Mobilität zum Schnäppchenpreis

Der neue Dacia Sandero kann alles, was ein Auto können muss. Und das für erstaunlich wenig Geld.

Philipp Aeberli
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Wer sein Porsche Cayenne Coupé mit dem «Leichtbau-Sportpaket» etwas dynamischer machen will, bezahlt 12 860 Franken Aufpreis. Beim Audi RS6 bezahlt der Kunde 11 060 Franken zusätzlich, um den sportlichen Kombi dank Keramikbremsanlage besser bremsen zu lassen, und bei Dacia gibt es für 9490 Franken ein ganzes Auto!

Diese Vergleiche werden kaum für einen Kunden relevant sein, weder auf der einen, noch auf der anderen Seite der Preisskala. Doch sie zeigen, wie unglaublich günstig der neue Dacia Sandero weiterhin ist, auch wenn er mit dem Wechsel auf die neue Modellgeneration in der Basis 700 Franken teurer wurde. «Doch wir bleiben preislich attraktiv», betont die Schweizer Dacia-Sprecherin Karin Kirchner im Rahmen der ersten Testfahrten mit dem neuen Sandero. Recht hat sie, denn günstiger findet man keinen Neuwagen. Und: Der Sandero ist nicht nur günstig, er ist auch ein durchaus gutes Auto. Natürlich nicht für den automobilen Feinschmecker, der erlesene Materialien, allerneueste Technologien und einen bärenstarken Antrieb sucht. Doch das Mobilitätsgrundbedürfnis deckt er mehr als nur ausreichend ab.

Das macht die rumänische Marke Dacia, die seit 1999 zur Renault-Gruppe gehört, und insbesondere den Sandero seit Jahren beliebt: Seit die Marke 2005 nach Westeuropa expandierte, wurden mehr als 7 Millionen Dacias verkauft. Der Sandero ist seit 2017 die Nummer eins bei Privatkunden.

Mehr Auto fürs Geld

Diesen Erfolg will Dacia mit dem neuen Sandero fortsetzen, und dafür wird weiter am Preis-Leistungs-Verhältnis gefeilt. Obwohl der Preis nur leicht nach oben ging, bietet die dritte Generation des Kompaktwagens nun nochmals deutlich mehr Auto fürs Geld. Das beginnt schon bei den Abmessungen. Der Wagen wuchs in Länge und Breite um zwei Zentimeter. Das sorgt für acht Liter mehr Kofferraumvolumen, vor allem aber für spürbar mehr Platz auf den Rücksitzen. Der Innenraum hat aber nicht nur an Platz gewonnen, sondern auch an Ausstattung.

So gibt es im Sandero nun auf Wunsch ein Navigationssystem mit Smartphone-Integration, schlüssellosen Zugang oder eine Einparkhilfe vorne und hinten samt Rückfahrkamera. Zudem ist im Sandero erstmals ein stufenloses CVT-Automatikgetriebe erhältlich; es ersetzt das automatisierte Schaltgetriebe, das bislang in der Aufpreisliste stand. Eine deutlich bessere Alternative für alle jene, die nicht selbst schalten möchten, weil die CVT-Lösung im Alltagsbetrieb nicht mit deutlichen Rucklern beim Schalten nervt. Dass der Motor bei Vollgas etwas unnatürlich aufheult, lässt sich bei diesem Auto problemlos verschmerzen.

Dacia Sandero
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Dacia Sandero
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Dacia Sandero

Bild: HO

Selbst mit dem empfehlenswerten stärkeren Motor mit 91 PS und voller Ausstattung inklusive Automatik und der «Stepway»-Ausführung mit höher gelegter Karosserie, Schutzbeplankung rundum und praktischer Dachreling, die sich zum Gepäckträger umbauen lässt, kostet der Sandero kaum über 17000 Franken. So ausgestattet hat er viele Argumente zu bieten, um auch Kunden von höherpreisigen Kompaktwagen ins Grübeln zu bringen.

Fahrspass für Puristen

Doch auch schon die Basis vermag zu überzeugen. Auf die erste Testfahrt machen wir uns in einem Sandero mit munterem Dreizylinder-Motor mit 91 PS, 6-Gang-Handschaltung und der Ausstattungslinie «Essential» (ab 11 690 Franken). Ein Dacia, wie ihn sich die Fans der Marke wünschen – ja, auch in der Schweiz gibt es einen Dacia-Club, denn die preisgünstigen Autos aus Rumänien sind für viele schon fast ein Kultobjekt. Ein Grund dafür begegnet dem Fahrer auch im neuen Sandero sofort: ein Minimalismus, der gute Laune bereitet.

Die Spiegel werden hier noch mechanisch mit einem kleinen Hebel verstellt. Anstelle eines grossen Hochglanz-Touchscreens gibt es auf dem Armaturenbrett eine Handyhalterung. Über die Lenkradtasten und ein kleines LCD-Display in der Tachoeinheit wird das Smartphone per Bluetooth mit den Lautsprechern verbunden, als Navi und Multimedia-Bildschirm dient nun das Handy, was man eh dabei hat. Warum also noch für einen zweiten Bildschirm bezahlen?

So findet man im Cockpit alles was man braucht – die Klimaanlage kostet allerdings 600 Franken Aufpreis. In den höheren Ausstattungsstufen ist auch ein Totwinkelassistent verfügbar, ESP, LED-Licht, Notbremsassistent und Front- sowie Seitenairbags sind immer dabei.

Auf der Strasse sorgt der Sandero dank weichem Fahrwerk mit guter Federung, leichtgängiger Lenkung und präziser Schaltung für gute Laune. Ein Sportwagen kann und will er auch gar nicht erst sein, dank nur knapp 1,2 Tonnen Leergewicht wirkt der Motor aber stets kräftig genug.

Mehr Auto braucht man im Alltag eigentlich nicht – und das für weniger Geld, als andernorts eine Bremsanlage kostet!

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