Lange mussten Fans von offenen Viersitzern bei Opel auf ein neues Modell warten. Der Vorgänger, das Astra Cabrio mit Metall-Faltdach wurde bis 2010 produziert. Seither herrschte in Sachen offener Mittelklasse absolute Funkstille bei Opel. Kein Wunder, die Marke hatte andere Sorgen als ein neues Cabrio zu entwickeln. Schlechte Absatzzahlen, drohende Werkschliessungen und der schwierige Einstieg in neue Märkte liessen es offenbar nicht zu, einen direkten Nachfolger des Astra zu entwickeln. Seit 2012 gehts aber wieder vorwärts mit der Marke. Das kleine SUV Mokka verkauft sich hervorragend und auch der kleine Cityflitzer Adam beschert volle Auftragsbücher. Und, sozusagen als Schmankerl kommt jetzt auch ein Auto ohne festes Dach. Der Cascada ist wieder ein klassisches Cabrio, also mit Stoffverdeck welches sich bis zu einem Tempo von 50 km/h vollautomatisch öffnen und schliessen lässt. Und sogar aus der Ferne mittels Druck auf eine Taste des Zündschlüssels. Das ganze Prozedere dauert rund 17 Sekunden, allein für die Montage des Windschotts braucht man länger. Dafür zieht es dann aber auch fast gar nicht mehr im Innenraum des Cascada. Das mehrlagige Verdeck sorgt zudem dafür, dass es bei geschlossenem Dach nicht übermässig laut wird im Opel.

Unser Testwagen war mit dem derzeit neusten Triebwerk ausgestattet, dem 1,6 Liter grossen Vierzylinder, der auf das Kürzel SIDI  (Spark Ignition Direct Injection) hört. Der Benzindirekteinspritzer leistet 170 PS und bietet ein Drehmomentmaximum von 260 Newtonmetern. Das klingt auf dem Papier wunderbar. Doch der Cascada ist alles andere als leicht. Mindestens 1700 kg wiegt der Wagen. Entsprechend ist man mit dem 1600er-Direkteinspritzer zwar  gut bedient, aber überaus sportliches Temperament darf man nicht erwarten. Gemäss Werk braucht der Cascada 9,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und ist maximal 222 km/h schnell. Wie wir schon öfter bei schweren Autos mit Downsizing-Motoren bemerkt haben, unterscheiden sich der Werksverbrauch und die Werte in der Realität stark. Opel nennt einen Durchschnittsverbrauch von 6,3 Liter pro 100 Kilometer. Über die Testdistanz genehmigte sich der Opel fast 8 Liter pro 100 Kilometer, wer den Viersitzer fliegen lässt, muss gar mit 9,5 L/100 km rechnen.

Damit ist klar, dass der 1,6-Liter nicht der absolute Sparmotor ist. Aber, man kann einfach nicht alles haben. Einen durchzugsstarken Vierzylinder, relativ hohes Fahrzeuggewicht und dann noch einen geringen Verbrauch - diese Technologie hat auch Opel noch nicht erfunden. Dafür ist das Auto ansonsten sehr gut gemacht, Ergonomisch ist das Auto auf hohem Niveau und die Sitze sind - hervorragend. Wie bei fast allen anderen Opel-Modellen ist die Schalthebelführung nicht sonderlich präzis, doch daran gewöhnt man sich ebenso schnell wie an den tadellosen Abrollkomfort und die bei geschlossenem Dach naturgemäss etwas eingeschränkte Übersichtlichkeit. Und, seit der neusten Preissenkungsrunde bei Opel ist auch der Preis beachtenswert. Den Cascada gibt es bereits ab 34'600 Franken. Unser Testwagen mit 170 PS steht ab 36'800 Franken in der Preisliste. Für dieses Geld bekommt man einen gut gemachtes, alltagstaugliches Cabriolet mit schöner Linienführung und erstaunlich viel Platz für Passagiere und Gepäck.