Infiniti
Wenig beachtete Nissan-Tochter

Infiniti baut mit dem Q50 Hybrid ein Automobil mit interessanten technischen Innovationen - Test eines Unbekannten.

Peter Ruch
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Infiniti Q50 S Hybrid

Infiniti Q50 S Hybrid

HO

Gerade einmal 83 Fahrzeuge hat die edle Nissan-Tochter Infiniti im vergangenen Jahr in der Schweiz verkauft, da schaffte Ferrari mit der sehr, sehr teuren F12 Berlinetta fast das Doppelte. Die Anstrengungen der Japaner sind zwar grossartig – erst kürzlich wurde in St. Gallen ein weiteres, sehr schickes Infiniti-Center eröffnet –, und doch bringen sie kaum ein Rad auf den Boden.
Um es klar und deutlich auszudrücken: An den Produkten liegt es nicht. Der Infiniti Q50 Hybrid, der kürzlich im Test stand, braucht sich vor den alles beherrschenden deutschen Premium Wagen nun wahrlich nicht zu verstecken. Optisch mag er die eher konservativ eingestellte Kundschaft in diesem Segment vielleicht etwas überfordern, die Front ist noch aggressiver als bei einem Audi, die Seitenlinie wirkt fast zu langgestreckt, das Stummel-Heck dann nicht sehr harmonisch angefügt. Aber in Zeiten, in denen man A6-Audi, 5er-BMW und E-Klasse-Benz an jeder Strassenecke gleich vielfach sieht, wirkt der Auftritt des Japaners erfreulich frisch. Doch das Problem des nicht konformen Designs kennen ja auch andere Gegner des Q50, die GS-Reihe von Lexus, der CTS von Cadillac – auch diese Modelle sind in der Schweiz nur wenig bis fast gar nicht gefragt. Schade eigentlich.
Der Q50 ist ein Vollhybrid mit satten 364 PS Systemleistung. Er geht wild. Und doch in aller Ruhe, sehr souverän. Die zusätzliche elektrische Kraft zum 3,5-Liter-V6 wird zwar nicht immer ganz perfekt eingesetzt, manchmal wissen Strom und auch Getriebe nicht so ganz genau, in welcher Form es nun weiter vorwärts gehen soll, doch das sind Kleinigkeiten, die nicht stören. Denn an der Tankstelle zeigt der Infiniti eine wohltuende Zurückhaltung: Im Test verbrauchte er unter 8 Liter, es sind auch Werte mit einer 6 vorne möglich. Das darf in Anbetracht der Fahrleistungen als vorbildlich bezeichnet werden. Der Q50 ist das erste Serien-Automobil, dessen Lenkimpulse rein elektronisch an die Vorderräder übermittelt werden, «drive by wire» heisst das. Das funktioniert problemlos. Eine grossartige Rückmeldung von der Strasse braucht man nicht zu erwarten, doch das ist ausser bei den BMW auch bei den Konkurrenten nicht besser. Einen richtigen Vorteil einer solchen Lenkung fanden wir aber nicht.
Dafür ein hervorragendes Bediensystem auf zwei Bildschirmen, einfach verständlich, kinderleicht zu bedienen. Und einen Preis, der die Blässe ins Gesicht der Preisgestalter von Audi und Co. treiben muss: etwas mehr als 71'000 Franken für die gut ausgestattete Basisversion. Vielleicht sind sie den Eidgenossen halt einfach zu günstig, zu vernünftig, die Infiniti ...

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