Moderne Roller sind längst vom Schlagloch-Suchgerät zu vollwertigen Verkehrsmitteln mutiert. Vor allem in den Städten haben sie in den letzten Jahren einen grossen Boom erlebt – Wendigkeit und geringer Platzbedarf beim Parkieren sei Dank. Und dank der nahezu flächendeckende Einführung von ABS sowie grösserer Räder ist das Fahren mit diesen Gefährten auch deutlich sicherer geworden. Doch was können moderne Scooter heute wirklich? Um dies zu erörtern haben wir zwei Modelle des renommierten Herstellers Honda getestet. Zum einen die Forza 125, welche dank einer Leistung von 10,5 kW darf man den Roller mit dem Ausweiskategorie A1 fahren, also mit dem sogenannten 125er-Ausweis, andererseits den SH 300i mit  26 PS.

Für einen Roller dieser Klasse kommt ie Forza 125 ganz schön edel daher. Sauber gezeichnetes Cockpit, wie erwähnt ABS und sogar eine Stopp-Start-Automatik sind mit an Bord. Unter den Sitze passen zwei vollwertige Helmen, sie sind so nicht nur vor Diebstahl sondern auch vor Regen geschützt. Die Sitzposition ist eher sportlich gewählt, und so fährt sich der Honda-Scooter auch. Das Fahrwerk ist sehr ausgewogen, die Federelemente schlucken viel – aber natürlich nicht alles. Wie in diesem Rollersegment üblich ist die Vorderradgabel auf richtig schlechten Strecken etwas überfordert. Wunderbar funktionieren die Bremsen. Mit wenig Kraftaufwand lassen sich beachtliche Verzögerungswerte erreichen, dabei hilft das ABS in der Spur zu bleiben. Dank Scheibenbremsen vorne und hinten sind auch lange Bergabpassagen für problemlos.

Honda Forza 125

Honda Forza 125

Nichts zu beklagen gibt es auch bei der Bedienung. Alles ist klar aufgebaut, über die zentrale Schloss-Einheit kann man den Roller nicht nur Starten, auch das Abschliessen oder das Öffnen des Fachs unter dem Sitz erfolgt von dieser «Zentrale» aus. Der Viertakt-Einzylinder der Honda stellt zusammen mit der stufenlosen Automatik ein gut eingespieltes Team dar, dass erst noch richtig sparsam ist. Während des Tests flossen pro 100 Kilometer gerade einmal 1,8 Liter durch die Einspritzdüse. Allerdings hat die geballte Ladung Technik und die hochstehende Verarbeitung auch ihren Preis. Den Forza 125 gibt es ab 6090 Franken.

Noch eine Stufe höher angesiedelt als der Forza 125 ist der SH 300i. Aus einem Hubraum von 278 ccm schöpft der Einzylinder knappe 26 PS. Damit kann man den starken Roller mit der Kategorie «A beschränkt» fahren. Wer also vor dem 1. April 2003 die damalige 125er-Prüfung absolviert hat, darf sich ohne weitere Prüfung auf die Honda setzen. Das Konzept der SH 300i ist ein ganz anderes als bei der Forza. Man sitzt aufrechter, und auch der Stauraum unter dem Sitz ist deutlich kleiner. Dort passt nur ein Helm rein, dafür muss man auf den grossen Honda nicht «aufsteigen». Der «Durchstieg» vor der Sitzbank ermöglicht es, ganz einfach die Sitzposition einzunehmen.

Der Einzylindermotor mit 25 PS ist eine echte Wucht. Sehr spontane Gasannahme, trotzdem fein dosierbar und kernig im Sound. Zudem ist die Wandlerautomatik so abgestimmt, dass man das grosse Motorbremsmoment des Einzylinders richtig gut nutzen kann. Das spart so manches Bremsmanöver. Auch beim SH 300i sind die Bremsen hervorragend abgestimmt. Geringe Bedienkräfte, vorzügliche Dosierbarkeit und – wenn es sein muss – packen sie richtig giftig zu. Wie beim Forza 125 ist auch hier ein ABS-System serienmässig mit an Bord. Das Fahrgefühl auf dem SH 300i entspricht schon fast jenem eines Motorrades. Sehr spurtreu, auch in Wechselkurven nicht widerspenstig und ziemlich schnell – so macht Scootern richtig Spass. Der Spass muss dem Kunden aber auch etwas wert sein. Mindestens 6960 Franken kostet der SH 300 i. Dafür gibt es zwar sehr viel Roller mit wunderbarer Verarbeitung, der hohe Basispreis ist aber dennoch kaum jedermanns Sache.

Andere Hersteller haben ähnlich ausgereifte Fahrzeuge im Programm. Und bieten so mittlerweile relativ sichere Mobilität auf zwei Rädern an. Allerdings muss man sich vor dem Kauf bewusst sein, dass es auch mal regnen kann. Und, auch der Winter ist – trotz mittlerweile verfügbaren Scooter-Winterreifen – sicher keine Domäne der zweirädrigen Gefährte. Spass machen sie aber trotzdem.