Basler Fasnacht

5'000 Franken müssen Basler Beizen für Schnitzelbänggler zahlen

D’Bildsteerig im Baselstab vor der Telebasel-Kamera 2012.

D’Bildsteerig im Baselstab vor der Telebasel-Kamera 2012.

Die einen wollen nicht, die anderen dürfen nicht: Die Basler Beizer und die Schnitzelbangg-Gesellschaften stehen zunehmend im Clinch miteinander. Dennoch boomt das Geschäft.

Die Basler Beizer müssen tief in die Taschen greifen. Mehrere tausend Franken haben sie in die Hand zu nehmen, wenn sie während der Fasnacht am Montag- und am Mittwochabend einen Reigen von Schnitzelbängglern in ihrem Lokal haben wollen. Bis zu 5000 Franken, sagt Grischa Cassini vom Stadtcasino.

Sechs verschiedene Vereinigungen unterschiedlicher Grösse und Güte lassen sich buchen. Die grösste ist das Schnitzelbangg Comité mit 28 Formationen, die unterwegs sind. Die älteste ist die Vereinigte Schnitzelbangg-Gesellschaft (VSG) mit zwölf Bänggen. Kaum jünger ist die Basler Schnitzelbangg-Gesellschaft (BSG) mit elf. Seit dem grossen Krach um die Jahrtausendwende gibt es mit dem Comité 2000, den Bängg fir Basel und den Bebbi-Bängg noch drei kleinere Gruppierungen. Zusammen mit den wilden Bängglern sind über hundert Gruppen unterwegs.

«Rund dreissig sind solid bis gut, achtzig sind grottenschlecht.»

Karl Schweizer, Initiant des Comité 2000, sagt pointiert: «Rund dreissig sind solid bis gut, achtzig sind grottenschlecht.» Die Ansprechenden findet er selbstredend in der eigenen Vereinigung, den zwei weiteren kleineren Gruppierungen sowie teilweise beim Comité, nicht jedoch bei der VSG und der BSG. Schweizer und sein Comité 2000 sind die Antipoden des offiziösen Schnitzelbangg Comité. Deren Sprecher Peter Burckhardt sagt entsprechend: Es gebe nicht gute und schlechte, nur solche und solche Vereinigungen.

Die Güte des Dargebotenen ist Dauerthema unter den Bängglern – mit neuer Aktualität: Die Beizer sind immer weniger bereit, ihren Gästen untalentierte Sänger mit ihren holprigen Versen vorzusetzen. Schliesslich haben die Fasnachtsgänger einen happigen Zuschlag bezahlt, um bei gediegenem Festmahl den Spottvorträgen zu folgen. Und das Geschäft boomt. Maurus Ebneter, Vorstandsdelegierter des Basler Wirteverbandes, sagt, es sei eine steigende Nachfrage nach solchen organisierten Veranstaltungen zu erkennen, die Angebote seien gut gebucht.

Qualitätskontrolle

Den Anfang einer eigenen Qualitätskontrolle hatte Hanspeter Fontana, Pächter der Safran-Zunft gemacht. Er liess das Publikum die Bängge benoten. Insbesondere das Schnitzelbangg Comité, das sich als Hüterin der Tradition sieht, erkannte darin eine Traditionswidrigkeit und quittierte Fontanas Ansprüche anfänglich mit einem Boykott.

Einen neuen Qualitätsriegel schiebt in diesem Jahr das Stadtcasino: Die Bängge des VSG sind nicht mehr eingeladen, wie Cassini gegenüber dem «Sonntag» sagt. Dabei ist das Stadtcasino einer der begehrten Auftrittsorte. Weniger wegen des knapp 500-köpfigen Publikums als vielmehr, weil am Montagabend dort die Kameras des Schweizer Fernsehens für den Fasnachtsquerschnitt aufgestellt sind. Und Kameras ziehen die Sänger an wie das Licht die Motten.

Noch grösser war in den vergangenen Jahren das Gedränge im Baselstab, besser bekannt als Mövenpick am Marktplatz. Denn dort baut Telebasel die Kameras auf und überträgt live, was sich davor drängt. Mit allen Wiederholungen können Bängge mit bis zu 150 000 Zuschauern rechnen, was der maskierten Eitelkeit schmeichelt. Ein Ex-Bänggler spottet, diese Anti-Werbung für den Basler Schnitzelbangg würde sich eignen, um selbst wiederum satirisch kommentiert zu werden. Doch so viel Humor ist in den Bängglerkreisen nicht gefragt.

Vertrag mit Telebasel aufgelöst

Bereits im vergangenen Jahr wurde der Vertrag zwischen dem Schnitzelbangg Comité und Telebasel aufgelöst und der Sender sucht für kommendes Jahr ein neues Lokal. Für das Comité zählte jedoch bei der Kündigung nicht etwa das Qualitätsargument, sondern die Staus, die zu Verspätungen in seinem Marschplan und zu Löchern an anderen Orten führten, waren ausschlaggebend. Bislang hiess es, einzelne Comité-Bängge dürften dennoch in die Telebasel-Sendung kommen. Gegenüber dem «Sonntag» stellt Comité-Obman Walo Niedermann nun aber klar, dass die Comité-Schnitzelbängg das Mövenpick-Baselstab meiden sollen. «Aus Loyalität» zur Gesellschaft und auch wegen der Tatsache, dass Telebasel und Mövenpick-Baselstab wegen des aufgelösten Vertrags jetzt nichts mehr bezahlen, wie Niedermann erklärt.

Prestige statt Geld

Das Prestige, das ein guter Bänkler erntet, ist noch mehr wert als der Verdienst. Doch auch dieser ist nicht zu verachten. Denn das Geld, das über die Lokale in die Vereinskassen kommt, wird nach einer weitgehend geheimen Jurierung wieder an die Bängge ausgeschüttet. Gute Bänggler mit treffsicheren Pointen, sicherem Auftritt und guten Helgen können vom Comité ein Kickback von bis zu 4000 Franken erwarten, wie es mangels offizieller Informationen inoffiziell heisst. Mitläufer können immerhin noch einen Unkostenbeitrag von ca. 600 Franken mitnehmen.

Neue Formen machen dem alten Geschäftsmodell jedoch zu schaffen. Immer mehr Vorfasnachtsveranstaltungen lassen immer mehr Bänggler auftreten. Am Freitagabend reisten sechs Formationen nach Winterthur, um im Casinotheater aufzutreten. Im Atlantis verleiht das Publikum am Fasnachtsdienstag gemäss Organisator Armin Faes unter 19 Bängglern den Zyyschtigspryys. Am Mittwoch findet über Mittag in vier Lokalen der Schnitzelbangg-Corso mit ausgewählten Gruppen statt. Peter Burckhardt vom Comité warnt vor einer weiteren «Kommerzialisierung» des Bängglerwesens. Faes sagt hingegen, er möge das Klagen über die angebliche Kommerzialisierung nicht mehr hören.

Wäre die Sache nicht so ernst, sie böte für Schnitzelbänggler Pointe um Pointe.

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