Suzuki

Raum ist in der kleinsten Hütte

Suzuki Celerio

Suzuki Celerio

Mit dem Suzuki Celerio beweisen die Japaner einmal mehr ihre Kleinwagen-Kompetenz.

Noch nicht lange ist es her, da wollte der Volkswagen-Konzern Suzuki kaufen. Und die Japaner dann zum Kompetenz-Zentrum für Kleinwagen machen. Das Geschäft kam nicht zustande, es heisst, die Philosophien der jeweiligen Geschäftsführer seien untereinander nicht kompatibel gewesen. Und so bleibt Suzuki weiterhin unabhängig – und Volkswagen hat im so wichtigen Kleinwagen- sowie dem Billig-Segment ausser dem up! auch in absehbarer Zukunft nicht viel zu bieten. Ob der Celerio, den Suzuki derzeit aus der Fabrik rollt und der im nächsten Jahr auch in der Schweiz zu kaufen sein wird, wirklich das Fahrzeug gewesen wäre, das die Ansprüche von Volkswagen hätte erfüllen können, darf mit einem Fragezeichen versehen werden. Das soll nichts gegen den kleinen Suzuki bedeuten – er bedient einfach eine ganz andere Kundschaft. Andererseits: Es fehlt VW an einem wirklich günstigen Angebot für die aufstrebenden Märkte in China, Indien und Südamerika, die Deutschen haben keine sogenannte «Billigmarke» wie etwa Renault mit der sehr erfolgreichen Tochter Dacia, und da hätte ein Fahrzeug wie der in Thailand gebaute Celerio doch Chancen gehabt.

Doch kommen wir endlich zum Celerio selber. 3,6 Meter lang ist er, 1,6 m breit – und stolze 1,54 m hoch. Das ist eine luftige Höhe im Innenraum. Und mit einem Radstand von doch 2,43 Metern genügend Raum für vier und im Notfall fünf Insassen: was der kleine Suzuki insbesondere den hinteren Passagieren an Raum bieten kann, ist verblüffend. Dazu kommen noch 254 Liter Kofferraum-Volumen, das darf in diesem Segment als überdurchschnittlich bezeichnet werden. Werden die Rücksitze abgeklappt, entsteht leider eine fiese Kante, aber zudem ein Fassungsvermögen von beachtlichen 726 Litern. Die sich gut nutzen lassen, auch dank einer erfreulich tiefen Ladekante. Ansonsten ist innen viel Plastik. Von der Sorte, die man bei anderen Herstellern schon seit längerem nicht mehr verwendet. Die Sitze bieten nicht übermässig viel Seitenhalt, aber das braucht man in einem solchen Fahrgerät auch nicht unbedingt. Das Cockpit ist einfach und damit auch übersichtlich gestaltet, bietet mehr als genügend Ablagen, aber Designer-Preise wird es kaum gewinnen. Das gilt auch für die Aussenansicht – elegant ist anders. Und Konkurrenten wie der Renault Twingo, der Bestseller Fiat 500 oder das neue Dreigestirn von Citroën/Peugeot/Toyota, die Modelle C1/108/Aygo, sind deutlich frecher geformt. Die junge Mutter aus der Grossstadt wird der Celerio optisch kaum ansprechen, doch die Menschen vom Lande sind eine Kundschaft, die nicht vernachlässigt werden darf, das weiss Suzuki gerade in der Schweiz, wo die Marke von Verkaufsrekord zu Verkaufsrekord eilt, sehr genau.

Der lange Radstand ist ein guter Grund dafür, dass sich der Suzuki angenehmer fahren lässt als noch so manch ein Konkurrent; er gehört zu den komfortabelsten Kleinwagen. Die sportliche Kurvenhatz ist sein Ding allerdings nicht, der hochbauende Wagen macht nicht unerhebliche Wankbewegungen, da kühlt das Mütchen schnell ab, man will lieber gleiten und unauffällig mit dem Verkehr mitschwimmen. Das ist aber kein Problem, der angenehm ruhig sein Werk verrichtende 1-Liter-Dreizylinder mit 68 PS hat mit dem rund 900 Kilo schweren Fahrzeug keine Mühe. Geschaltet wird automatisch oder manuell über 5 Gänge. Der Suzuki Celerio wird in der Schweiz ab 10’990 Franken zu haben sein (vorläufige Preisempfehlung, das kann sich bis zur Schweizer Markteinführung im Frühling 2015 noch geringfügig ändern). Das ist die Basisversion, da darf man dann aber wirklich keine allzu grossen Ansprüche stellen. Wer die umwelfreundlichere Eco-Variante des Motors will, die dann nur 3,6 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen soll, sowie eine gehobenere Ausstattung wünscht, der muss fast 13’000 Franken investieren – was aber im Vergleich zur Konkurrenz immer noch vernünftig sowie günstig ist.
Mit dem Celerio beweist Suzuki ein mal mehr seine Kleinwagen-Kompetenz. Die ganz grossen Emotionen weckt der Japaner kaum, auch einen Imagegewinn kann der Besitzer kaum für sich in Anspruch nehmen, doch wer in erster Linie ein cleveres, der Vernunft verpflichtetes Transportmittel braucht, das zudem in der Anschaffung sowie im Unterhalt günstig ist, dürfte mit dem Celerio glücklich werden.

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