Zukunft – aber anders

Mit einem neuen Mild-Hybrid-Antrieb zeigt Mazda einen weiteren Schritt in die elektrifizierte Zukunft. Die wird anders als bei anderen.

Philipp Aeberli
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Mazda 3 (grau) und CX-30 (rot) sind mit dem neuen Mildhybrid-Antrieb zu haben.

Mazda 3 (grau) und CX-30 (rot) sind mit dem neuen Mildhybrid-Antrieb zu haben.

Bild: zVg

Mazda schwimmt nicht gerne mit dem Strom. Während andere Hersteller beispielsweise E-Autos mit möglichst grossen Akkus und riesiger Reichweite verkaufen, setzt der kleine japanische Hersteller beim MX-30 auf weniger Batteriekapazität, um den CO2-Fussabdruck gering zu halten. Stattdessen ist ein zusätzlicher, kleiner Wankelmotor im Gespräch, um auch längere Strecken zu meistern.

Auch bei den weiterhin wichtigen Verbrennungsmotoren geht Mazda einen anderen Weg als die meisten anderen Hersteller. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass Motoren mit kleinstem Hubraum und Turboaufladung zwar auf dem Prüfstand sparsame Verbrauchswerte für den Verkaufsprospekt erreichen können – im realen Strassenalltag dann aber doch überraschend viel Benzin durch ihre kleinen Brennräume drücken. Deswegen setzt Mazda auch im Kompaktsegment auf vergleichsweise grosszügige zwei Liter Hubraum und verzichtet dafür auf Turbotechnik. Zuletzt machten die Ingenieure aus Hiroshima (JPN) mit der Lancierung des «Skyactiv X»-Motors von sich reden. Hinter dem kryptischen Namen steht eine Technologie, die bereits bei einigen Herstellern die Entwicklungsabteilung beschäftigte – aber noch nie zur Serienreife entwickelt wurde. Doch 2019 stellte Mazda erstmals einen serienmässigen Benziner mit Kompressionszündung vor.

Im Innenraum bleibt das gewohnte, schlichte und elegante Ambiente.

Im Innenraum bleibt das gewohnte, schlichte und elegante Ambiente.

Bild: zVg

Mehr Luft statt Benzin

Der «Skyactiv-X»-Motor verbindet, vereinfacht ausgedrückt, die Vorteile von Benzin- und Dieselmotor. Bei einem herkömmlichen Benzinmotor wird das Luft-Treibstoff-Gemisch im Brennraum durch eine Zündkerze entzündet. Damit das Gemisch sauber verbrennt und damit Leistung und Verbrauch stimmen, müssen Luft und Benzin im richtigen Verhältnis zueinander vorhanden sein: 14,7:1 – oder ein Lamda-Wert von eins, wie man in der Motorentechnik sagt. Drückt man aufs Gas, so öffnet sich die Drosselklappe und es kommt mehr Luft in die Brennräume. Gleichzeitig wird mehr Benzin eingespritzt und es entsteht mehr Leistung.

Bei einem Diesel hingegen wird die Leistung ausschliesslich über die Kraftstoffmenge reguliert – die Luftmenge ist immer konstant. Gerade bei wenig Gas herrscht also ein Luftüberschuss im Brennraum; durch den Funken einer Zündkerze würde sich dieses magere Gemisch nicht entzünden, weshalb ein Diesel erst gar keine Zündkerzen hat. Stattdessen funktioniert er über die Kompressionszündung: Das Gemisch wird im Zylinder zusammengedrückt – wodurch die Temperatur immer weiter steigt, bis es sich schliesslich von selbst entzündet. Dieses Prinzip hätte auch beim Benzinmotor den Vorteil, dass man mit deutlich weniger Luft im Gemisch fahren kann – und dadurch Sprit spart. Allerdings ist die Kompressionszündung mit Benzin schlechter vorhersehbar und daher schwerer zu kontrollieren, weshalb noch kein Hersteller das Prinzip nutzte. Im Skyaciv-X-Motor arbeitet daher weiterhin eine Zündkerze, sodass der Motor zwischen konventioneller und Kompressionszündung wechseln kann. Zudem sorgt ein kleiner Kompressor für genügend Luft im Motor.

Für die erste Überarbeitung des neuartigen Antriebs hat Mazda das System nun mit einem Mildhybrid kombiniert. Dadurch steigen Leistung und Drehmoment um 6 PS respektive 16 Nm, der Verbrauch sinkt um 0,5 l/100 km. Auf der ersten Ausfahrt präsentierte sich der nun «eSkyactiv-X» genannte Antrieb, der im Mazda 3 und im kompakten Crossover CX-30 angeboten wird, als durchaus spontan und elastisch. Nur im höheren Drehzahlbereich wirkt der Vierzylinder etwas träge, was aber auch an der getesteten Kombination mit der inzwischen etwas betagten 6-Gang-Automatik liegen könnte. Ein neues Automatikgetriebe ist, zumindest für die grösseren Mazda-Modelle, schon in der Entwicklung – wie so vieles bei Mazda. «Bis 2030 bieten wir für jedes Modell eine elektrifizierte Version an. Allein bis 2025 kommen 13 neue Mazda-Modelle auf die Strasse, davon fünf als Plug-in-Hybrid und drei rein elektrische Modelle», sagt Mazda-Schweiz-Chef Matthias Walker. Dem Verbrennungsmotor will der Hersteller auch weiterhin treu bleiben – das zeigt ein erster Blick auf die neue Plattform für grössere Modelle, die Mazda schon bald präsentieren wird. Sie bietet nicht nur die Möglichkeit für einen rein elektrischen Antrieb, sondern erlaubt auch Plug-in-Hybride und reine Benzin- oder Dieselmotoren. Sogar mit einem neuen Reihensechszylinder.

Auch hier denkt man bei Mazda anders als bei den meisten Herstellern. «Ein Verbrennungsmotor an sich ist nicht schädlich. Die Frage ist, was ich darin verbrenne», sagt Walker – und verweist darauf, dass Mazda bereits seit zehn Jahren an synthetischen Kraftstoffen forscht.

Wichtig scheint für Walker vor allem zu sein, dass die Innovationen möglichst schnell auf die Strasse kommen – weswegen die neuen «eSkyactiv-X»-Modelle bereits im Handel sind.

Mazda CX-30 eSkyactiv-X

Motor: 4 Zyl. Benzin, 1998 ccm

Leistung: 186 PS/240 Nm

Antrieb: Aut. 6-Gang, 4×4

L×B×H: 4395×1795×1540 mm

Kofferraum: 430–1406 l

Gewicht: 1528 kg

0–100 km/h: 9,0 Sek.

Vmax: 204 km/h

Verbrauch WLTP: 6,6 l/100 km

Preis: ab 37450 Franken

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