Basel-Stadt
Drug Checking rettet Leben: Kanton attestiert dem Pilotprojekt eine grosse Wirkung

Seit Juli 2019 können Substanzen beim stationären Drug Checking analysiert werden. Das Angebot wird rege genutzt – und schützt vor gestreckten Substanzen.

Silvana Schreier
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Anonym kann man beim Drug Checking in Basel eine Probe einer Droge abgeben. Das Institut für Rechtsmedizin untersucht die Substanz.

Anonym kann man beim Drug Checking in Basel eine Probe einer Droge abgeben. Das Institut für Rechtsmedizin untersucht die Substanz.

Symbolbild: Patrick Huerlimann

Schweizweit werden jährlich rund 4000 Proben verschiedener Drogen getestet. Eine neue Studie des Bundesamts für Gesundheit zeigt, dass in der Hälfte der Fälle eine erhöhte Gefahr für die Konsumentinnen und Konsumenten festzustellen ist. In Basel gibt es seit Juli 2019 das Angebot des stationären Drug Checking. Das Pilotprojekt «DIBS Drogeninfo Basel-Stadt» kann anonym genutzt werden.

Der Kanton Basel-Stadt veröffentlicht nun eine Zwischenbeurteilung in der Halbzeit des Projekts. Diese zeigt den Nutzen des Angebots. In vielen untersuchten Proben seien Verunreinigungen, Überdosierungen und Falschdeklarationen festgestellt worden.

Klienten sind zwischen 18 und 69 Jahre alt

Laut dem Kanton wird das Angebot rege genutzt. 279 Personen nutzten das Drug Checking – mehrheitlich Männer. Der Altersdurchschnitt liege bei 33 Jahren. Das Drug Checking ist jeden zweiten Montag von 18 bis 20 Uhr geöffnet. Es befindet sich an der Mülhauserstrasse 111, bei der Stiftung Suchthilfe Region Basel. Die Proben werden vom Institut für Rechtsmedizin analysiert. Seit Mitte 2019 wurden insgesamt 329 Proben zur Analyse abgegeben, schreibt der Kanton.

Ute Wetzel, Leiterin des Beratungsdienstes der Stiftung Suchthilfe, sagt: «Das Angebot hat sich etabliert und wir machen gute Erfahrungen.» Pro Abend können sie maximal zehn Proben annehmen. Immer wieder müssen sie Kundinnen und Kunden auf den nächsten Öffnungstermin verweisen. Wetzel sagt: «Im Rahmen des Pilotprojekts ist das Angebot in der Grösse limitiert.» Sie kann sich einen Ausbau des Drug Checking in Zukunft jedoch vorstellen. Die anonyme Begegnung beim Drug Checking sei für viele ein Türöffner, sagt Wetzel.

«Wir kommen dadurch an Klientinnen und Klienten heran, denen wir sonst nicht begegnen würden.»

Der kurze Kontakt führe nicht selten dazu, dass die Personen die Beratung der Suchthilfe in Anspruch nehmen. Denn für 58 Prozent der Besucherinnen und Besucher handelt es sich beim Besuch des Drug Checkings um einen Erstkontakt, 42 Prozent nehmen das Angebot wiederholt in Anspruch.

Kokain ist beliebt, aber oft mit Entwurmungsmittel versetzt

Am häufigsten wird im Basler Drug Checking Kokain getestet, darauf folgen MDMA, LSD, Amphetamin sowie Cannabis. Bei Letzterem besteht oftmals der Verdacht auf synthetische Cannabinoide. Das Gesundheitsrisiko ist bei dieser Substanz erhöht, die Einnahme kann gar lebensbedrohlich sein. 2020 seien insgesamt 29 Cannabisproben getestet worden. In 26 Proben wurden synthetische Cannabinoide nachgewiesen.

42 Prozent der Kokain-Proben waren laut Mitteilung mit Streckmitteln versetzt. Am häufigsten stellte man ein Entwurmungsmittel, ein Schmerzmittel oder gar beide in Kombination fest.