Klybeck
600-Tonnen-Schiff fliegt über Basel: Hier hebt der Riesenkran die «Gannet 1954» in den Holzpark

Das 600 Tonnen schwere Leuchtturmschiff «Gannet 1954» wurde heute mit einem Spezialkran vom Rhein in an Land gehievt. Es soll ein Kulturraum werden.

Kelly Spielmann
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Der Wind weht durch den grauen Himmel am Holzpark Klybeck, Pfützen erinnern an die Regenfälle vergangener Nacht. Mittlerweile ist es wieder trocken. Aus den Lautsprechern der Patschifig-Bar singt Céline Dion «My heart will go on», einige Zuschauer singen mit.

«Papi, lueg!», ruft ein Junge, sein Bruder streckt, wie Dutzende andere Zuschauer, sein Smartphone in die Luft. Sie alle wollen diesen Moment festhalten. Denn über ihren Köpfen schwebt ein riesiges, rotes Schiff durch die Luft. Es ist die «Gannet 1954», ein Feuerschiff aus den Fünfzigerjahren. Es soll in eine vorbereitete Grube im Holzpark gehievt werden, um dort, vorerst bis 2024, als Kulturraum zu dienen.

Unter den Augen von vielen Schaulustigen ist am Dienstag in Basel ein 600 Tonnen schweres Schiff an Land gehievt worden.
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Das Feuerschiff wird mit einem Kran aus dem Rhein gehoben.
Es soll künftig als Veranstaltungsraum des Zwischennutzungsprojekts Holzpark beim Basler Rheinhafen dienen.
Kurz nach 11 Uhr war es soweit: Die vielen Schaulustigen, die zum Zwischennutzungsareal Holzpark beim Rheinhafen gepilgert waren, applaudierten.
Sie hatten mitverfolgt, wie ein 600 Tonnen schweres englisches Leuchtfeuerschiff mit dem Namen "Gannet" von einem riesigen Raupenkran vom Rhein ans Land gehievt wurde.
Das Feuerschiff Gannet wird mit einem Kran aus dem Rhein gehoben.
Das Feuerschiff Gannet wird mit einem Kran aus dem Rhein gehoben.
Das Feuerschiff Gannet wird mit einem Kran aus dem Rhein gehoben.
Das Feuerschiff Gannet wird mit einem Kran aus dem Rhein gehoben.
Das Feuerschiff Gannet wird mit einem Kran aus dem Rhein gehoben.
Das Feuerschiff Gannet wird mit einem Kran aus dem Rhein gehoben.
Das Feuerschiff wird mit einem Kran aus dem Rhein gehoben.
Das Feuerschiff wird mit einem Kran aus dem Rhein gehoben.
Das Feuerschiff wird mit einem Kran aus dem Rhein gehoben.
Das Feuerschiff wird mit einem Kran aus dem Rhein gehoben.
Das Feuerschiff wird mit einem Kran aus dem Rhein gehoben.
Das Feuerschiff Gannet am Klybeckquai in Basel am Montag.
Vorbereitungen am Kran, der das Feuerschiff Gannet an Land heiven soll.
Das Feuerschiff Gannet am Klybeckquai in Basel am Montag.
Impressionen des Leuchtturmschiffs.
Impressionen des Leuchtturmschiffs.
Impressionen des Leuchtturmschiffs.
Impressionen des Leuchtturmschiffs.
Impressionen des Leuchtturmschiffs.
Das Feuerschiff Gannet am Klybeckquai in Basel am Montag.
In der Grube wird das rote Schiff vorsichtig abgesetzt.
Das Leuchtturmschiff «Gannet 1954» wird mit einem Kran ausgewassert und in eine vorbereitete Grube beim Holzpark Klybeck gehievt.
Initiantin Katja Reichenstein packt mit an.
Leuchtturmschiff Leuchtturmschiff: Am Vormittag des 6. August wird das 600 Tonnen schwere, feuerrote Schiff samt Leuchtturm ausgewässert und mit einem riesigen Kran an Land gehievt. Dort wird es in einen vorbereiten Graben in die Erde gesetzt.
Mit dicken Stahlseilen wurde die «Gannet 1954» am Kran befestigt.
Leuchtturmschiff
Ein Spezial-Raupenkran kam zum Einsatz.

Unter den Augen von vielen Schaulustigen ist am Dienstag in Basel ein 600 Tonnen schweres Schiff an Land gehievt worden.

GEORGIOS KEFALAS

Aber eigentlich wäre all das gar nicht der Plan gewesen. Der Verein Shift Mode übernahm den Holzpark 2014 als Zwischennutzungsareal. Auf dem ehemaligen Migrol-Areal waren mehrere Holzhallen geplant. Es gab diverse Einsprachen. Als das Basler Appellationsgericht im Jahr 2017 den Rekurs gegen die Betriebsbewilligung abwies, konnten die Hallen jedoch nicht mehr errichtet werden. Denn der Zwischennutzungsvertrag für das Areal sollte eigentlich dieses Jahr auslaufen.

Doch im vergangenen März entschied die Basler Regierung, den Vertrag bis 2024 zu verlängern – mit Option auf eine weitere Verlängerung. Die Idee, die Migrol-Brache als Kulturfläche zu nutzen, war wieder auf dem Tisch. Ziel war, einen Ganzjahresbetrieb zu ermöglichen.

Der Leuchtturm musste abgeschnitten werden

Die Vereinsmitglieder kamen auf die Idee, ein ausgedientes Schiff zu nutzen. «Eine nachhaltige, ganzjährig bespielbare und lärmisolierende Lösung», meint Katja Reichenstein, Initiantin des Projekts. Die Wahl fiel auf die «Gannet 1954», eines von drei Schiffen, die es weltweit in dieser Bauart gibt. Fast 70 Jahre war sie vor dem South Rock in der Irischen See als Leuchtturmschiff stationiert.

Nach seiner Reise über den Ärmelkanal musste der Leuchtturm vorübergehend von der Brücke entfernt werden. «Wir mussten ihn wegen der Brücken auf dem Rhein und der Schleusen abschneiden», sagt Katja Reichenstein. So fliegt die 42 Meter lange «Gannet 1954» nun also ohne Leuchtturm über die Köpfe der Zuschauer – an einem Spezial-Raupenkran.

Kein Franken Steuergeld für das Projekt Gannet

Rund zwei Stunden dauert der Hub, währenddessen läuft im Hintergrund «Er hat ein knallrotes Gummiboot» und der Soundtrack von «Fluch der Karibik». Kurz nach 11 Uhr applaudieren die Gäste. Das Schiff hat den Boden berührt. Es wird noch ausgerichtet, anschliessend muss es ausgebaut werden. Mitte bis Ende 2020 soll es eröffnet werden. Geplant sind eine Konzert- und Theaterbühne sowie ein Restaurant.

Die Kosten belaufen sich auf etwas weniger als eine Million Franken, wie Reichenstein erzählt. Dabei handelt es sich um private Gelder, einen Kredit und Sponsoring-Beiträge. «Es ist kein Franken Steuergeld dabei», betont Katja Reichenstein. Sie wird, sobald der Ausbau fertiggestellt ist, die Programmverantwortliche des neuen Radiosenders sein, der im Leuchtturm auf der Brücke sein Zuhause finden soll.

Noch bevor die dicken Stahlseile des Krans vom Schiff gelöst sind, fallen wieder einzelne Regentropfen vom Himmel. Die Smartphones verschwinden in den Hosentaschen, die ersten Zuschauer gehen langsam vom Areal am Basler Rheinufer. Das Spektakel ist vorbei.

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