Volvo

Weniger ist manchmal mehr

Volvo V60 R-Design

Volvo V60 R-Design

Der V60 im R-Design gehört zu den fahrdynamischsten Kombis, die im Moment zu kaufen sind. Wer Allrad will, muss aber noch auf den alten – aber guten – Motor setzen.

Es geht auch ohne – und irgendwie fühlt es sich gut an. Es leuchtet nicht ständig ein gelbes Licht im Aussenspiegel, oder auch mal ein rotes in der Frontscheibe. Toter-Winkel-Assistent? Abstandswarnung? Der technische Fortschritt für mehr Sicherheit im Strassenverkehr war in den letzten Jahren gewaltig. Und Volvo war immer an vorderster Front dabei. Das gilt auch heute noch – und wer will, der kann sich die Technologien selbstverständlich einbauen lassen. Doch wie gesagt: Es geht auch ohne. Auch bei Volvo. Natürlich nicht ganz: ESP, ABS etc. – das macht auch alles Sinn.

Unser Testwagen, der Volvo V60 mit einem 2,4-l-Dieselmotor, kommt ziemlich «nackt» daher. Und das hat uns sehr gut gefallen. Ein Warnlicht im Spiegel? Schon in der Fahrschule haben wir gelernt, dass man den Kopf vor dem Überholen dreht. Eine Abstandswarnung? Vorausschauend Fahren – genau, auch das hat der Fahrlehrer stets betont. Darum fühlen wir uns ohne Helferlein, die immer ein Auge auf uns und den Verkehr werfen, freier und trotzdem sicher. Das soll jetzt kein Plädoyer gegen technische Hilfsmittel sein, manchen werden sie helfen. Trotzdem ist es schön, mal ohne sie unterwegs zu sein.

Und unterwegs ist man richtig gut im V60 mit Allrad und 181 PS. Verzichten muss der 4x4-Käufer vorerst auf den neuen Diesel mit vier statt fünf Zylindern. Auch das Automatikgetriebe verfügt nur über sechs statt acht Gänge. Dies alles wirkt sich natürlich auf den Verbrauch aus. Im Test waren es am Ende im Schnitt  6,8 Liter für 100 Kilometer (Werksangabe: 5,9 l/100 km). Zum Vergleich: Für den neuen Vierzylinder-Diesel mit ebenfalls 181 PS aber ohne Allrad verspricht Volvo einen Verbrauch von 4,2 l. Übrigens: Vermutlich ab dem Jahr 2016 wird Volvo ausschliesslich auf Vierzylinder-Motoren setzen.

Die Abstimmung von Fahrwerk und Lenkung in Kombination mit dem Allradantrieb ist toll. Kein Über- oder Untersteuern, stattdessen ein tiefer Schwerpunkt und eine sehr gute Kurvenlage. Der Kombi lässt sich wunderbar zügig selbst durch enge Kehren steuern. Dass die Gesamtabstimmung eher auf der straffen Seite ist, spürt aber spätestens, wer auf etwas schlechteren Strassen unterwegs ist. Weil die Sitze aber gut sind, überzeugt hat uns besonders der Seitenhalt, fällt dies wenig ins Gewicht und wird vom Plus an Fahrdynamik locker aufgewogen. Fahrtechnisch gibt es sehr wenig zu bemängeln. Dass das Allradmodell mit der Sechsgangautomatik auskommen muss, bildet da die Ausnahme.

Volvo ist im Moment dran, die eigene Designsprache zu verändern. Der V60 im R-Design darf da durchaus als Übergangsstufe gesehen werden. Der Nachteil des schnittigen Designs: weder der Kofferraum (minimal 430 Liter) noch die Platzverhältnisse im Fond sind für einen Kombi überragend. Dafür fühlt man sich richtig wohl im Inneren. Volvo schafft es, eine angenehme Atmosphäre zu erzeugen. Nichts knirscht, aber das darf man von einem Auto dieser Preisklasse auch erwarten. Mindestens 57  600 Franken sind für die Allradversion mit dieser Motorisierung fällig. Verbesserungsbedarf besteht einzig beim Navigationssystem. Sowohl Bedienung wie auch Funktionalität sind durchschnittlich. Dafür gehört der V60 zu den fahrdynamischsten Kombis, die es im Moment auf dem Markt gibt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1