Lexus
Vernunft im dynamischen Kleid

Der erneuerte Lexus CT 200h macht alles richtig – und wird in der Schweiz trotzdem sehr exklusiv bleiben.

Markus Chalilow
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Lexus CT200 h

Lexus CT200 h

HO

Seit 1990 werden in Europa Fahrzeuge der Marke Lexus verkauft. Als Edelmarke des Toyota-Konzerns sind die Absatzzahlen insbesondere in der Schweiz zwar nicht berauschend. Eine feine Ergänzung sind die Modelle der Japaner aber auf jeden Fall. Das gilt auch für den CT 200h, das kleinste Modell im Lexus-Angebot. Mit der Überarbeitung des Modells hat auch Lexus einen kleinen Sinneswandel vollzogen. Anders als bei der ersten Version des kompakten Hybrid-Fünftürers reden die Japaner nun nicht mehr von Sport – und haben dementsprechend das Fahrwerk deutlich komfortabler abgestimmt. Jetzt passen Systemleistung und Fahrverhalten richtig gut zusammen. Denn im Bug arbeitet dasselbe System wie in zahllosen anderen Hybridmodellen von Toyota: 136 PS aus einem Benzinmotor, dazu ein Elektroantrieb, gekoppelt an ein stufenloses Getriebe. Man kann rein elektrisch fahren, sitzt in einem tadellos verarbeiteten Auto, und nach der neusten Preissenkung ist der CT 200h ein richtig gutes Angebot. Auch, weil es zu Preisen ab 34 700 Franken auch noch zehn Jahre lang (oder 100 000 km) Gratisservice gibt. Der Lexus hat also alles, um erfolgreich zu werden.
Im überarbeiteten Lexus ist alles wie in den anderen Modellen der Toyota- Luxustochter auch: prima Verarbeitung und edle Materialien, im Fond eher etwas knapp geschnitten, ein sehr gutes, wenn auch nicht ganz einfach zu bedienendes Multimediasystem (die Steuerung per Maus ist einfach nicht für alle gleich spannend) und schön herausgearbeitete Details. In dieser Beziehung müssen sich die Japaner auf keinen Fall vor der Konkurrenz verstecken. Es sind eher Kleinigkeiten, die das Bild etwas stören. Die Alufelgen (maximal 17-Zöller) füllen nicht richtig satt die Radhäuser, die Karosserie ragt weit über die Räder hinaus. Besonders am Heck wirkt das einfach: unstimmig. Aber eben, er soll ja jetzt auch nicht mehr sportlich sein, der CT.
Den wohl grössten Fortschritt hat beim kleinen Hybrid die Abstimmung des CVT-Getriebes gemacht. Im CT 200h kann man nun tatsächlich gut beschleunigen, ohne sich die unschöne Soundkulisse eines kleinen, gequälten Vierzylinders anhören zu müssen. Die Verbindung aus Geschwindigkeitszunahme und Motorgeräusch ist nun einigermassen stimmig. Natürlich gewinnt man mit dem CT 200h wohl keinen Grand Prix (0–100 km/h in 10,8 Sekunden). Aber eben, zum Mitschwimmen im Verkehr reicht es auch dank Unterstützung des Elektromotors wirklich locker. Wieso man allerdings bei einem nun auf Komfort getrimmten Auto mit Jahrgang 2014 auf die Komfortblinkfunktion (also dreimal Blinken beim Antippen des Blinkerhebels) verzichten muss, ist nicht nachvollziehbar.

Ach ja, verbrauchen soll der Japaner auch (fast) nichts. Mit den etwas sehr mickrigen 15-Zoll-Rädern soll der Lexus 3,6 Liter auf 100 Kilometer schlucken, was einem CO2-Ausstoss von 82 g/km entspricht. Das ist vielleicht sogar möglich. Im hektischen Verkehr während der ersten Testfahrten in und um die italienische Hauptstadt allerdings stand bei uns eine 5 vor dem Komma. Auf der Höhe der Zeit scheint uns das Navigationssystem. Hat man sich an die Bedienung gewöhnt, erfreut es durch sehr genaue Ansagen, rasche Neuberechnung und einige nützliche Zusatzfeatures.
Und das Fahrwerk steckt einiges weg. Die Via Appia, die nun wirklich keinen Hehl daraus macht, dass sie biblischen Alters ist, steckt der Lexus ohne Knarzen und Klappern weg. Der Wagen ist also durchaus gelungen und dank seinen kompakten Abmessungen auch in der Stadt leicht zu beherrschen. Einzig die dem Design geschuldeten kleinen Fensterflächen sind im Dschungel der Grossstadt nicht gerade eine Hilfe, doch fürs Rangieren gibts immerhin eine Rückfahrkamera mit hoher Auflösung. Der CT 200h hat also alles mit an Bord, was für einen Verkaufserfolg nötig ist. Trotzdem wird er ein relativ seltener Anblick auf unseren Strassen bleiben, der Schweizer Importeur rechnet damit, pro Jahr rund 200 Fahrzeuge abzusetzen. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass man mit dem kleinen Lexus ein sehr exklusives Auto besitzt.