Basler Wunschbuch
20'000 Menschen äussern ihre Wünsche fürs neue Jahr

Der grösste Wunschzettel der Stadt Basel ist mit skurrilen bis berührenden Einträgen gut gefüllt. Bis zu 20'000 Menschen schreiben jährlich ins Buch.

Annika Bangerter
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Zum Schmökern oder zum Festhalten der Wünsche fürs 2015 liegt das Wunschbuch noch bis zum 6. Januar im Innenhof des Rathauses auf.

Zum Schmökern oder zum Festhalten der Wünsche fürs 2015 liegt das Wunschbuch noch bis zum 6. Januar im Innenhof des Rathauses auf.

Juri Junkov

Es ist ein dicker Wälzer, das Basler Wunschbuch. Auf einer Holzunterlage im Innenhof des Rathauses liegt es und ist eine Galerie von niedergeschriebenen Hoffnungen, Wünschen und Ängsten. Die Spannbreite könnte nicht grösser sein: «Ich wünsche mir Frieden» – «Ich wünsche mir ein neues I-Phone» stehen auf ein und derselben Seite.

«Da hat es ja gar keinen Platz mehr», ruft ein älterer Herr und schlägt Blatt für Blatt um. Die Einträge interessieren ihn nicht, vielmehr sucht er einen prominenten Platz für seinen Wunsch. Zufrieden hält er bei einer der wenigen blütenweissen Seite inne – und setzt seinen Stift an. Tatsächlich hat sich der öffentliche Wunschzettel in den letzten fünf Wochen mit Anliegen von Einwohnern und Touristen gefüllt.

Bis zu 20 000 Menschen schreiben jährlich in das Buch. Viele anonym, einige mit Vor- und Nachnamen. Einzig die Schrift lässt gewisse Rückschlüsse auf die Autoren zu. So sind zahlreiche Kinderzeichnungen im Buch, wie etwa eine Wunschfee, die ein Pferd und Gutzi bringt. Neben den kurzen Wünschen sind auch längere biografische Einträge zu lesen. Beispielsweise von einem Mann, der um seine verstorbene Mutter trauert, auf seine Einbürgerung hofft und sich wünscht, die Medikamente absetzen zu können. Auch um mehr Respekt bittet er und schliesst seinen Eintrag ab mit: «Es sind viele Wünsche, aber verbunden mit 100 000 000 000 Dank an die Behörden für ihr Verständnis».

Wünsche aus aller Welt

Die Wünsche, die in den Innenhof des Rathauses getragen werden, sind multikulturell. In Thai, Russisch, Englisch, Arabisch oder gar in der eritreischen Sprache Tigrinya sind sie formuliert. «Schreib, wir sind glücklich, hier zu sein», fordert eine spanische Touristin ihren Mann auf. «Nein, wir sollen uns doch etwas wünschen.» – «Trotzdem, ich will, dass die Menschen hier wissen, dass es uns in Basel gefällt.» Die jugendliche Tochter, die soeben noch vor dem Weihnachtsbaum posierte, hält die zwei Einträge der Eltern per Fotokamera fest.

Wohnung per Buch gesucht

Die Idee für dieses mittlerweile vorweihnachtliche Ritual stammt vom Event- und Ausstellungsgestalter Willi Paul Paulussen. Er hat 1993 das Buch initiiert. Seither kommt jährlich ein solch umfassendes Zeitdokument hinzu. Aufbewahrt werden sie im Staatsarchiv, wo sie Interessierten zugänglich sind. «Ich kehre jedes Jahr zum Wunschbuch zurück. Mir gefällt besonders, dass es für alle zugänglich ist. Egal ob arm oder reich, alt oder jung – alle schreiben rein», sagt eine junge Frau. Sie deckt ihren Eintrag vor neugierigen Blicken ab. Trotz klirrender Kälte bildete sich hinter ihr eine beachtliche Warteschlange. Einige blättern durch das Buch und zeigen sich die lustigsten oder berührendsten Einträge. Wie beispielsweise der Appell eines jungen Paares, der mit «Hilfe» getitelt ist. Darin erklären sie, dass sie seit zwei Jahren eine Wohnung in Basel suchen. Erfolglos. Die Miete könnten sie – wie sie schreiben – zwar mit dem Gehalt ihrer temporären Anstellungen bezahlen, wenn sie denn nur die Chance erhielten. Da sie jedoch nichts finden, leben sie in der Wohnung der Mutter. Die Situation belaste alle drei, ihre Ehe drohe daran zu zerbrechen. Ob das Wunschbuch mithilft, ihre Hoffnungen zu erfüllen, ist ungewiss: Eine Natelnummer steht neben ihren Unterschriften.

Öffentliche WCs und Tramlinien

Die persönlichen Wünsche drehen sich vor allem um Gesundheit, Glück oder die Liebe. Doch auch zahlreiche politische Anliegen finden sich im Buch. So möchte jemand «Unterflurcontainer für die ganze Stadt» oder «mehr Tramlinien statt einer ‹Unterpflasterbahn›». Jemand anders wünscht sich «mehr öffentliche WCs in der Stadt». Denn «eine Stadt, die Wert legt auf Gastfreundschaft sollte sich dies leisten (können)». Dass auch politische mit persönlichen Wünschen kombiniert werden können, zeigt der Eintrag: «Ich wünsche mir eine Playstation und Spass im Leben von Eric Weber». Möchten auch Sie sich etwas wünschen? Das Buch liegt noch bis zum 6. Januar auf.

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