Volkswagen

Richtig eingesetzt ist er sinnvoll

VW Golf GTE

VW Golf GTE

Ein Drittel seiner Dauertestdistanz hat der VW Golf GTE hinter sich – ein erstes Fazit nach zwei Monaten.

Der Plug-in-Hybrid, das scheint derzeit das Allerheilmittel in der Automobilindustrie zu sein. Also ein konventioneller Hybridstrang (Benziner und Elektromotor) mit einer etwas grösseren Batterie, die man auch zu Hause oder auch im Büro aufladen kann. Und dann die ersten Kilometer rein elektrisch zurücklegt. Auch Volkswagen setzt beim Golf GTE auf diese Technologie. Und weil der Golf GTE halt auch ein Golf ist, ist die Summe seiner Qualitäten beeindruckend. Aber, man mus beim Hybridmodell auch Abstriche machen. Denn was im Werk – nach eigenen Angaben – ohne grossen Mehraufwand bei der Montage vom Band rollen lässt, ist nicht ganz so nutzerfreundlich wie ein normaler Golf.

Das fängt schon beim Kofferraum an. Weil halt Batterien relativ Platz viel brauchen, ist der Kofferraum kleiner als beim Original. 272 Liter sind es, das sind rund 100 Liter weniger als beim Standard-Golf. Kommt dazu, dass man die Ladekabel auch noch irgendwo verstauen muss. Es wird also rasch eng im Kofferraumabteil. Und, auch der Benzintank wurde verkleinert. 40 statt 50 Liter fasst er – das schränkt die Reichweite, wenn man das Auto zum Beispiel auf einer Ferienreise nutzt, doch ein. Denn ohne zu Laden braucht unser Dauertester 6,5 Liter pro 100 Kilometer. Natürlich haben wir den Golf in den ersten Wochen sehr oft an die Steckdose angeschlossen. Dank eines leistungsfähigen Hausanschlusses ist der GTE jeweils nach nicht einmal zwei Stunden wieder vollgeladen. Mit dem Haushaltkabel (230 Volt) dauert es mindestens doppelt so lange.

VW Golf GTE

VW Golf GTE

Nachdem wir die erste Verbrauchsmessung nach 1000 gefahrenen Kilometern gemacht hatten (3,0 Liter Benzin, 10,1 kWh, Treibstoffkosten pro 100 Kilometer rund 5,31 Franken) musste der Golf auf den letzten fast 1900 Kilometern auch auf der Langstrecke ran. Das Ergebnis kann sich zwar immer noch sehen lassen (3,7 Liter, 7,6 kWh), aber in Sachen Spritkosten rückt er nahe an sehr sparsame Dieselmodelle wie etwa dem Citroën C4 Cactus – der zurzeit ebenfalls im Dauertestbetrieb steht – heran. Natürlich kann man den doppelt so leistungsfähigen Golf nicht mit dem Cactus vergleichen. Aber so enorm scheint uns der Unterschied für die Geldbörse schlussendlich doch nicht zu sein. Und, auch mit dem 100-PS-Citroën schwimmt man locker im Verkehr mit. Aber, wir wollen auch sagen: der Golf GTE ist ein wunderbares Auto. So im Alltag. Und weil der Elektromotor stark genug ist (Spitzenleistung 75 kW), kann man es auch mal zügig angehen lassen. Überholen? Geht auch elektrisch problemlos und zur Not schaltet sich halt der Verbrenner zu. Dann sinds dann 204 Pferde, die losgaloppieren. Das macht dann sogar richtig (Fahr-)-Freude.Natürlich hat ein Wagen wie der VW Golf GTE auch seinen Preis. Und hier kann der Volkswagen nicht vollumfänglich punkten.

Es gibt eben auch Autos, die wesentlich günstiger sind als der Hybrid-Golf und ebenfalls wenig verbrauchen. Der GTE ist ab 46 000 Franken zu haben, unser Prüfling kommt mit etwas Leder, 18-Zoll-Rädern und weiteren Komfort- und Assistenzfeatures auf einen Preis von 55 210 Franken. Es muss einem also schon etwas Wert sein, das GTE-Fahren. Nicht vergessen wollen wir, das man laut Werk mit 1,7 Liter Benzin und 12,4 kWh hundert Kilometer weit bewegen kann. Das stimmt so nicht. Wenn man immer eine Steckdose in der Nähe hat, fährt man mit 0,0 Litern Benzinverbrauch, wenn man den Golf auf der deutschen Autobahn auspresst dürfen es auch 20 L/100 km sein. Wir werden zum Abschluss des Tests im Oktober dann genau rechnen. Trotz der gewissen Einschränkungen beim Laderaum und der Reichweite (rein elektrisch schafften wir maximal 37 Kilometer) pro Batterieladung ist der Golf GTE ein feiner Begleiter und ein ausgezeichneter Allrounder, der auch mit seiner hervorragenden Ergonomie überzeugt.

Meistgesehen

Artboard 1