Der Qashqai ist so etwas wie die beste Milchkuh im europäischen Stall von Nissan. Als das Crossover 2007 auf den Markt kam, rechneten die Japaner damit, vielleicht 100'000 Stück pro Jahr verkaufen zu können. Es wurden bisher knapp 2 Millionen Stück weltweit, und völlig untypisch für einen Lebenszyklus eines Automobils, in dem die Verkaufszahlen zumeist zu Beginn hoch sind und dann langsam abflachen, kann die erste Generation des Qashqai ihr «Momentum» immer noch halten. Es ist deshalb auch klar, dass Nissan bei der zweiten Generation, die ab Februar 2014 in der Schweiz bei den Händlern stehen wird, nicht eine Revolution versucht, sondern die Stärken des Qashqai noch besser akzentuiert, sauberer herausarbeitet.

Bei ersten Testfahrten zeigte sich dann auch, dass – nein, halt, leider dürfen wir noch nicht davon berichten, die Japaner haben uns ein Embargo bis zum 8. Januar 2014 aufgebrummt. Wir dürfen also keine Fahreindrücke vermitteln, können aber trotzdem vermelden, dass der neue Qashqai weiterhin alles kann, was der alte Qashqai auch schon konnte – und vieles besser. Vor allem bei der Gestaltung des Innenraums sind grosse Fortschritte zu verzeichnen, Gestaltung und Materialanmutung sind auf einem deutlich höheren Niveau, auch die Platzverhältnisse sind grosszügiger. Es wird in Zukunft aber keinen Qashqai +2 mehr geben, die dritte Sitzreihe bleibt dem ebenfalls komplett überarbeiteten X-Terra vorbehalten.

Vorbildlich ist auf jeden Fall, dass der erfolgreiche Nissan deutlich sparsamer werden wird. Es gibt gar eine Modellvariante, den 1,5-Liter-Diesel mit 110 PS, die soll weniger als 4 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen, was CO 2 -Emissionen von 99 Gramm/km entspricht. Das gesamte Motorenprogramm wurde überarbeitet, als Basismotorisierung dient neu ein 1,2-Liter-Benziner, der dank Turboaufladung auf 110 PS kommt. Ob der auch für die Schweiz taugt, das dürfen wir leider erst Anfang Januar erzählen.
Doch im Umfeld der ersten Testfahrten plauderte der Executive Vice President von Nissan, der Engländer Andrew Palmer, erstaunlich offen und fröhlich aus dem Nähkästchen; solch klare Worte hört man selten in der Autoindustrie, und für einen japanischen Hersteller sind sie sehr ungewohnt. So kündigte Palmer an, dass Nissan wieder ins C-Segment zurückkehren werde, sprich: nach vielen Jahren wieder gegen VW Golf, Peugeot 308 & Co. antreten wird. Das neue Fahrzeug wird auf dem Qashqai basieren – und soll Nissan dabei helfen, schon 2015 zum stärksten asiatischen Hersteller in Europa zu werden. Andrew Palmer: «Das ist unser erklärtes Ziel. Derzeit sind wir noch Nummer 2, doch wir wollen unseren Marktanteil deutlich erhöhen. Dafür werden wir auch die Produktion in Europa massiv ausbauen, im englischen Sunderland 600  000 Fahrzeuge jährlich produzieren, in Spanien wachsen – und in Frankreich ein Werk von Renault übernehmen.» Das darf man als Kampfansage nicht nur gegen Toyota sowie Hyundai/Kia werten, sondern auch gegen die europäischen Hersteller. Auch Produkte von Infiniti, der edlen Nissan-Tochter, die bisher in Europa noch keine Stricke zerreissen konnte, sollen in Zukunft in Europa hergestellt werden, zuerst der Q30, der in Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz entsteht.

Palmer erzählte dann auch noch, dass man mit dem Elektroauto Leaf zwar unterdessen schwarze Zahlen schreibe, aber trotzdem noch nicht zufrieden sei mit den Verkaufszahlen. Was vor allem daran liege, dass die Infrastruktur für das Aufladen von E-Autos noch nicht gut genug sei – und sich Nissan deshalb stärker auf diesem Gebiet engagieren müsse. So ganz nebenbei erwähnte er auch noch, dass die Arbeiten an einem «E-Taxi» für New York voranschreiten – in diesen Tagen erhält der «Big Apple» die ersten noch konventionellen Nissan-Taxis, ein Geschäft, das viel Aufsehen erregt hatte, weil erstmals kein amerikanischer Hersteller mehr die gelbe Flotte für New York liefern darf.