Er ist zwar stolze 4,78 Meter lang und 1,92 Meter breit, der neue Mustang – trotzdem wirkt er filigran. Das Design gefällt auf den ersten Blick, erfreulich modern mit einem gerade noch erträglichen Anteil an Retro-Zitaten. Schöne Brüche in den Linien, vor allem am hinteren Kotflügel, eine lange Haube, ein nicht zu dominantes Greenhouse, böse Leuchten, ein gefrässiges Maul.

Auch innen ist alles viel, viel besser wie einst. Wieder so ein bisschen Retro, aber nicht übertrieben, eine schön übersichtliche Mittelkonsole, feine Schalter, gute Alu-Applikationen. Das Ganze sieht aufgeräumt aus, stellt den Piloten nicht vor Rätsel, der Gangstock liegt perfekt zur Hand, und das Lenkrad ebenfalls. Gute Sitze von Recaro (zumindest beim Performance Package) – und die 2+2-Konfiguration darf man wie bei einem Porsche 911 als Erweiterung des Gepäckraums sehen. Der Kofferraum selber ist mit einem Volumen von 408 Litern für einen Sportwagen riesig; der Zugang aber schmal und weit oben.

Als Antrieb gibt es in den USA einen 3,7-Liter-V6 mit 300 PS als Basis, der kommt aber (vorerst) nicht nach Europa. Und dann einen 2,3-Liter-Vierzylinder, Zusatzbezeichnung EcoBoost, mit 310 PS. Und schliesslich, als vorläufige Top-Motorisierung, einen 5-Liter-V8 mit 435 PS. Alle Maschinen gibt es über 6 Gänge manuell geschaltet oder dann mit einer 6-Gang-Automatik. Zum EcoBoost-Vierzylinder seien gar nicht viele Worte verloren, diese Maschine passt nicht zum Charakter des Mustang. Wahrscheinlich eignet er sich zum entspannten Cruisen, dies am besten dann im Cabrio, das wohl Mitte 2015 nach Europa kommen wird (das Coupé soll schon im Frühjahr verfügbar sein). Ford meint: Mittelfristig wird dieser Antrieb der meist verkaufte werden.

Der 5-Liter-V8 ist da viel besser; das ist unsere natürlich ganz subjektive Empfindung. Da ist Dampf schon aus dem Keller, auch wenn das maximale Drehmoment von 524 Nm erst bei 4250/min anliegt. Und der Sound ist viel besser. Nein, es ist nicht das typisch-bekannte V8-Blubbern, der kurzhubige Motor verlangt mehr Drehzahl, doch das ist halt sportlicher, also fröhlicher. Man will ihn bei Laune halten, diesen Antrieb, die Schalterei erfordert ziemlichen Kraftaufwand im Unterarm und im Bein, ist nichts für Warmduscher, und das ist gut so. Die Lenkung: angenehm präzis, nicht zu leichtgängig. Das Fahrwerk: relativ hart abgestimmt, aber gut gemacht. Nein, die hintere Starrachse vermisst niemand, der neue Mustang lässt sich jetzt tatsächlich wie ein modernes Fahrzeug bewegen – und wenn man sauber auf dem Gas bleibt, die Kurven unter Zug durchzieht, dann ist stärkste Serien-Ford aller Zeiten richtig, richtig gut. Früher, da hat der Mustang den Piloten schnell einmal überfordert, da brauchte es neben Können auch noch viel Mut; die sechste Generation ist jetzt so gut wie der Fahrer.

Das 2,3-Liter-EcoBoost-Modell wird unter 40’000 Franken kosten, der 5-Liter-V8 unter 44’000 Franken. Das ist eine ausgezeichnete Ansage, damit steht der neue Mustang absolut konkurrenzlos da. Auch deshalb, weil Ford mit der
6. Generation endlich ein echter Sportwagen gelungen ist.