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Günstiger als ein Handy-Abo?

Citroën zeigt den Ami: Ein handliches Elektro-Auto für den urbanen Verkehr - und ein digitaler Freund für die Jugend

Dass ihnen der Mut zu unkonventionellen, originellen Produkten fehlt, das kann man Citroën wirklich nicht vorwerfen. Angefangen mit dem 2CV, allseits bekannt als „Ente“, über Autos wie den DS, den Méhari mit seiner Kunststoffkarosserie, bis hin zum Cactus, bei dem die Franzosen erstmals die kontrovers diskutierten, seitlichen Plastik-Panele („Airbump“) einführten.

Auch den Ami (französisch für Freund) gab es schon einmal, eine Mittelklasse-Limousine, die schon 1961 mit einem ungewöhnlichen Heckdesign mit schräger C-Säule polarisierte. Mit dieser hat der aktuelle Elektro-Flitzer in Würfelform allerdings nichts mehr gemein.

Der Ami will vielmehr eine Alternative für öffentliche Verkehrsmittel, Zweiräder und E-Scooter sein und ist mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 45km/h rein für den innerstädtischen Betrieb gedacht. Seine 5,5kWh-Batterie bringt ihn dort laut Citroën bis zu 70 km weit. Im Gegensatz zu seinen zweirädrigen Konkurrenten bietet der kleine Stromer mehr Stauraum, mehr Schutz und -wahrscheinlich am wichtigsten- ein Dach über dem Kopf. Durch seine kompakte Bauweise kommt er auf einen Wendekreis von gerade einmal 7,2 Metern, was in der Stadt ein entscheidender Vorteil sein kann: Eine Mercedes A-Klasse braucht beispielsweise mit 11 Meter fast ein Drittel mehr Platz beim Wenden.

Im Cockpit wird das Smartphone zum Infotainment-System

Die geringe Höchstgeschwindigkeit bietet ausserdem den Vorteil, dass der kleine Citroën auch in der Schweiz schon ab 16 Jahren gefahren werden darf. Damit ist die Zielgruppe klar: Der Ami ist für die junge, digitale Generation. Das wird schon beim Kaufen deutlich: In bester Tesla-Manier kann man den Ami gänzlich im Internet konfigurieren, bestellen und bezahlen. Im Cockpit sucht man vergeblich ein Infotainment-Display: Hier wird das Smartphone zum zentralen Akteur für Navigation und Musik. Ein cleverer Schritt: Man spart sich die Kosten für ein teures Infotainment-System und ermöglicht der jungen Kundschaft, ihr eigenes, bereits bekanntes und meist ohnehin bevorzugtes Smartphone zu nutzen. Über eine eigene App lassen sich auf dem Smartphone relevante Daten wie Reichweite, Ladestatus, Kilometerstand und Wartungshinweise anzeigen oder Ladestationen in der Nähe finden.

Ein weiteres Merkmal, das Autos mit einer jungen Zielgruppe aufweisen müssen, ist hohe Individualisierbarkeit. Hier wird es interessant: Den Ami gibt es nur in einer Aussenlackierung, einem matten Grau, das laut Design-Direktor Pierre Leclercq „weder zu feminin noch zu maskulin“ sein soll. Der eigenen Kreativität sollen trotzdem keine Grenzen gesetzt sein: Es gibt vier Farbpakete (Blau, Weiss, Khaki und Orange), mit denen sich die Farbe der Felgen, des Interieurs und diverser Akzente auf der Karosserie selbst anpassen lassen. Ausserdem kann man aus einer breiten Auswahl an Kotflügel- und Dach-Dekos auswählen. Eine optionale Dachleiste oder einen Heckspoiler gibt es auf Wunsch, genauso die Radzierblenden. Im Innenraum lassen sich nützliche Extras wie Gepäcknetze und -haken konfigurieren, die der Käufer dann allerdings selbst installieren muss.

So teuer wie ein Handyvertrag

Ausser einem Panoramadach und einer Heizung bietet der Ami allerdings nicht viel mehr Ausstattung. Der Beifahrersitz ist festinstalliert, und will man die hauseigene App in vollem Umfang nutzen, benötigt man einen separaten USB-Stick aus dem Zubehörsatz. Diese Sparmassnahmen führen allerdings zu einem durchaus attraktiven Einstiegspreis von 6000€ (umgerechnet ca. 6 383 Franken, Preise für die Schweiz sind noch nicht bekannt). Wer eine Anzahlung von 2644€ (umgerechnet ca. 2813 Franken) leistet, kann den Ami sogar für nur 19,99€ (umgerechnet ca. 22 Franken) im Monat leasen. Bedenkt man den allgemeinen Trend zum Monatsabo, ist dies ein durchaus interessantes Angebot, das sicherlich viele jüngere Käufer wahrnehmen werden: Monatlich kostet sie das Auto dann weniger als so mancher Handy-Vertrag. Citroën kündigt ausserdem Car-Sharing-Angebote an. Ob und in welcher Form diese allerdings in die Schweiz kommen werden, ist noch nicht bekannt. Auch hier dürften die Preise allerdings im Vergleich zur Konkurrenz deutlich tiefer sein.

Insgesamt handelt es sich beim Ami um ein sehr interessantes Konzept, das wie geschaffen für die junge, digitale Generation und deren Bedürfnisse zu sein scheint. Es hat den Anschein, als wurde an den richtigen Stellen gespart, um so ein erschwingliches Angebot für für eine breite Zielgruppe zu schaffen, deren „gemeinsame Nenner nicht ihr Geschlecht oder Alter, ihr Wohnort und noch weniger ihr Bildungsstand sein wird, sondern ihr Mobilitätsbedarf“, so Michel Costa, Market Research Manager bei Citroën.

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