Land Rover

Rennwagen statt Arbeitstier

Bowler Defender

Bowler Defender

Der englische Rallye-Raid-Spezialist Bowler macht aus dem Land Rover Defender ein grossartiges Spassgerät.

Engländer sind anders. Sie haben dauernd Angst vor dem Erstickungstod, deshalb wollen sie nicht, dass die Fenster an ihren Häusern dicht sind. Sie haben auch Angst davor, dass sich das kalte und das warme Wasser durchmischen könnte, deshalb gibt es immer zwei Wasserhähne in ihren Badezimmern; sie hassen Duschen (da kommt das Wasser ja auch aus einem Hahn), deshalb kaufen sie so viele Cabrios. Sie essen das Lamm mit Pfefferminzsauce – und sie haben auch diesen ganz speziellen Sinn für Humor. An diesen denkt man auch zuerst, wenn man liest, hört, dass der Land Rover Defender jetzt zum Rallye-Auto werden soll. Doch Land Rover meint das ernst. Es wird auch eine eigene Renn-Serie geben, die «Defender Challenge». Und wenn man dann sieht, wer der Partner von Land Rover für dieses Projekt ist, dann weiss man dann auch, dass es sich hier nicht um einen Scherz handeln kann. Ein Wort reicht: Bowler. Die Jungs sind so ein bisschen schräg, haben viel Erfahrung in Sachen Paris–Dakar und Rallye-Raids – und durften jetzt aus dem Defender ein Gerät basteln, mit dem im Rahmen der englischen Rallye-Meisterschaft so ein bisschen gespasst werden kann. Man rechnet sich keine Chancen auf Gesamtsiege aus, aber Drew Bowler sagt, dass ein gutes Team durchaus in die Top Ten fahren könnte. Mit mindestens 15 Teilnehmern an der «Defender Challenge» rechnet Bowler im ersten Jahr, später soll die Rennserie auch in andere Länder exportiert werden.

Ein Defender, so denkt man und so ist es auch, hat andere Stärken als die reine Fahrfreude. Doch Bowler hat so ein bisschen am Fahrzeug gearbeitet, der 2,2-Liter-Diesel aus dem Ford Transit muss nicht mit 122 lahmen Shetlandponys den Berg hochschleichen, sondern schafft jetzt 170 PS. Und ein maximales Drehmoment von 450 Nm; damit kann man tatsächlich Freude haben. Geschaltet wird weiterhin manuell über ein 6-Gang-Getriebe, das wurde aber verstärkt und verfügt über einen neuen Schalthebel, der das Rührwerk auch stillhält. Nicht wie im «normalen» Defender, wo man den Knüppel dauernd irgendwo im Innenraum suchen muss. Kleines Lenkrad – und grober Überrollkäfig. Komplett neues Fahrwerk, alles viel härter, steifer, 18-Zöller, bessere Bremsen. 50’000 Pfund kostet so ein Bowler Defender. Doch es geht Land Rover/Bowler gar nicht darum, Erfolge auf den Rallye-Strecken einzufahren. Man sieht das mehr pädagogisch. Drew Bowler erklärt das so: Man habe in den vergangenen Jahren immer wieder Anfragen erhalten von Nicht-Profis, die unbedingt einmal die Paris–Dakar oder einen anderen Rallye-Raid fahren wollen. Bubentraum und so. Nun kostet aber ein anständiges Auto für so eine Langstrecken-Rallye im Bereich von 250  000 Pfund. Mit der «Defender Challenge» sollen nun Interessenten die Möglichkeit kriegen, für vernünftiges Geld mal testen zu können, ob der Bubentraum wirklich das ist, was sie wollen in ihrem Leben. Und sie können Erfahrungen sammeln, mit einem Spielzeug, das ihre fahrerischen Qualitäten fordert, aber nicht überfordert.

Zuerst scheuchen wir eine zivile Variante des Bowler-Defender über ein paar Landstrassen. Der Wagen zieht wunderbar ab, viel mehr Leistung, viel mehr Drehmoment – aus dem Arbeitstier ist ein Spassvogel geworden. Das Fahrwerk verdient jetzt seinen Namen, die Bremsen sind definitiv besser, die Lenkung ist viel besser, und man findet nun nicht nur den Schalthebel, sondern auch die Gänge. Dann geht es auf die Schotter-Piste. Man muss es so sagen: So ein Defender mit kurzem Radstand ist ja ein eher nervöses Teil. Und baut ziemlich hoch. Also nicht gerade die optimalen Voraussetzungen für die Piste. Man merkt das schnell, man muss viel arbeiten am Volant und im Rührwerk, das passende Drehzahlband ist schmal. Und anfangs hat man nicht so das Vertrauen, weil die Wankbewegungen doch als beträchtlich zu bezeichnen sind – der Schwerpunkt befindet sich weiterhin auf gefühlten zwei Metern. Aber wenn man den Dreh raus hat, dann ...

Er ist laut, der Bowler-Defender. Und alles klappert und knarzt und stöhnt und ächzt; aber es verwindet sich nicht, da hilft der massive Käfig. Tolle Recaro-Stühle, auch wenn das irgendwie nicht in einen Defender passt, doch schon in der ersten Kurve ist man froh um die Dinger. Bowler selber sagt, der kurze Defender sei nicht unbedingt Langstreckenrallyetauglich, was so viel bedeutet wie: Es wird auch noch einen 110er geben von Bowler. Mit dem kann man dann zur Paris–Dakar, sich den Bubentraum erfüllen.

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