Sonntagsverkauf
Als wäre morgen schon Heiligabend: Tausende begaben sich in die Stadt

Einkaufen, staunen, geniessen. Für den ersten Sonntagsverkauf vor Weihnachten ziehen sich Tausende die Winterjacke an. Bereits fünf Minuten, nachdem die Geschäfte geöffnet waren, fing der Wahnsinn an.

Muriel Mercier
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Auf die Plätze, fertig, shoppen!
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Sonntagsverkauf in der Basler Innenstadt: Strassenmusiker in der Freie Strasse.
Freie Strasse, Douglas
Freie Strasse, Bodyshop

Auf die Plätze, fertig, shoppen!

Kenneth Nars

O mein Gott! Es ist 13.05, am Bankverein. Seit fünf Minuten sind die Geschäfte in der Basler Innenstadt geöffnet. Es fühlt sich aber eher so an, als würden sie in fünf Minuten schliessen und jeder möchte noch ganz schnell etwas nach Hause bringen. Tausende kaufwütige Menschen nehmen die Freie Strasse ein. Sie spazieren entlang der Schaufenster, bestaunen die weihnachtlich geschmückten Läden, Kinder erzählen ihren Eltern mit leuchtenden Augen, was sie gerne unter dem Weihnachtsbaum auspacken möchten.

Cüpli und Schinkengipfeli

Weniger die Eltern als ältere Paare schauen sich das Innere der eher gehobenen Läden an der oberen Freien Strasse an. Bei Louis Vuitton werden sie von chic gekleideten Männern mit einem Cüpli-Glas und warmen Schinkengipfeli auf dem Tablett empfangen. Gegenüber bei Hermès breiten die Verkäuferinnen ihren Kunden mehrere Schals auf dem Verkaufstisch aus. Es wird über die feine Qualität gesprochen. Und im Modehaus Kohler, das Damen- und Herrenmode an Bügeln hängen hat, ist Totalausverkauf.

Die Kinder interessieren sich für diese Geschenkideen überhaupt nicht. Sie rasen mit Trottinetts die Strasse hinunter, ungeachtet der warnenden Rufe von Mama und Papa. Sie werden jedoch beim Brunnen vor dem Münsterberg von einem Menschenkreis gestoppt. Dort nämlich sorgt ein Trio aus der Mongolei für musikalische und exotische Unterhaltung mit traditionellen Instrumenten, die zuerst irritiert – und dann begeistert. Die stürmenden Kinder sind für eine Weile abgelenkt und ihre Eltern können verschnaufen.

Kleiderläden ziehen nicht

Normalerweise drücken sich dieser Tage doch unendlich viele Menschen über den Barfüsserplatz. Dort ist Weihnachtsmarkt. Sind nun wegen des verkaufsoffenen Sonntags weniger Leute unterwegs? Ganz und gar nicht – auch dort muss man sehr viel Geduld mitbringen, um vom Schmuck- zum Wurststand zu gelangen.

Was auffällt: Für Kleiderläden zeigen die Sonntagseinkäufer wenig Interesse. Bei H&M, Zara, Mango und Vero Moda in der Steinen flanieren nur Einzelne zwischen den Kleiderständern. Auch der Mac Store wird an diesem Sonntag wohl keinen riesigen Umsatz verbuchen. Zumindest im Vergleich zum Body-Shop, der Parfümerie Douglas oder Depot, wo man die kitschigsten Weihnachtsdekos und Duftkerzen findet. Das typische Bild: Die Frauen treten zielstrebig über die Schwelle, ihre Begleiter ergeben sich ihrem Schicksal.

Der erste Sonntagsverkauf in der Vorweihnachtszeit ist für die Verkaufszahlen sicher ein guter Tag. Ideal mitgespielt hat auch das Wetter: zwar grau, aber mit rund zehn Grad ein warmer Nachmittag. Wer gestern den Weg in die Stadt nicht gefunden hat oder lieber mit dem 8er-Tram nach Weil am Rhein kutschiert ist, kann sich am kommenden Sonntag ab 13 Uhr noch einmal ins Getümmel stürzen.

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