Corvette

Nicht nur der Preis ist heiss

Corvette C7 Stingray

Corvette C7 Stingray

Es ist schwierig, die neue Corvette ein zuschätzen, ohne dass über Geld gesprochen wird.

79 900 Franken kostet die C7 Stingray in ihrer Basisversion, es kommen noch einige wenige Dinge dazu, aber mehr als 90  000 Franken kann man gar nicht investieren in den Amerikaner. In etwa so viel, wie ein Porsche Cayman S in seiner Basis kostet; beim Porsche ist die Aufpreisliste aber dann lang, sehr lang. Und der Porsche tritt mit 325 PS an; die Corvette bietet 466 Pferdestärken. Und 630 Nm maximales Drehmoment. Sie schafft den Spurt von 0 auf 100 km/h in 4,2 Sekunden, rennt über 300 km/h schnell – alles Zahlen, bei denen der Cayman blass wird. Und auch der Porsche 911 zittert, denn er kostet noch weit mehr.

Ob die Corvette jetzt wirklich mit dieser Sportwagen-Legende von Porsche mithalten kann in Sachen Präzision, Fahrdynamik, Alltagstauglichkeit, Qualität, das darf bezweifelt werden. Doch auf der Rennstrecke ist sie mit grösster Wahrscheinlichkeit schneller, da ist halt einfach mehr Bums in acht Zylindern und 6,2 Litern Hubraum (der Carrera S schafft ein maximales Drehmoment von 440 Nm). Und in Sachen Fahrwerk fehlt der Vette auch nicht viel, das Zauberwort heisst Magnetic Ride und ist in seiner jüngsten Version noch besser (Ferrari arbeitet ja auch mit diesem System, so falsch kann es nicht sein). Bei der Corvette kann man das Dach rausnehmen, dann hat man ein Targa, das kann sonst niemand bieten. Und sie hat 425 Liter Kofferraum-Volumen, mehr als ein VW Golf, viel mehr als ein 911er. 1499 Kilo Leergewicht, das kann Porsche ein wenig besser, doch man darf es so als gut gelten lassen.

Die Verarbeitung ist anständig. Im Gegensatz zu früheren Vetten macht die C7 keinerlei Geräusche, die man nicht hören mag in dieser Preisklasse. Gut, das Leder ob dem Armaturenbrett wellt etwas, aber ansonsten gute Materialien, die da verarbeitet werden, tolles Leder, das erträgt auch einmal einen Big Mac samt Cola. Bedienung, Ergonomie: anständig. Sicher liesse sich dies und auch noch jenes vereinfachen, besser machen, aber auch da: Jammern auf hohem Niveau, sogar das Navi und der Radio funktionieren so, wie Europäer sich das gewohnt sind. Wenn es etwas zu beklagen gibt, dann vielleicht die etwas zu hohe Sitzposition.

Man kann fröhlich drehen am Rad auf der Mittelkonsole, zur Verfügung stehen: Wetter, Eco, Tour, Sport und Track. Sport reicht, da macht die Vette deutlich mehr Lärm, sonor, feines V8-Brabbeln und ab etwa 3000/min dann sportlicher, wilder, ohne deswegen gleich proletarisch zu werden. Sie hängt wunderbar am Gas, setzt sofort um, das war ja bei den Vetten nicht immer so. Der 6,2-Liter-V8 dreht schnell und sauber hoch, auch über 6000/min. Doch das braucht man e igentlich nicht, zwischen 3500 und 5500/min tanzt der Bär (maximales Drehmoment 630 Nm bei 4600/min). Das 7-Gang-Getriebe braucht zwar weiterhin einen gewissen Kraftaufwand in der Bedienung, doch es ist eindeutig besser als beim Vorgänger, auch sind die Wege kürzer.

Die Lenkung ist sehr präzis, die Balance höchst erfreulich – die C7 ist sicher einfacher schnell zu bewegen als bisher, besser kontrollierbar, weniger Verwindungen. Als Gesamtpaket viel stabiler, alles, was für den flotten Ritt wichtig ist, besser definiert. Der Grip ist, zumindest auf trockener Strasse, hervorragend. Verbrauch? Wer sich an die Vorgaben hält in der Schweiz, schafft mit 10 Litern mehr als 100 Kilometer. Auch in diesem Bereich hat die neue Corvette grossartige Fortschritte gemacht.

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