Es ist lange her, dass die XJ-Modellreihe eines der meistverkauften Fahrzeuge von Jaguar war. Auch die komplette und radikale Neugestaltung des Autos im Jahr 2002 änderte nichts am mittler weile nur noch mässigen Verkaufserfolg. Doch da steht Jaguar nicht alleine da, der Markt für grosse Luxus limousinen schrumpft extrem – nicht nur in der Schweiz. Dabei ist der XJ auffallend anders – in jeder Beziehung.

Insbesondere die Heckgestaltung polarisiert sogar die Fans der Marke. Aber der XJ ist eine der schnellsten Luxuslimousinen auf dem Markt. Zumindest die von uns gefahrene Version mit 550 PS und einem maxi malen Drehmoment von 680 Nm kommt im Konkurrenzumfeld locker aufs Podium. Hinzu kommen typische Jaguar-Werte wie feinstes Leder, sorgfältige Verarbeitung, aber auch moderne Features wie ein edles Entertainmentsystem für die Fondpassagiere oder eine Audio-Anlage, die jeden Musikliebhaber begeistern wird. Wieso also ist der Jaguar XJ nicht erfolgreicher? Am Preis liegt es nicht. Klar sind mindestens 174’800 Franken (XJR) eine Menge Geld. Aber wenn man sich bei Audi oder Mercedes umschaut, dann wird man merken, dass es dort keineswegs günstiger geht. Und auch am Image dürfte es nicht mehr liegen, denn Jaguar ist wieder zu einer echten Luxusmarke aufgestiegen. Die Briten in indischer Hand präsentieren in regelmässigen Ab ständen neue, teilweise atemberaubende Modelle. Wo also liegt der sprichwörtliche Hund begraben? Wir denken, dass es schlicht am Platzangebot liegt. Trotz der enormen Länge von 512 cm ist das Raumangebot – vor allem für die Passagiere im Fond – nicht fürstlich, sondern eher durchschnittlich. Vorne hingegen sitzt man nahezu perfekt. Die Ergonomie ist durchdacht, die Sitzposition gut und die Übersicht durchaus beachtlich. Unter der Haube des XJR schlummert der aus zahlreichen anderen Modellen bekannte 5,0 Liter grosse V8-Benziner, dessen Zylinder von einem Kompressor unter Druck gesetzt werden. Von aussen alles andere als ein Aufschneider und innen dezent-sportlich gehalten, offenbart der XJR zum Beispiel auf der unlimitierten Autobahn in Deutschland sein wahres Potenzial. Schön lineare Leistungsentfaltung, Vortrieb ohne Ende und dazu hervor ragende Bremsen und ein verzeihendes Fahrwerk. Das einzig Nervöse am Auto ist die Automatik. Mit einem solch drehmomentstarken Motor sind acht Gänge mindestens zwei zu viel.

Es ist wohl dem Normverbrauch geschuldet, dass derzeit bei den Automatikgetrieben mehr auch mehr ist. Immerhin kann man manuell in die Schaltung eingreifen und so das volle Drehmoment des Motors ohne unnötig hohe Dreh zahlen ausschöpfen. So viel Kraft hat aber auch ihren Preis – und das nicht nur beim Kaufpreis. Jaguar nennt einen Durchschnittsverbrauch von 11,6 l/100 km. Wir waren mit dem ziemlich genau zwei Tonnen schweren Auto im Testschnitt mit 12,8 l/100 km unterwegs. Auch dies dürfte unter anderem ein Grund sein, wieso sich Luxuslimousinen mit grossen Benzinmotoren inzwischen nicht mehr so gut verkaufen.

Aber wer auf englische Noblesse steht, bekommt für sein Geld ein richtig feines Auto. Und wer mehr Platz im Fond möchte, kann zum XJ mit langem Radstand (Aussenlänge dann 525 cm) greifen, muss dann allerdings auf die 550 PS der «R»-Modells verzichten. Die Preise für den XJ beginnen bei 89’400 Franken, die «Long Wheelbase» ist ab 122’900 Franken zu haben.