Basel-Stadt
Keine Taktverdichtung am Abend: ÖV-Ausbaustopp erhitzt die Gemüter

Wegen Corona will der Kanton die geplante Taktverdichtung am Abend auf den Basler Tram- und Buslinien vorerst auf Eis legen. Für rot-grüne Politiker ist dies das falsche Signal: Jetzt, wo das öffentliche Leben wieder in Gang komme, müssten die Menschen von einem attraktiven ÖV angesprochen werden.

Hans-Martin Jermann Jetzt kommentieren
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Das Abendangebot auf den Basler Tramlinien bleibt vorerst bescheiden: Nach 20 Uhr gilt weiterhin der 15-Minutentakt. Noch vor einem Jahr wollte die Regierung den Abendverkehr stark ausbauen.

Das Abendangebot auf den Basler Tramlinien bleibt vorerst bescheiden: Nach 20 Uhr gilt weiterhin der 15-Minutentakt. Noch vor einem Jahr wollte die Regierung den Abendverkehr stark ausbauen.

Kenneth Nars

Der vom Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) verordnete Ausbaustopp beim öffentlichen Verkehr stösst in der Politik auf harsche Kritik. «Ich bin entsetzt. Das ist das völlig falsche Signal», sagt Basta-Grossrat Beat Leuthardt. «Den ÖV jetzt wegen Corona auszubremsen, ist zu kurzfristig gedacht», kritisiert Lea Steinle, Co-Präsidentin des VCS beider Basel.

Der 7,5-Minutentakt am Abend wird noch länger auf sich warten lassen

Darum geht's: Der Kanton Basel-Stadt will wegen der Coronapandemie und des damit verbundenen Einbruchs bei den Fahrgastzahlen Ausbauprojekte im ÖV-Programm 2022 bis 2025 auf Eis legen. Neben der Verlängerung der Buslinie 64 betrifft der Ausbaustopp auch die von der Regierung angekündigte Taktverdichtung am Abend. So sollen zunächst nur wenige Tramlinien vom Ausbau vom 15- auf den 7,5-Minutentakt profitieren. Dies ist dem eben publizierten Bericht der grossrätlichen Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) zu entnehmen.

In der Region Basel sei der ÖV abends im Vergleich zu anderen Städten bescheiden. Dies entspreche heutigen Bedürfnissen und dem Verhalten vieler Menschen nicht mehr, sagt VCS-Co-Präsidentin Steinle. Dass der Kanton beim ÖV ausgerechnet jetzt auf die Bremse trete, wo Restaurants, Bars und andere Freizeitbetriebe wieder offen seien, sei keine gute Idee: «Der ÖV wird dann gut genutzt, wenn er gut ausgebaut ist.» Bei mangelhaftem oder gar fehlendem ÖV bestehe ein Anreiz, auf das Auto umzusteigen. Dies sei aktuell im Allschwiler Bachgraben der Fall. «Angesichts der Klimakrise ist das fatal», sagt Steinle.

«Abends ein ÖV-Takt wie im Hinterland»

Ähnlich argumentiert Basta-Grossrat Beat Leuthardt: «So holt man die Leute aus Tram und Bus und bringt sie auf andere Verkehrsmittel.» Die zögerliche Umsetzung der Taktverdichtung am Abend kommentiert er bissig: «Diese Stadt lebt. Es kann nicht sein, dass wir abends einen ÖV-Takt haben wie im Hinterland.» Falsch sei, die Taktverdichtung vorerst auf einzelne Linien zu beschränken: Das Basler ÖV-Netz sei ein eng verzahntes Gefüge. Ausbauten auf einzelnen Linien brächten daher wenig, sagt Leuthardt, der selber als Tramführer unterwegs ist.

Neben dem Verzicht auf den Ausbau am Abend erhitzt der angedachte Abbau frühmorgens die Gemüter. Demnach würden Trams und Busse künftig bis 6.30 Uhr nur noch im 15-Minutentakt verkehren anstatt wie heute grossteils alle 7,5 Minuten. «Das ist nicht akzeptabel», findet Leuthardt. Dass für Werktätige die Anschlüsse an die frühen Züge am Bahnhof SBB dann noch gewährleistet wären, glaubt er nicht. Die Ausdünnung des Takts am Morgen sei grundsätzlich widersinnig: So tüfteln ÖV-Unternehmen an Ideen, wie Belastungsspitzen gebrochen und die vorhandenen Kapazitäten besser ausgelastet werden können. «Ein Abbau des Angebots zu Randzeiten widerspricht dieser Idee», findet Leuthardt.

Widersprüchliche Kommunikation des Baudepartements

Details zum Ausbaustopp gibt das BVD keine bekannt. Das Angebot zum Spätverkehr werde das Amt für Mobilität gemeinsam mit dem Kanton Baselland und den beteiligten Transportunternehmen in den kommenden Monaten erarbeiten. In einem Punkt ist die Kommunikation zudem widersprüchlich: So betont das BVD auf Anfrage, dass die Taktverdichtung am Abend von vornherein gar nicht fürs erste Umsetzungsjahr des ÖV-Programms – also 2022 – geplant war. Im Uvek-Bericht heisst es hingegen, dass wegen Corona bei den ursprünglich für 2022 vorgesehenen neuen Angeboten Zurückhaltung bestehe.

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