Kontinuierlich und erfolgreich baut Mercedes-Benz sein Frontantriebs-Programm aus. Die Palette umfasst mittlerweile die A-Klasse, die B-Klasse, das kompakte SUV namens GLA, den CLA und neu auch noch den CLA Shooting Brake. Mit Ausnahme der B-Klasse, die mit grosser Flexibilität und gutem Raumangebot überzeugen kann, sind das alles Lifestyle-Fahrzeuge, modisches Design verbunden mit Coolness – so ganz und gar untypisch für den schwäbischen Hersteller, der doch ansonsten eine eher konservative Kundschaft bedient. Mit diesen neuen Modellen hat es Mercedes aber geschafft, eine neue Klientel zu den Händlern zu locken, Menschen, die sich noch vor wenigen Jahren nicht hätten vorstellen können, je ein Fahrzeug mit dem Stern zu kaufen.


Was in der Schweiz (zusammen mit einer aggressiven Rabatt-Politik) zur Folge hat, dass Mercedes in den ersten vier Monaten in der Verkaufsrangliste mit einem Plus von 26,1 Prozent und über 7000 verkauften Autos einen Podestplatz erreicht hat. Der CLA Shooting Brake ist nun das jüngste Produkt dieser Offensive. Im Test stand ein 220 CDI, Basispreis 52'200 Franken, als Testwagen dann aber mit stolzen 77'675 Franken angeschrieben. Als Antrieb dient ein 2,1-Liter-Diesel mit 170 PS und einem maximalen Drehmoment von 340 Nm, die schon ab 1400/min zur Verfügung stehen. Ein sehr souveräner Motor, der in Verbindung mit dem
7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe bestens zu diesem Fahrzeug passt, in erfreulicher Ruhe arbeitet, bei Bedarf mehr als genügend Dampf entwickelt, um auch einmal etwas sportlicher unterwegs sein zu können. Normverbrauch: 4,3 Liter. Testverbrauch: 4,9 Liter – da können wir nur den Hut ziehen mit Hochachtung, denn es werden doch 1450 Kilo bewegt. Auch nur zu loben ist das Fahrwerk, angenehm komfortabel ausgelegt ist es – und einer flotten Passfahrt trotzdem nicht hinderlich.


Mercedes-Benz CLA Shooting Brake

Mercedes-Benz CLA Shooting Brake


Ob man das Innenleben der neuen Mercedes mit ihrem grossen, freistehenden Screen und den prominent angeordneten Lüftungsdüsen mag, ist sicher Geschmackssache. Die Bedienung über den Drehschalter in der Mittelkonsole erfolgt sicher nicht ganz so intuitiv, wie man sich das wünschen möchte, doch daran kann man sich gewöhnen. Genau wie an den ewigen Multifunktionshebel – der sich aber leider etwas mit dem Tempomat beisst, der sich in wenigen Zentimetern Abstand tummelt. Nun denn, da gibt es bessere Lösungen. Und wo es auch bessere Lösungen gibt: bei der Rückfahrkamera. Die braucht es beim CLA Shooting Brake unbedingt, denn die Sicht nach hinten ist eigentlich nicht vorhanden – und die Parksensoren reagieren viel zu langsam, piepsen eigentlich erst, wenn man das Hindernis schon getroffen hat.
 Auch nicht wirklich zu überzeugen vermag das Platzangebot. Mit einer Länge von 4,63 Metern ist so ein CLA Shooting Brake zwar immer noch einer der kleinsten Benzen, aber doch ein stattliches Fahrzeug, fast gleich gross wie eine (heckgetriebene) C-Klasse.

Vorne sitzt man gut, aber hinten nicht so, da ist es auch dunkel – ganz besonders Kinder mögen diese Schiessscharten, die Fenster sein sollen, nicht besonders. Und dann ist da noch das Thema Kofferraum: Zwar fasst er auf dem Papier ganz anständige 495 Liter, doch die Ladekante ist sehr hoch, der Zugang sehr schmal – schon das Beladen mit einem Kasten Bier ist eher schwierig. Da sieht man dann halt: Lifestyle. Die Schönheit zählte bei diesem Pseudo-Kombi mehr als der praktische Nutzen. Doch es gibt sicher auch für einen CLA Shooting Brake eine entsprechende Kundschaft, der die äusseren Werte wichtiger sind als die inneren.