Bentley

Wahrer Luxus mit «vier» Zylindern

Bentley Flying Spur V8

Bentley Flying Spur V8

Den gewaltigen Bentley Flying Spur gibts jetzt auch mit einem Motor, der im Sparmodus mit nur vier Zylindern arbeitet – ein Test.

So ein Bentley strahlt etwas Besonderes aus. Auf der Schweizer Autobahn werfen sich die anderen Verkehrsteilnehmer auf die rechte Spur, auch wenn der mächtige Engländer genau innerhalb der gesetzlichen Limiten einherrollt. In der Stadt bleiben die Fussgänger mit offenem Mund stehen, auf dem Lande rennen die Kinder hinter dem 5,3 Meter langen Flying Spur her, um ihn bestaunen zu können. Immer wieder wird man gefragt, was das Ding denn kostet, und dann kann man erzählen, dass es keinen offiziellen Schweizer Basispreis gibt, denn so ein Fahrzeug wird ja ganz individuell konfiguriert. Aber so prinzipiell, als Grössenordnung, geht es ab 150 000 Euro sehr schnell aufwärts.

Und wir sprechen hier vom neuen Einsteigermodell des Flying Spur, vom V8, der seit Frühling auf dem Markt ist. Der 4-Liter, der 507 PS stark ist, sein maximales Drehmoment von 660 Nm schon bei 1750/min bereithält, auch im Audi A8 arbeitet und als besonderes Merkmal über eine Zylinderabschaltung verfügt, ist die sparsamere Alternative zum bisher und weiterhin angebotenen Zwölfzylinder mit 625 PS. Zylinderabschaltung bedeutet, dass der fast 2,5 Tonnen schwere Bentley im Schiebebetrieb nur mit vier Zylindern unterwegs ist, ein eigentlich probates Mittel, um massiv Benzin zu sparen. 10,9 Liter sind es gemäss Werk und Norm, doch das erwies sich im Test dann weit mehr als Wunsch denn Realität; unter 14 Liter kamen wir auch bei sehr entspannter, einem Bentley angepasster, Fahrweise nicht. Was dann wiederum am schon erwähnten Gewicht gelegen haben dürfte. Und vielleicht auch ein bisschen daran, dass der edle Flying Spur auf dem doch eher bürgerlichen sowie nicht mehr ganz taufrischen Volkswagen Phaeton basiert.

Das merkt man, leider, auch im Fahrbetrieb; Querrillen mag der Engländer gar nicht, da gibt es einen Schlag durch den ganzen Wagen. Und auch in Sachen Infotainment ist der Bentley nicht mehr auf dem neusten Stand der Technik, da ist ein Golf 7 moderner. Andererseits: So ein Flying Spur ist eine typische Chauffeur-Limousine – und was kümmert es den Gast hinten rechts, wenn sich der Pilot vorne links mit einem nicht besonders schnellen Navi abmühen muss? Dort hinten geniesst man einfach die Ruhe des grossen Wagens, streckt die Beine aus, denn Platz ist mehr als nur reichlich vorhanden, geniesst den einmaligen Duft des Leders und stellt seine massgeschneiderten Schuhe auf Teppiche aus Wolle von besonders glücklichen schottischen Schafen. Auch davon, dass der Bentley dann und wann nur mit vier Zylindern arbeitet, spürt der Gast gar nichts, die Umschaltung erfolgt absolut perfekt, an der Benzinspar-Technik gibt es rein gar nichts zu mäkeln. So wenig wie an der liebevollen Verarbeitung edelster Materialien, aber das versteht sich bei einem Bentley (und in dieser Preisklasse) ja von selbst. Ausserdem schaltet die 8-Gang-Automatik von ZF derart sanft, dass man meinen könnte, der Flying Spur werde von einem Gummiband gezogen.

Es gibt modernere, auch sparsamere Luxus-Limousinen als den Flying Spur, die S-Klasse von Mercedes zum Beispiel überflügelt den Engländer in fast jeder Disziplin. Doch um technische Details, elektronische Gimmicks, Fahrleistungen oder Verbrauch geht es ja bei einem solchen Wagen nur ganz am Rande. Auch der Preis interessiert nicht wirklich – es geht um Stil, den ganz guten Geschmack, und den kann man ja bekanntlich nicht «kaufen». Es sind Dinge, die sich der Vernunft, aller Rationalität, entziehen: Wer einen Bentley will, der wird sich einen Bentley kaufen (entsprechendes Spaziergeld natürlich vorausgesetzt). Und da ist es eigentlich auch egal, ob unter der Haube der feiste W12-Motor oder ein Vierzylinder seinen Dienst tut.

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