Plakatwerbung
Abtreibungsgegner werben in Badis – Kanton reagiert sofort

Eine Anti-Abtreibungsorganisation wirbt im Gartenbad Bachgraben. Streng genommen wäre dies nicht verboten. Der Kanton will das Plakat aber trotzdem entfernen lassen.

Jonas Hoskyn
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Das Anti-Abtreibungsplakat soll dieser Tage entfernt werden.

Das Anti-Abtreibungsplakat soll dieser Tage entfernt werden.

Jonas Hoskyn

Gartenbad Bachgraben, 30 Grad: Zwei Buben diskutieren gerade darüber, welches Glacé sie sich holen wollen. «Hast du das Plakat gesehen?», meint die Mutter zum anderen Vater. Die Rede ist von einer breitformatigen Werbung mit einem Ultraschallbild. «Hörst du mich?», wird dem Fötus in den Mund gelegt. Die dazugehörige Internetadresse führt auf eine Homepage der Anti-Abtreibungsorganisation Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK). Vier Frauen schildern dort, wie froh sie darüber sind, nicht abgetrieben zu haben.

Die Organisation bietet eine Rund-um-die-Uhr-Beratung via Hotline. Allerdings ist diese nicht ergebnisoffen. Eine Journalistin der «Zeit» hat vor einigen Jahren publik gemacht, dass die Organisation ihr Geld angeboten hat, um sie zu überzeugen, ihre vorgetäuschte Schwangerschaft fortzuführen.

Die Stiftung SHMK hat ihren Sitz in Münchenstein und gilt als schweizweite Zentrale der Gegner eines Schwangerschaftsabbruchs. So war die Organisation federführend bei den letzten beiden nationalen Anti-Abtreibungsinitiativen 2012 und 2002. Auch bei der Initiative gegen Sexualkundeunterricht in Kindergarten und Primarschule engagierte sich der Geschäftsführer der SHMK.

Zuständige wussten von nichts

Dass eine radikale Organisation in einem Gartenbad derart prominent Werbung für ihr Weltbild machen kann, erstaunt. Denn eigentlich ist politische Propaganda auf den Anlagen des Erziehungsdepartements unerwünscht, gleich wie etwa Werbung für Nikotin oder Alkohol.

«Dass dieses Plakat in einem unserer Gartenbäder hängt, war uns bislang nicht bekannt», sagt Yvonne Reck vom Erziehungsdepartement (ED) auf Anfrage. Generell müssten sämtliche Aushänge, die in einer Anlage aufgehängt werden, für die das ED zuständig ist, durch den jeweiligen Abteilungsleiter bewilligt werden – mit Ausnahme der Plakate der Allgemeinen Plakatgesellschaft APG. Für diese gelten vertraglich geregelte Richtlinien.

Streng genommen fällt das Plakat der SHMK also nicht unter diese Restriktion. «Das Sportamt hat aber trotzdem die APG gebeten, dieses Plakat zu entfernen, was Anfang nächster Woche der Fall sein wird», sagt Reck. Gleichzeitig werde geprüft, ob auf den Anlagen des Erziehungsdepartements noch weitere solche Plakate hängen. «Diese würden selbstverständlich ebenfalls entfernt», sagt Reck. Reaktionen auf das Plakat seien bislang allerdings keine eingetroffen, «weder negative noch positive.»

Der Standort zwischen dem Badi-Restaurant und dem Kinderplanschbecken im Gartenbad Bachgraben dürfte kaum zufällig gewählt worden sein. Das Zielpublikum – junge Frauen und Familien – kann durch die Lokalität optimal angesprochen werden. Vor einem Jahr thematisierte das Onlineportal «watson», das wie die bz zu az Medien gehört, dass die SHMK auf dem sozialen Netzwerk Instagram gezielt jungen schwangeren Frauen ihre Werbung aufschaltete. Die Stiftung liess eine Anfrage der bz unbeantwortet.