Citroen
Ohne Fehl und auch ohne Tadel

Auch nach 40'000 Kilometern im Dauertest überzeugt der CitroenC4 Cactus weiterhin.

Peter Ruch
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Citroen C4 Cactus

Citroen C4 Cactus

HO

Es war: warm. Die Aussentemperatur-Anzeige stand auf 40 Grad. Die französische Autobahn war leer – der C4 Cactus dafür bis unters Dach vollgepackt. Vier Personen, das Feriengepäck für zwei Wochen, 140 km/h auf dem Tacho, die Klimaanlage auf Höchstleistung. Und doch verharrte der Durchschnittsverbrauch im Bordcomputer sauber unter 5,5 Litern. Was sich dann an der Tankstelle auch bestätigte: 749 Kilometer, genau 40 Liter. Also ein Schnitt von 5,34 Litern unter Bedingungen, die von Automobilen nicht besonders geschätzt und dann meist mit einem hohen Verbrauch abgestraft werden. Unser Dauertest-Cactus steckte das aber locker weg; dort, an der Tankstelle, war fast so etwas wie ein Lächeln auf seinem sowieso freundlichen Gesicht.

Citroen C4 Cactus

Citroen C4 Cactus

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Überhaupt, der Verbrauch: 4,7 Liter haben wir im Schnitt verbraucht auf den 40 000 Kilometern, die wir mit dem Cactus innerhalb eines Jahres zurückgelegt haben. Und da waren keine expliziten Sparfahrten dabei, der Bestwert von 4,1 Litern kam im Frühling auf Schweizer Autobahnen und Landstrassen zustande. Der Höchstwert von 7,8 Litern war eine Vollgasfahrt über die deutschen Autobahnen des Nachts, mit einem Durchschnitt von fast 160 km/h. Ja, wir haben die Klimaanlage ausgeschaltet, wenn es sie nicht brauchte, ja, wir haben uns schon Mühe gegeben, den 1,6-Liter-Diesel stets im optimalen Bereich zu bewegen, doch: 4,7 Liter im Schnitt sind auf Schweizer Strassen als sensationell zu bezeichnen. Das schaffen nicht einmal hochkomplexe – und vor allem viel teurere – Hybride.
Und so kommen also erfreulich tiefe Betriebskosten zusammen. Der Service bei 20 000 Kilometern kostete 420 Franken, da ist zwar kein Schnäppchen, aber in einem vertretbaren Bereich. Öl braucht der Selbstzünder irgendwie keines, und die Reifen, sowohl für Winter wie auch für Sommer, sehen nach je rund 20 000 Kilometern zwar nicht mehr aus wie neu, machen aber bestens nochmals eine Saison mit. Auch die Bremsen scheinen wir nur selten benützt zu haben. Diese drei Punkte, der geringe Verschleiss an Bremsen und Reifen sowie der tiefe Verbrauch ist auf jeden Fall dem niedrigen Gewicht unseres Probanden geschuldet – das Bewegen von knapp 1000 kg braucht einfach weniger Ressourcen als die in diesem Segment üblichen 1,3 Tonnen.

Cactus und Mehari

Cactus und Mehari

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Was, unter anderem, beweist, dass das Konzept von Citroën beim C4 Cactus aufgeht. Die Idee des Verzichts auf unnötige Gimmicks, auf die Reduktion auf das Wesentliche, funktioniert. Wir haben keinen Spurhalte-Assistenten vermisst und auch die Kofferraum-Beleuchtung nicht, die Kinder hatten Freude an den hinteren Ausstellfenstern und wir fanden uns intuitiv mit dem Bediensystem, das hauptsächlich über den grossen Touchscreen oberhalb der Mittelkonsole und nicht mehr über Knöpfchen und Schalterchen geschieht, zurecht. Die Scheibenwischer mit den in die Wischer integrierten Düsen taten ihren Dienst bestens, den Beifahrer-Airbag, der unter der Frontscheibe eingebaut ist und so Platz macht für ein taugliches Handschuhfach, brauchten wir zum Glück nie. Und auch an den Airbumps, die den Wagen vor kleineren Schäden schützen sollen und sich bei Bedarf für wenig Geld auswechseln lassen, gab es keinen Schaden. Die Befürchtungen mancher Kritiker, dass diese Hartplastikteile bald schon nicht mehr schön aussehen werden, können wir nach einem Jahr beim besten Willen nicht bestätigen.

Ja, er ist uns ans Herz gewachsen, der Cactus. Es fällt schwer, auch aus einer gewissen Distanz betrachtet, negative Punkte an diesem charmanten Franzosen zu finden. Gut, ein paar PS mehr, etwas mehr Durchzugskraft wären vielleicht wünschenswert, obwohl wir ja mit dem 100-PS-Diesel die stärkste Variante im Test hatten. Auch ein sechster Gang wäre gerade bei langen Autobahnfahrten nicht falsch. Nicht klagen können wir über die ausladenden, breiten, sehr weichen Sitze, die sich auch auf langen Strecken als ausgesprochen komfortabel erwiesen – es kamen dabei fast nostalgische Gefühle auf, Erinnerungen an den 2CV. Auch die hinteren Passagiere maulten nie über zu wenig Platz, weder für die Beine noch für den Kopf. Und der Kofferraum ist zwar auf dem Papier mit 350 Litern nicht gerade üppig dimensioniert, doch im Alltag – und in den Ferien – zeigte er sich als überraschend gut beladbar und völlig ausreichend. Bei Bedarf kann auch die Rücksitzbank abgelegt werden, das könnte einfacher funktionieren, doch dann stehen anständige 1170 Liter Volumen zur Verfügung.

Citroen C4 Cactus in Dänemark

Citroen C4 Cactus in Dänemark

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Es soll vorkommen, dass die Presse von den Herstellern speziell behandelte Testwagen erhält. Wir wissen nicht, ob das bei Citroën auch der Fall ist. Unser Testwagen hatte innerhalb eines Jahres und auf den 40 000 Kilometern, die ihn unter anderem bis in den Norden Dänemarks, in den Süden Italiens, ganz in den Westen Frankreichs und auch nach England führten, nicht einen einzigen qualitativen Mangel. Doch, einen, manchmal gab es bei etwa 150 km/h auf der Autobahn ein kaum vernehmliches Windgeräusch. Das aber nach einigen Kilometern wieder verschwand. Ansonsten: keine einzige Klage. Etwas, was viele Autofahrer einem Citroën nicht unbedingt zutrauen würden.
Als Fazit bleibt: Der Citroën C4 Cactus hätte den Titel des «Auto des Jahres» – es gewann heuer der VW Passat, der Franzose wurde 2. – unbedingt verdient gehabt. Er bringt frischen Wind in die Auto-Industrie, deren wichtigste Errungenschaft der vergangenen Jahre das Bepacken der Autos mit Sonderausstattungen ist, die weder jemand braucht noch jemand wirklich will. Der Cactus zeigt, dass weniger tatsächlich mehr ist – und wenn es nur mehr Kilometer mit einer Tankfüllung sind. Bei aller Vernunft ist der Franzose aber auch wunderbar charmant – und diese Kombination macht ihn derzeit auf dem Markt einzigartig.