BMW
Zwei Herzen in der stolzen Brust

Die Nomenklatur bei BMW wird immer unübersichtlicher, doch das 2er-Coupé mit dem 2-Liter-Diesel vermag trotzdem zu überzeugen.

Peter Ruch
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BMW 220d

BMW 220d

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Noch ist es kein Problem: Der BMW 220d ist ein zweitüriges Coupé. Die 2er-Reihe ist derzeit noch die sportliche Variante der 1er-Reihe, doch bald kommt ja dann auch noch der ActiveTourer, so etwas wie ein Mini-Van, mit Frontantrieb. Da wird es dann auch einen 220d geben, und man wird dann gar nicht mehr so richtig wissen, von welchem Modell die Rede ist.
Aber eben, noch ist es kein Problem, noch ist so ein 220d ein richtig, richtig gutes Automobil. Das liegt weniger an seiner Form, viel Sinn ergibt so ein «kleines» Coupé nun wirklich nicht: zwei Türen, sehr beengter Zugang zu den sehr beengten hinteren Sitzplätzen, eigentlich ist der 2er ja mehr ein 2+2-Sitzer. Auf dem Papier gibt sich der Kofferraum grosszügig, 390 Liter, doch die Ladekante ist hoch und der Zugang sehr beengt. Doch so ein BMW will ja die «Freude am Fahren» verkörpern und die erlebt man hinter dem Lenkrad. Dort sitzt man bestens, vor sich ein feines Cockpit und vorbildliche Ergonomie und vorzügliche Haptik. Viel Luft nach oben lässt BMW nicht mehr, das ist alles kurz vor der Perfektion. Ausser der Blink-Mechanismus, den versteht niemand.
1450 Kilo wiegt so ein 220d. Das ist ein noch vernünftiges Gewicht, mit dem es der 2-Liter-Diesel mit seinen 184 PS und dem maximalen Drehmoment von 380 Nm, die zwischen 1750 und 2750/min verfügbar sind, zu tun hat. 230 km/h Spitze will der 220d rennen, in 7,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Das ist dem Bayern problemlos zuzutrauen – und man staunt, wie souverän er seine Leistung abrufen kann. Morgens, in der Kälte, da brummelt der Selbstzünder zwar ein bisschen, doch ansonsten versieht er seinen Dienst nicht nur sehr ruhig, sondern auch absolut unangestrengt. Noch vor wenigen Jahren taugten die Diesel in erster Linie für Sparfahrten; diese BMW-Maschine ermöglicht ein sehr hohes Mass an Fahrfreude. Ganz besonders in Zusammenarbeit mit der perfekten 8-Gang-Automatik und dem sportlich-hart abgestimmten Fahrwerk, das bestens zum Hecktriebler passt. Auch die Lenkung ist ausgezeichnet.
Doch die hiesigen Strassenverhältnisse erlauben ja nur noch selten eine flottere Fahrt. Und da zeigt das Diesel-Coupé dann sein zweites Gesicht. 4,5 Liter soll er gemäss Norm auf 100 Kilometern verbrauchen; im Testbetrieb waren es dann 5,2 Liter. Und das darf man als sensationell bezeichnen, denn so richtig zurück haltend wurde der Testwagen nicht bewegt. Aber «efficient dynamics» sind bei BMW nicht einfach Wort hülsen aus der Marketingabteilung, das funktioniert tatsächlich. Solch ein hochwertiges Produkt aus München ist kein Schnäppchen, ein 220d mit der Steptronic ist mit mindestens 45’360 Franken angeschrieben. Es kommen da noch ein paar tausend Franken an Sonderausstattungen dazu, ohne geht es kaum. Aber für viel Geld erhält man auch viel Automobil – und sehr viel Fahrspass, der an der Tankstelle nicht abgestraft wird. Ob es wirklich ein 220d als Coupé sein muss, das ist eine andere Frage, ein 320d kostet auch nicht viel mehr, bietet bedeutend mehr Platz und gleich viel Fahrspass.