Man muss nicht alles verstehen. Was die deutschen Premium-Hersteller in jüngster Zeit als «Facelift» bezeichnen, das sind mehr so sehr sanfte Modellpflegen. Früher wurden neue Lämpchen ohne grosses Brimborium jeweils einfach in die neuen Modelljahrgänge eingepflegt, aber unterdessen wird bei Audi, BMW und natürlich auch Mercedes für Kleinigkeiten auf der ganz grossen Theaterbühne gespielt. Gut, bei der Erneuerung des CLS und des CLS Shooting Brake gab schon noch mehr als nur neue Laternen, das Design wurde sehr dezent gepflegt (man will ja die bestehende Kundschaft nicht verärgern...), es gab eine Reihe weiterer Assistenz- und Sicherheitssysteme (da muss man Mercedes-Händler sein, um die Übersicht behalten zu können) und die schon edle 7-Gang-Automatik wurde um zwei weitere Stufen aufgestockt. Es gibt, bei den BlueTech-Varianten und im CLS500, jetzt neun Gänge, ein neuer Rekord (den andere Marken aber längst egalisieren konnten).

Mercedes-Benz CLS Shooting Brake

Mercedes-Benz CLS Shooting Brake

Unser Testwagen, ein CLS350 BlueTec, verfügte auch über dieses neue Getriebe. Und man kann diesem technischen Wunderwerk das grösste Lob aussprechen, das man einem Automaten verteilen kann: man spürt nichts. Im Gegensatz zu anderen Herstellern, wo diese Vielgänger etwas gar hecktisch nach der richtigen Stufe suchen, überzeugt der Antrieb im Mercedes (3-Liter-V6-Diesel, 265 PS, 650 Nm maximales Drehmoment zwischen 1600 und 2400/min, Allradantrieb) durch einen wunderbar sanften Kraftfluss. Absolut souverän und ruckfrei bewegt sich der 1,9 Tonnen schwere CLS Shooting Brake über die Strassen, Kraft hat er sowieso im Überfluss. Einzig beim Kaltstart vernimmt man, dass es sich um einen Selbstzünder handelt - ist der Benz einmal auf Betriebstemperatur, dann säuselt fast ruhig wie ein Benziner. Er schluckt aber halt weniger: 6,7 Liter sollten es gemäss Norm sein, im Test kamen wir aber auf 7,5 Liter. Immer noch ein guter Wert, denn, eben, es handelt sich bei so einem Shooting Brake schon um ein mächtig Trumm, fast fünf Meter lang ist er.

Mercedes CLS Shooting Brake

Mercedes CLS Shooting Brake

Mit dem auf der E-Klasse basierenden viertürigen Coupé CLS hatte Mercedes 2004 eine neue Klasse begründet, Audi und BMW folgten mit Verspätung. 2011 folgte die zweite Generation, ab 2012 gab es den CLS auch als Shooting Brake - auf den die Konkurrenz bisher noch keine Antwort fand. Ein echter Kombi ist dieses Modell nicht, dafür ist das Ladevolumen von 590 Liter (bei abgeklappten Rücksitzen maximal 1550 Liter) zu gering - aber es sieht halt gut aus. Der X218, wie er intern genannt wird, war für eine kurze Zeit die Hoffnung, dass die Stuttgarter ihr Design-Problem, das sie nun schon länger umtreibt, in den Griff bekommen haben, doch es folgten ja dann leider wieder Modelle, welche den Anspruch der Marke, dass nämlich jedes Fahrzeug ein Klassiker werden muss, nicht wirklich befriedigen konnten. Egal, es gibt ihn ja, den CLS Shooting Brake, und er ist auch nach dem Facelift eine Macht, ein Statement.

Für das man aber tief in die Tasche greifen muss. Der Basispreis für einen Mercedes-Benz CLS350 BlueTec 4Matic Shooting Brake, wie das ausgeschrieben heissen muss, beträgt schon stattliche 88600 Franken (ohne die derzeitigen Rabatte). Bei unserem Testwagen kamen dann noch Sonderausstattung im Wert von sage und schreibe 48200 Franken dazu, was den Preis auf eher exorbitante 136800 Franken trieb. Das ist dann schon richtig viel Geld für einen Wagen, der zwar auf der ganzen Linie zu überzeugen vermag, auch innen, edelste Materialien, ausgezeichnete Verarbeitung, vorbildliche Ergonomie, aber auch nicht mehr kann als jedes andere Automobil. Doch solche Fragen sollte man sich in der automobilen Oberklasse eh besser nicht stellen.