Fiat

Nicht sehr sexy, aber sehr praktisch

Fiat 500L Living

Fiat 500L Living

Fiat Mit dem 500L Living schaffen die Italiener ein echtes Raumwunder.

Da ist diese Sache mit dem ersten Eindruck. Den kann man, sagt man, nicht mehr korrigieren. Beim Fiat 500L, der ja gar kein Cinquecento ist, sondern viel grösser und auf dem Punto basiert, war der erste Eindruck: durchzogen. Mit dem Multipla wurde er verglichen, und als Lob war das nur selten gemeint. Das Design polarisiert, über Sinn und Zweck wird diskutiert, als grösserer Bruder des so famosen 500er will ihn niemand wahrnehmen.

Doch so langsam nehmen die Verkaufszahlen Fahrt auf. In Italien gehört der 500L zu den meistverkauften Fahrzeugen überhaupt, auch das restliche Europa kommt auf den Geschmack, und unterdessen werden auch noch die Amerikaner mit dem Italiener beglückt. Fiat selber war etwas sauer, weil fast niemand den 500L auf Anhieb begriffen hatte, doch jetzt lächeln die Italiener auf den Stockzähnen - der Markt hat ihnen recht gegeben. Das schönste Auto der Welt wird so ein 500L nicht mehr werden, aber das Konzept kann bei genauerer Betrachtung halt schon überzeugen. Er packt erstaunlich viel weg, ist extrem flexibel, sehr praktisch - Qualitäten, welche Fiat früher häufig auszeichneten.

Fiat 500L Living

Fiat 500L Living


Jetzt setzen die Italiener noch einen drauf. Aus dem 500L wird der 500L Living, das sind 20 Zentimeter mehr Länge. Deshalb gibt es den 4,35 Meter langen Fiat auch als 7-Sitzer, doch ihn dafür zu verwenden, das sei nur dann empfohlen, wenn hinten sehr kleine Erwachsene sitzen. Kinder? Schwierig, da ist wahrscheinlich kein Raum für die gesetzlich vorgeschriebenen Kindersitze); so knapp über 100 Literchen Kofferraum bleiben dann auch noch. Doch als 5-Sitzer bietet der Living satte 638 Liter Kofferraumvolumen, das darf man als hervorragend bezeichnen. Wird alles abgeklappt, dann sind es gar 1700 Liter, auch dies ein rekordverdächtiges Mass für ein Fahrzeug dieser Grösse. All die Dinge, die den 500L so praktisch und flexibel machen, die gibt es selbstverständlich auch im Living. Sehr schätzen gelernt haben wir die 20 Zentimeter verschiebbare Rücksitzbank. Und das Raumgefühl ist halt schon wunderbar, man hat den Eindruck, man sitze in einem Kleinbus; bestellt man in der Optionenliste noch das Glasdach, dann wird alles noch besser, luftiger, fröhlicher. Innen gibt es zwar viel Plastik, aber die Italiener schaffen es immer wieder, das ganz nett zu drapieren.

Schöner ist er nicht geworden, der 500L Living, aber seine Form ist etwas harmonischer, irgendwie; mehr Länge ist immer besser. Bei einer ersten Probefahrt hatten wir auch das Gefühl, er liege etwas ruhiger auf der Strasse, doch das ist schwierig einzuschätzen auf ein paar Dutzend Kilometern. Nicht gerade begeistert hat uns die Lenkung, die Rückmeldung von der Strasse geht gegen Null, erstaunlich ist aber trotzdem, wie handlich und agil der Wagen ist, gerade in der Stadt: die «eigenartige» Form hat halt auch ihre Vorteile, hier ist es die Übersichtlichkeit. Ein Sportwagen ist der Fiat selbstverständlich nicht, aber er liegt angenehm satt (und noch so schön komfortabel) auf der Strasse, die hohe Karosserie - der 500L Living ist immerhin 1,67 Meter hoch - macht kaum Wankbewegungen.

Zur Wahl bei den Antrieben stehen die üblichen Verdächtigen von Fiat, wobei wir den 2-Zylinder nicht dringend als erste Wahl sehen würden; CNG wird noch nachgereicht. Wir bewegten den 1,6-Liter-Diesel mit 105 PS, und damit ist man zwar nicht übermotorisiert, doch dafür gut unterwegs. Auch ein Verbrauch von knapp über 5 Litern dürfte im satte 1470 Kilo schweren Selbstzünder möglich sein. Erfreulich die Ruhe, gut passend das manuelle 6-Gang-Getriebe. Die 20 Zentimeter mehr Länge werde rund 1000 Franken Aufschlag kosten. Weil es die Billigvariante Pop beim Living nicht geben wird, muss man also mit knapp 26'000 Franken Listenpreis rechnen.

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