keine Schwierigkeiten.» Vor zehn Jahren klang das anders. Damals lösten Ausschreitungen bei der Kaserne eine politische Debatte aus, die ein entsprechendes Gesetz hervorbrachten.

Das Wegweisungsgesetz musste dieses Jahr allerdings noch nicht angewendet werden, wie Schütz sagt: «Es sind auf der Kaserne bis jetzt keine befristeten Platzverweise ausgesprochen worden.»

Trotzdem, ein Kuschelplatz wie jener beim Münster ist die Kaserne nicht. Hier ist jeder ein bisschen cool, selbst die älteren Damen aus dem Quartier, die den Hobby-Boxern fasziniert zuschauen. Es ist der Platz der ewig Jungen, vergleichbar mit der Hallenmesse. Wer in den 80ern nicht schon alt war, fühlt sich dort wieder jung. Fliegender Teppich, wenn auch nicht original, und Schüttelbecher. Da wird jeder zum Teenie.

Mulmig auf Allerweltsplatz

Dieser Rausch verschwindet jedoch schon wenige Meter weiter am Messeplatz unter dem architektonischen Loch des Messebaus. Wo sich früher das Zentrum der Herbstmesse befand, trifft man nun auf einen Allerweltsrummelplatz. Da ändert auch der neue Vegetarier-Stand nichts, der als super Neuigkeit angepriesen wurde. Der Platz ist mehr Schlauch als Piazza und kein Ort, an dem man sich gern lange aufhält. Irgendwie mulmig, das Gefühl hier. Erst auf der Rosentalanlage kommt wieder Stimmung auf. Die Anlage ist das heimliche Herz der Mäss, weil sie so pur ist.

Kein Schnickschnack, ein bisschen Grusel, ein bisschen Power, ein bisschen Tradition. Dieser Mix löst Unbeschwertheit aus, Vertrauen.

Rekordhalter mit 65 Jahren Rosental-Präsenz ist klar der «Swing Up», auch wenn die Messeverantwortlichen letztes Jahr beschlossen, das Familienkarussell mache sich auch auf dem Münsterplatz gut. Nach der Irrfahrt steht es wieder, wo es hingehört. Und die Stammkunden müssen sich nicht mehr ärgern.

Herbstmesse Auch im Kriegsjahr 1944 stand das Riesenrad auf dem Barfüsserplatz.

Herbstmesse Auch im Kriegsjahr 1944 stand das Riesenrad auf dem Barfüsserplatz.

Keystone

Eine wohlige Grundeuphorie

Ungewissheit ist ein No-Go an der Herbstmesse, das sollten auch die Verantwortlichen wissen: Wo ist sie denn, meine Lieblingsbahn? Warum steht mein Magenbrotstand nicht mehr, wo er immer war? Das muss nicht sein. Die Herbstmesse ist, zumindest für Stammgäste, Heimat. Und Heimat verändert sich nicht – im Märchen jedenfalls.

Und was ist die Herbmesse, wenn nicht ein Märchen? Jedes Mal spannend, obwohl jeder weiss, was kommt. Eine Rosentalanlage ohne «Swing Up» wäre wie ein Petersplatz ohne Käskiechli von Wacker & Schwob. Das ist keine Werbung, sondern wahr. Teufelskrallen-Balsam, Alternativschmuck, Putz-Steine und Nackenmassage-Geräte braucht es genauso wie das Käskiechli. Doch das wohlige Gefühl, das der Petersplatz mehr als alle anderen Plätze bietet, kann nur entstehen, wenn alle Sinne angesprochen werden.

Es gibt so viel zu riechen, anzufassen und zu probieren, dass eine Grundeuphorie gegeben ist. Aggressionen bleiben auch am «Petis» aus, das ist irgendwie logisch. Laut Isabelle Urfer vom «Schwanensee» gilt dies neuerdings aber für alle Plätze: «Früher war es rauer, gröber, lauter. Die Leute sind friedlicher geworden, ruhiger.» So ist das eben im Märchen.

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