Plug-in-Hybrid
E-Auto mit Dieselzusatz

Auch der Mercedes GLE ist als Plug-in-Hybrid zu haben. Im Alltagstest überzeugt vor allem die sehr hohe elektrische Reichweite.

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
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Der Mercedes GLE 350de 4Matic hat zwar einen Dieselmotor unter der Haube. Der Fokus liegt aber auf elektrischem Fahren; bis zu 75 Kilometer sind im Alltag möglich.

Der Mercedes GLE 350de 4Matic hat zwar einen Dieselmotor unter der Haube. Der Fokus liegt aber auf elektrischem Fahren; bis zu 75 Kilometer sind im Alltag möglich.

zVg

Der Plug-in-Hybrid ist durchaus umstritten: Für die einen zu unnütz und komplex – für die anderen die ideale Lösung, um gleichzeitig CO2-arm auf Kurzstrecken und maximal flexibel auf Langstrecken unterwegs sein zu können.

Fest steht: Sinnvoll kann der Plug-in-Hybrid nur sein, wenn ein beträchtlicher Anteil der Fahrstrecke rein elektrisch zurückgelegt werden kann. Das kann der Fahrer mit seinem Fahrprofil und regelmässigem Aufladen beeinflussen. Auf der anderen Seite steht die Technik: Beim neuen GLE 350de hat Mercedes die Stellschrauben so gedreht, dass das grosse SUV möglichst viele Kilometer rein elektrisch fahren kann. Den grössten Anteil daran trägt der Akku unter dem Kofferraumboden: Er speichert bis zu 31,2 kWh, wovon 27 effektiv nutzbar sind. Das reicht laut WLTP-Messung für bis zu 99km elektrische Fahrt. Mehr schafft derzeit, mit Ausnahme des Polestar 1, kein anderer Serienwagen mit Plug-in-Hybrid-Antrieb.

Im Test bei winterlichen Temperaturen lag die elektrische Reichweite bei 60 bis 75 km – je nachdem, ob ausschliesslich auf der Autobahn oder auch in der Stadt und über Land gefahren wurde. Damit lassen sich schon sehr viele Strecken problemlos absolvieren, ohne den Dieselmotor unter der Haube zu bemühen – zumal rein elektrisch theoretisch bis zu 160 km/h möglich wären. Ist das Navi aktiv, entscheidet die Elektronik, wann mit Diesel und wann mit Strom gefahren wird.

Der E-Motor leistet 136 PS, bietet vor allem aber 440 Nm maximales Drehmoment. Das reicht aus, um das rund 2,7 Tonnen schwere SUV im Alltagsverkehr mitschwimmen zu lassen. Im elektrischen Betrieb wirkt der GLE sehr souverän und ruhig. Schaltet sich der Dieselmotor zu, geschieht dies kaum spürbar, aber freilich hörbar. Der 4-Zylinder-Diesel mit 2 Litern Hubraum kommt auf 194 PS und 400 Nm Drehmoment. Gerade auf der Autobahn, wo der Diesel in der Regel zum Einsatz kommt, wirkt er etwas angestrengt. Die 9-Gang-Automatik muss oft zurückschalten, wodurch der Motor etwas brummig wirkt. Bei stärkerer Beschleunigung arbeiten E-Maschine und Diesel zusammen, erst dann entsteht die maximale Systemleistung von 320 PS und 700 Nm. Insgesamt überzeugt der Antrieb aber mit unkomplizierter Handhabung, angenehm direkter Kraftentfaltung und vor allem sehr guter Effizienz: Bei komplett leerem Akku steigt der Verbrauch zwar auf rund 8,5 l/100 km bei reiner Autobahnfahrt. Doch kann der GLE bei regelmässigem Laden – der Akku kann innert 30 Minuten auch an einer Gleichstrom-Schnellladestation befüllt werden – dank seiner hohen E-Reichweite sehr viele Kilometer elektrisch abspulen. Im Test fuhren wir fast 75 Prozent elektrisch; der Testverbrauch lag, trotz einiger längerer Autobahnfahrten, bei sehr tiefen 2,8 l/ 100 km Diesel und 19,3 kWh/ 100 km Strom. Den vom Werk angegebenen Verbrauch von 1,0 l/100 km erreicht man, sofern man den GLE 350de noch öfter auf kurzen Strecken bewegt.

Das Cockpit mit grossen Digital-Anzeigen.

Das Cockpit mit grossen Digital-Anzeigen.

Bild. zVg

Das Profil ist entscheidend

Die Plug-in-Hybrid-Version des GLE, die übrigens auch mit einem 4-Zylinder-Benzinmotor erhältlich ist, macht also vor allem Sinn, wenn man sich meist im Radius der elektrischen Reichweite bewegt, sich aber bei gelegentlichen Langstreckenfahrten keine Gedanken über Reichweite und Ladestationen machen will.

Insofern erscheint die seltene Kombination des E-Antriebs mit einem kleinen Dieselmotor durchaus sinnvoll, auch wenn sie bezüglich Fahrkomfort nicht ganz optimal ist. Dafür bleibt das grosse SUV auch dann noch wirtschaftlich, wenn der Akku leer gefahren ist. Doch der Fokus liegt bei diesem Antrieb ganz klar auf dem elektrischen Fahren – so lohnt es sich immerhin, das Mehrgewicht durch Akku und E-Maschine in Kauf zu nehmen. Bis auf die zusätzliche Tankklappe auf der Fahrerseite, hinter der sich die Elektroanschlüsse verbergen, ist der Plug-in-Hybrid optisch nicht von seinen Geschwistern zu unterscheiden. Im Innenraum fehlt lediglich das Ablagefach unter dem Gepäckraumboden. Hier sitzt der Akku. Mit bis zu 1915 Litern ist der GLE weiterhin ein geräumiger Transporter.

Mit einem Grundpreis von 91900 Franken ist der GLE 350de 1800 Franken günstiger als der auf dem Papier vergleichbar starke GLE 400d mit reinem Dieselantrieb; der Sechszylinder ist für lange Autobahnetappen die komfortablere und schlussendlich sparsamere Option. In der Stadt und bei häufigem Kurzstreckeneinsatz, wo der Plug-in-Hybrid seinen E-Antrieb nutzen kann, ist er aber deutlich sparsamer und leiser unterwegs. Eine Ladestation zu Hause oder am Arbeitsplatz sollte man aber auf jeden Fall haben, wenn man sich den Plug-in-Hybrid anschaffen möchte.

Zur Tankstelle fährt man dann wohl nur noch selten; anhand des Testverbrauchs reicht eine Tankfüllung für mehr als 2300 Kilometer – der durchschnittliche Autofahrer tankt damit nur alle zwei Monate!

Mercedes GLE 350de

Motor: Diesel, PHEV, 1950 cm 3

Leistung: 320 PS/700 Nm

Antrieb: Aut. 9-Gang, 4×4

L×B×H: 4924×2010×1795 mm

Kofferraumvolumen: 490–1915 l

Gewicht: ab 2655 kg

0–100 km/h: 6,8 Sek.

Vmax: 210 km/h

Verbrauch WLTP: 1,0 l/100 km

Verbrauch Test: 2,8 l/100 km

Preis: ab 91900 Franken

Auch der Plug-in-Hybrid kommt mit grossen Auspuff-Blenden.

Auch der Plug-in-Hybrid kommt mit grossen Auspuff-Blenden.

Bild: zVg
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