Der Name Polestar ist in der Schweiz noch völlig unbekannt. Dabei sind die schwedischen Rennsport-Spezialisten bereits seit Jahren eng mit Volvo verbunden und decken die Rennsport-Aktivitäten ab. Vor rund einem Jahr konnten wir das S60 Polestar Concept fahren, ein verkappter Rennwagen mit 508 PS, besten Racing-Bauteilen und hervorragenden Fahreigenschaften. Schon damals war klar, dass es dieses Konzeptfahrzeug auch aufgrund gesetzlicher Bestimmungen nicht auf die Strasse schaffen würde. Und, das Teil wäre für Volvo-Kunden wohl auch schlicht zu radikal gewesen.

Nun aber kommt von Polestar eine abgeschwächte Serienversion zu uns. Der V60 Polestar verfügt über den bekannten Reihensechszylinder-Turbobenziner, der dank grösserem Turbolader und angepasster Motorelektronik nun 350 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 500 Nm abgibt. Gekoppelt ist der Motor an ein ebenfalls modifiziertes Automatikgetriebe. Hinzu kommen ein überarbeitetes Fahrwerk sowie deutlich grössere Bremsen an der Vorderachse, um die gebotenen Fahrleistungen auch im Zaum halten zu können. Klassische Tuningmassnahmen also, wie sie auch andere Fahrzeugveredler anbieten. Der grosse Unterschied liegt hier bei der Nähe zum Werk. Die Polestar-Techniker haben nahezu uneingeschränkte Rechte im Volvo-Werk, die Entwicklung und vor allem die Produktion der Autos finden – bis auf ein paar Kleinigkeiten – in der Volvo-Fabrik statt. Entsprechend kann man den Polestar-Volvo bei jedem offiziellen Händler bestellen, und auch die Ersatzteilversorgung ist jederzeit gewährleistet.

Die Zusammenarbeit zwischen Polestar und Volvo erinnert an die von Mercedes-Benz und AMG. AMG gehört mittlerweile vollumfänglich zum Daimler-Konzern, Polestar hingegen möchte unabhängig bleiben. Man wird sehen. Was sicher ist: Die Schweden haben mit dem V60 Pole star ein hervorragendes, voll alltagstaugliches und sportliches Automobil auf die Räder gestellt, welches zu überzeugen vermag. Motorleistung ist ja bekanntlich nur eine Seite der Medaille, ein gut abgestimmtes Fahrwerk ist aber genauso wichtig. Und in diesem Bereich liefert Polestar ein Meisterstück ab. Zusammen mit den sehr renommierten – ebenfalls in Schweden beheimateten – Fahrkwerksspezialisten von Oehlins wurde das Fahrwerk des Volvo komplett neu abgestimmt. Das Resultat ist ein sportliches Automobil, bei dem man keinesfalls auf Fahrkomfort verzichten muss. Ein derartig guter Kompromiss gelingt nur sehr wenigen Herstellern.

Neu ist auch die massive Bremsanlage an der Vorderachse, die von Brembo aus Norditalien geliefert wird. Diese verzögert den nicht gerade leichten Wagen (leer ab 1835 kg) absolut souverän. Auch nach ein paar Runden auf der Rennstrecke war kein Nachlassen der Bremswirkung festzustellen. In einigen Ländern wird auch der S60, also die Limousine angeboten. In der Schweiz beschränkt man sich auf den Import des Kombimodells V60. Angeboten wird nur eine Ausstattungslinie, die eigentlich alle Optionen, die es bei Volvo für dieses Auto gibt, bereits beinhaltet. So kommt man auf einen Basispreis von 85’000 Franken. Das scheint enorm viel zu sein, aufgrund des bestechenden Fahrwerks, der hervorragenden Serienausstattung und der gebotenen Fahrleistungen (0–100 km/h in 5.0 Sekunden) ist es aber immer noch ein faires Angebot. Noch ist der V60 das einzige Fahrzeug mit dem Polestar-Logo, welches als Serienmodell angeboten wird. Doch die Schweden haben bereits weitere Modelle in der Pipeline. Als Nächstes dürfte der V40 an der Reihe sein. Und dieser dürfte dann auch einige Preissegmente unter dem V60 zu liegen kommen – und somit deutlich massentauglicher werden.