Mode
«Am Stil der Baslerin kann man arbeiten – mit etwas Farbe beispielsweise»

Die Baslerin Annette Gasser verrät die neusten Trends – und was sie von der Modestadt Basel hält. Sie ist seit dem 12. Januar mit ihrer Modeboutique Dress up von der Bäumleingasse in die neue Location neben dem «Les Trois Rois» umgezogen.

Céline Feller
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Annette Gasser hat es geschafft, die äusserst beliebten Taschen von Anya Hindmarch, die weltweit oft in Sekundenschnelle ausverkauft sind, nach Basel zu bringen.

Annette Gasser hat es geschafft, die äusserst beliebten Taschen von Anya Hindmarch, die weltweit oft in Sekundenschnelle ausverkauft sind, nach Basel zu bringen.

Nicole Nars-Zimmer niz

Wenn man das Ladenlokal am Blumenrain 16 betritt, weiss man gar nicht, wohin die eigenen Blicke schweifen sollen. Auf die erlesenen Kleider von REDValentino, die neusten Kreationen Diane von Fürstenbergs, die Teile der letzten Prêt-à-porter-Kollektion von Stardesigner Jean Paul Gaultier oder doch lieber auf die trendigen Kulttaschen der Gewinnerin des British Fashion Awards, Anya Hindmarch? Bevor man sich entscheiden kann, wird man freundlich begrüsst: «Herzlich willkommen, ich bin Annette Gasser», grüsst eine Dame und fragt: «Haben Sie schon den wunderschönen Ausblick gesehen?» Beim Blick aus dem Fenster hat man eine Aussicht auf den Rhein, wie man sie nur selten geniessen kann.

Gasser, 46-jährig, kann diesen Ausblick seit dem 12. Januar geniessen, wann immer sie will. An diesem Tag ist die Baslerin mit ihrer Modeboutique Dress up von der Bäumleingasse in die neue Location gleich neben dem «Les Trois Rois» umgezogen. «Erstens sind die Innenstadtpreise nicht mehr zahlbar, und zweitens haben wir hier viel mehr Platz», erklärt sie den Umzug.

Dass sie damit nicht mehr in der Basler «Modemeile», der Freien Strasse, präsent ist, macht ihr nichts aus. «Es gibt heute eigentlich gar keinen Grund mehr, in der ‹Freien› einen Laden zu haben.» Dort würden nur noch Laden-Ketten aus dem Boden schiessen und damit ginge der Reiz verloren, so die KV-Absolventin. Seit 25 Jahren ist sie im Fashionbusiness tätig, obwohl sie, wie sie selber sagt, «zuerst keine Ahnung hatte». Sie habe Mode immer geliebt, aber nie einen damit verbundenen Beruf gelernt. Mit knapp 20 Jahren übernahm Gasser einen Laden und rettete ihn vor dem Konkurs. «Ich war anfangs überfordert, aber das war der Startschuss.»

Mittlerweile bietet sie in ihrer Boutique stadtweit exklusiv Marken an, bei deren Anblick Modeliebhaberinnen nicht mehr aus dem Schwärmen kommen und denen sie viele Stammkundinnen zu verdanken hat. Doch der Erfolg birgt auch Probleme: «Wir suchen uns immer wieder neue Designer aus, die es in Basel noch nicht gibt. Doch sobald die grösseren Läden aufmerksam werden, dass man damit gute Geschäfte machen kann, schnappen die uns die Marken weg.» Spätestens nach ein bis zwei Saisons würde sie jeweils die erfolgreichen Marken verlieren. «Der Agent von Anya Hindmarch hat mich bereits gewarnt, dass ein Grosser aus Basel bei ihm angeklopft hat.» Und dann haben kleine Läden keine Chance mehr.

Stile aufbrechen

Neben aktuellen Bestsellern des Fashionbusiness bietet Gasser auch Stücke von alten französischen Labels wie Rochas oder Courrèges an. «Ich war schon immer Paris-lastig, weil ich diese Stadt liebe.» Fünf bis sechs Mal im Jahr besucht sie die Modemetropole, um sich inspirieren zu lassen. «Die französische Mode ist sehr habillée und prinzessinnenhaft», sagt sie und greift zu einem Kleidchen von Rochas, ihrem aktuellen Lieblingsstück. «Heute sollte man solche schicken Sachen mit zerrissenen Jeans kombinieren, diese Art von Mix liebe ich!»

Und Mix ist einer der grossen Trends. «Es sollte nicht mehr alles pingelig stimmig sein.» So seien Moderegeln, die besagen, Handtasche und Schuhe müssten farblich zusammenpassen, und Gold- und Silberschmuck dürften nicht gemischt werden, «alte Zöpfe». «Stile brechen» heisse das aktuelle Geheimrezept. Ausserdem verrät sie, dass die Trendfarbe dieser Saison Navy sei. «Nachdem es viele Jahre tot war und als Farbe für ältere Damen galt, ersetzt es jetzt das Schwarz.» Out hingegen sei grosser Schmuck: «Das war die letzten Jahre in, aber jetzt ist es durch.»

Nicht alles muss teuer sein

Gasser nimmt eine Tasche von Anya Hindmarch in die Hand und sagt, dass Taschen die besten Investitionen seien. «Die kann man 100 Jahre tragen!» Gerade für Fashion-Anfänger sei eine gute Tasche der perfekte Beginn. «Bei einer Jeans und einem Shirt kann man gut sparen, aber die Tasche und die Schuhe müssen der Knaller sein.» Ebenfalls nicht teuer sein müsse ein Blazer, der momentan für Gasser fast zu jedem Outfit passt: «Mit einem Blazer ist man am Tag und am Abend immer gut angezogen.»

Wenn Gasser über ihre grösste Leidenschaft spricht, ist sie kaum zu bremsen. Angesprochen auf den typischen Stil einer Baslerin, wird sie jedoch erst mal ruhig. 100-prozentig überzeugt ist sie nämlich nicht vom Basler Chic: «Am Stil der Baslerin kann man noch arbeiten – mit etwas Farbe beispielsweise.» Der Mix sei ebenfalls noch verbesserbar. Auch Basel an sich als Modestadt könne sich noch verbessern. «Es würde dem Strassenbild guttun, wenn noch ein paar Leute mehr sich von der Mode inspirieren liessen und das dann auch umsetzen würden.»

Dennoch ist Gasser Basel treu geblieben. «Ich komme von hier und habe meine Familie hier«, sagt sie und schweift mit ihrem Blick weg von ihrer Couture auf den Rhein. Und lächelt.

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