VW ID.5 GTX
Beschleunigung in die Zukunft

VW hat grosse Pläne gefasst: Das Thema Digitalisierung steht im Fokus – und mehr E-Autos sollen folgen. So auch der ID.5 GTX.

Philipp Aeberli
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Die Front und den langen Radstand (2765 mm) übernimmt der ID.5 vom ID.4.

Die Front und den langen Radstand (2765 mm) übernimmt der ID.5 vom ID.4.

Bild: zVg

Grosskonzerne sind mit Öltankern vergleichbar: Einmal in Fahrt, ist Weitsicht gefordert. Ein Richtungswechsel erfordert Zeit. Zukunftspläne von Autoherstellern blicken daher selten in die kommenden Wochen und Monate, sondern eher in die nächsten Jahre und Jahrzehnte. Jüngst hat VW den Zukunftsplan «Accelerate» (Beschleunigen) vorgestellt, mit dem der Hersteller die Strategie bis zum Jahr 2030 definieren will. Der Fokus liegt dabei nicht mehr nur auf der Mechanik der Fahrzeuge, sondern vor allem im digitalen Bereich. VW will die «Software-Integration in die Fahrzeuge» und das «digitale Kundenerlebnis» zur Kernkompetenz machen, woraus natürlich auch neue Einkommensquellen entstehen sollen. Kunden sollen einzelne Funktionen online dazubuchen können, autonome Fahrdienste anbieten oder mit Diensten rund um das Aufladen von E-Autos Geld verdienen. Denn elektrisch angetriebene Autos sind ein weiterer Eckpfeiler der Zukunftspläne. Bis 2030 will VW nicht nur das autonome Fahren für «viele Menschen verfügbar machen», so der Pressetext, sondern auch mehrheitlich Autos mit E-Antrieb verkaufen. 70 Prozent aller VWs sollen dann rein elektrisch zu den Kunden rollen. Dafür muss der Hersteller die Familie an E-Autos dramatisch ausbauen; was mit dem Kompaktwagen ID.3 vor gut einem Jahr begann und mit dem SUV ID.4 Anfang dieses Jahres fortgesetzt wurde, wird ab Anfang 2022 mit dem SUV-Coupé ID.5 weiter dekliniert. Der Grund für die hohe Geschwindigkeit, welche VW mit der Präsentation von neuen Elektromodellen vorlegen kann, liegt im Unterbau aller genannten Modelle: denn sie alle basieren auf dem modularen Elektrobaukasten, dem MEB. Das Geschäftsmodell mit flexibel einsetzbaren Plattformen, die sich mit geringen Anpassungen zu einer Vielfalt von unterschiedlichen Modellen umfunktionieren lassen, hat der Konzern bereits mit Verbrennungsantrieben perfektioniert. Ein wichtiger Faktor für kurze Entwicklungszeiten und wettbewerbsfähige Preise. Schliesslich benötigen moderne Autos nicht nur einen komplexen Antrieb, sondern auch eine Vielzahl von kostspieligen Assistenzsystemen, Bordcomputern und Fahrwerkssystemen, die sich in einem Baukasten für Millionen von Autos deutlich rentabler realisieren lassen.

Neu ist das Heck – beim GTX zum ersten Mal seit dem legendären VW Scirocco wieder mit einem integrierten Spoiler.

Neu ist das Heck – beim GTX zum ersten Mal seit dem legendären VW Scirocco wieder mit einem integrierten Spoiler.

Bild: zVg

Bekannte Technik, neue Form

So sind die Zutaten im ID.5, der zur ersten Testfahrt noch als getarnter Prototyp vorfährt, grundsätzlich bekannt – auch im Topmodell GTX, das den Geist der legendären sportlichen GTI-Modelle ins Elektrozeitalter überführen soll. Hier kommt ein Akku mit 77 kWh Speicherkapazität (netto) zum Einsatz. Das reicht für rund 500 Kilometer Reichweite. Aktuell prognostiziert VW 497 Kilometer laut WLTP-Messung. Bis zum Serienstand dürften aber noch ein paar Kilometer dazukommen. Damit liegt die Reichweite etwas höher als beim ID.4 mit steil abfallendem Heck. Die coupéhafte Linie sorgt beim ID.5 für etwas weniger Luftwiderstand. Gleich bleibt dafür das Kofferraumvolumen mit 543 Litern, da hier nicht bis zur Dachhöhe gemessen wird und der ID.5 um 3 Zentimeter länger ist als der ID.4. Auf der Rückbank ist das Raumangebot kaum schlechter – sogar die Kopffreiheit, üblicherweise eine «Problemzone» bei SUV-Coupés – ist weiterhin ausreichend.

Im Vordergrund steht beim ID.5 aber freilich das Design. Mit dem SUV-Coupé will der Hersteller neue Kundengruppen erschliessen. Denn die Karosserieform ist bei Modellen mit Verbrennungsmotoren immer beliebter. Alternativen mit elektrischem Antrieb sind aber noch rar. Dass VW dem ID.5 auch einen sportlichen Touch verpassen will, passt gut ins Bild. Das Topmodell GTX ist dank je einem E-Motor an Vorder- und Hinterachse 299 PS, wodurch der Sprint auf 100 km/h in rund 6,2 Sekunden geling, ungefähr gleich schnell wie ein Golf GTI. E-Auto-typisch bietet der elektrische GTX aber ansatzlosen und gleichmässigen Durchzug und sehr leise Fahrgeräusche. Zwar bringt der ID.5 GTX durch den grossen Akku mehr als zwei Tonnen auf die Waage. Da der Schwerpunkt aber sehr tief liegt, vermag er das gut zu verbergen und fühlt sich durchaus handlich an.

Regelmässige Updates

Auch beim Thema Laden gibt VW für den ID.5 GTX bekannte Werte an: Maximal 125 kW sollen möglich sein, nach 38 Minuten ist der Akku damit an einer passenden Schnellladesäule wieder zu 80 Prozent voll. Damit hinkt der VW etwas hinter der Konkurrenz her; Teslas Model Y und der Ioiniq 5 von Hyundai wollen das in rund 20 Minuten schaffen.

Doch mit der neuen Zukunftsstrategie «Accelerate» verspricht VW auch regelmässige Software-Updates, die per Mobilfunknetz an die ID-Modelle geschickt werden. Alle 12 Wochen sollen neue Versionen geladen werden. Damit könnte unter anderem auch die Ladeleistung erhöht werden.

VW ID.5 GTX

Motor: 2× E-Maschine

Leistung: 299 PS/472 Nm

Antrieb: Aut.-1-Gang, 4×4

L×B×H: 4610×1852×1610 mm

Kofferraumvolumen: 543 l

Gewicht: >2100 kg

0–100 km/h: 6,2 Sek.

Vmax: 180 km/h

Reichweite WLTP: >497 km

Preis: ca. 60000 Franken

VW ID.5 GTX als noch getarnter Prototyp.

VW ID.5 GTX als noch getarnter Prototyp.

Bild: zVg

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