Mit einer Breite von nicht einmal 180 cm und einem Radstand von gerade mal 250 cm ist der Mitsubishi Fuso Canter 3S15 sicher eines der kompaktesten Geräte für den harten Arbeitseinsatz. Die Typenbezeichnung verrät aber noch mehr. Die 3 steht für das zulässige Gesamtgewicht (in diesem Fall 3,5 Tonnen. Das «S» für die schmale Standardkabine und die «15» für die satte Leistung von 150 PS. Untermotorisiert ist der kleine Fuso also nicht, man könnte ihn auch als kleinen Flitzer bezeichnen. Ein weiterer Schriftzug fällt ebenfalls sofort auf: «Duonic» steht da, was nichts anderes als die Bezeichnung des Doppelkupplungsgetriebes der Japaner ist. Der Canter ist das erste leichte Nutzfahrzeug in diesem Segment, welches mit einem solch aufwändigen Getriebe verfügbar ist. Zu den Stärken und Schwächen später mehr.

Die neuste Canter-Generation, welche vor geraumer Zeit eingeführt wurde, hat neue Kabinen bekommen. Allerdings ist die Innenausstattung im Vergleich zur europäischen Konkurrenz immer noch eher karg. Einzig beim Kombiinstrument haben die Japaner einen grossen Schritt vorwärts gemacht. Geblieben sind natürlich die Vorteile des Frontlenker-Konzepts wie die tadellose Übersicht (auch dank der grossen Fensterflächen) oder der extrem kleine Wendekreis (auch wegen des Hinterradantriebs). Zudem verfügte der Test-Truck über eine Klimaanlage, welche man sich mit 1825 Franken aber fürstlich honorieren lässt. Keine Option sondern immer mit an Bord ist die Hinterachssperre, welche auch im Geröll und Matsch für Traktion sorgt. Das war's denn auch schon, kein Radio (und damit auch keine Staumeldungen), wenige und vor allem sehr rutschige Ablagen, viel Hartplastik – der Innenraum ist wirklich kein Fest für die Sinne.

Die trifft auch für das Doppelkupplungsgetriebe Duonic zu. Allerdings nur, wenn man unbeladen unterwegs ist. Ohne Zuladung wirkt das Getriebe völlig überfordert, schaltet zuweilen wild hin und her. Hier hilft nur der Griff zum Joystick-ähnlichen Schalthebel, an welchem man die Gänge selber wählen kann. Zudem lässt sich die Motorbremse (Klappe im Abgaskanal) nur bei höheren Drehzahlen nutzen. Und dies bedingt ebenfalls den Griff zum Schalthebel, da die Automatik so schnell wie möglich in den höchstmöglichen Gang schaltet. Wie gesagt, das Bild ändert sich, wenn man dem Canter  Gewicht auf den massiven Leiterrahmen packt. In unserem Fall sind das maximal 1100 kg, welche der Dreiseitenkipper aus Aluminium der Firma Krapf in Amriswil, aufnehmen darf. Jetzt muss sich der Dreliter-Vierzylindermotor mit Abgasturbolader so richtig ins Zeug legen, das Getriebe bekommt richtig Arbeit und - funktioniert auf einmal richtig gut. Auch der Federungskomfort wird - wie bei diesen Fahrzeugen typisch - immer besser, je mehr man geladen hat. Trotzdem: mit dem sehr kurzen Radstand wird auch dem Canter nie eine Komfortsänfte.

Der Fuso ist in dem Bereich am besten, für welchen er gebaut wurde. Für die harte, ehrlich Arbeit. Das kann er, das will er. Alles ist sehr robust, dank der schwenkbaren Kabine ist der Motor bestens zugänglich und auch bei der Rostvorsorge will Fuso gemäss eigenen Angaben ordentlich zugelegt haben. Da passen auch so schöne Dinge wie die Stop-Start-Automatik nicht dazu. Den Aufpreis von fast 700 Franken für das System kann man sich sparen. Erstens dauert es viel zu lange, bis die Elektronik den Motor abschaltet. Und bis der Vierzylinder wieder läuft und seine Kraft via Doppelkupplungsgetriebe und Kardanwelle bei den Hinterrädern ankommt, hupen die ersten Autos hinter dem Canter bereits... Stattdessen investiert mit das Geld besser in Antirustchmatten für den Innenraum und ein anständiges Radio mit Verkehrsfunk. Dann kann man mit dem Canter – auch mit der Standardkabine, sicher eine lange und schöne Beziehung führen. Auch wenn das kein billige Vergnügen wird: unser Testwagen mit Aufbau kostet gut 55'000 Franken.