Corona-Virus

Alle Schulen im Elsass sind geschlossen

Nach einer Veranstaltung Mitte Februar einer Freikirche in Mulhouse, mit über 2'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, bewegt sich das Virus mit grosser Geschwindigkeit durch das Departement. Nun liess der französische Premierminister sämtliche Schulen, Krippen und Kindergärten schliessen.

Die Ansteckungsfälle mit dem Corona-Virus sind im Südelsass in den vergangenen Tagen beständig gestiegen. Die Präfektur und die Gesundheitsbehörden schrieben in einer Medienmitteilung von Sonntagabend: «Das Virus bewegt sich weiterhin mit grosser Geschwindigkeit durch das Departement.» Stand 8. März gibt es 162 infizierte Personen, seit Freitagmittag hat sich die Zahl verdoppelt, Mulhouse gilt als frankreichweit fünfter Hotspot.

Der französische Premierminister Edouard Philippe liess sämtliche Schulen, Krippen und Kindergärten für zwei Wochen schliessen. Betroffen sind 127'000 Schüler, die teils über Internet unterrichtet werden sollen. Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 50 Personen sind untersagt, die Kultureinrichtungen geschlossen, Sportveranstaltungen abgesagt. Bisher sind im Departement Haut-Rhin zwei Personen an dem Virus gestorben, die 91 und 86 Jahre alt waren.

Konsumentenmesse findet nicht statt

In Baden-Württemberg ist die Zahl der Betroffenen mit 199 seit Sonntag zwar höher, aber das Bundesland hat mit 11 Millionen ein Mehrfaches an Einwohnern des Südelsass mit 760000 Personen. Deutschlandweit ist Baden-Württemberg nach Nordrhein-Westfahlen aber am meisten betroffen. Hauptgrund für die Ausweitung im Südelsass dürfte das Treffen von Mitte Februar einer Evangelischen Freikirche in Mulhouse sein, an dem über 2000 Personen teilgenommen haben.

Mit Hinweis auf den südelsässischen Virusherd hat das Freiburger deutsch-französische Gymnasium laut «Badische Zeitung» geschlossen. Ein Teil der 800 Schüler reist in Schulbussen aus dem Elsass an.
Der Landkreis Lörrach hat Grossveranstaltungen mit mehr als 200 Personen untersagt. So findet unter anderem die Konsumentenmesse Regio-Messe nicht statt.

Bisher gibt es in den Kliniken des Landkreises nur einen bestätigten Corona-Fall. Schwerpunktmässig häufen sich die Ansteckungsfälle nicht im badischen, sondern im weiter entfernten schwäbischen Landesteil. Aus dem Haut-Rhin kommen täglich 31'000 Grenzgänger zur Arbeit in die Region Basel. 20'000 von ihnen sind in der Grenzgänger-Vereinigung CDTF organisiert. Der langjährige Präsident Jean-Luc Johaneck glaubt derzeit nicht, dass ihnen verboten wird, das Elsass zu verlassen. «Die Grenzgänger sind nicht mehr betroffen als andere Personen.» Sie arbeiten in allen Branchen. Die Schweiz könne aber auch die Grenzen für Franzosen und Deutsche schliessen, sei aber ein wichtiges Transitland.

Aus Südbaden kommen täglich knapp 36000 Grenzgänger zum Arbeiten in die Nordwestschweiz; wichtig sind sie auch für das Gesundheitssystem. Manuel Friesecke, Geschäftsführer der Regio Basiliensis, sagt zu einer möglichen Schliessung der Grenzen: «Das wäre katastrophal.» Er stellt fest, dass die Unternehmen von sich aus aktiv werden. Viele Büroarbeit könne man auch von zu Hause machen. Wichtig sei auch die Eigenverantwortung.

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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