Mercedes-Benz
Mercedes als Trendsetter?

Kompakte SUV verkaufen sich derzeit wie warme Weggli - doch der neue Mercedes GLA ist weit mehr als einfach nur ein weiteres, hochbeiniges Gefährt.

Peter Ruch
Merken
Drucken
Teilen
Mercedes-Benz GLA

Mercedes-Benz GLA

HO

Über den Sinn von SUV wurde schon reichlich diskutiert, und die Meinungen bleiben kontrovers. Tatsache ist aber, dass gerade kompakte SUV sich hervorragend verkaufen – und dass dieser Trend noch einige Jahre anhalten wird.
Die Auto-Industrie freut sich darüber, das Geschäft ist ansonsten derzeit gerade in Europa alles andere als einfach, und man ist froh, wenn wenigstens ein Segment noch für anständige Umsätze sorgt. Auch deshalb, weil sich mit diesen kompakten SUV noch gutes Geld verdienen lässt; sie sind, zumeist, deutlich teurer als die Modelle, auf denen sie basieren, ausserdem werden sie gern mit stärkeren Motorisierungen und hochwertigerer Ausstattung bestellt.
Mercedes kommt wieder einmal: spät. Den Audi Q3 und den BMW X1 gibt es schon eine gefühlte Ewigkeit, sogar VW, auch nicht gerade als Trendsetter berüchtigt, hat mit dem Tiguan schon lange ein Erfolgsmodell am Start. Die Stuttgarter konnten es also nicht dabei belassen, einfach noch einmal ein etwas kleineres SUV zu bauen (zumal mit dem wenig erfolgreichen GLK ja bereits ein solches im Angebot steht), sondern mussten die ausgetrampelten Pfade verlassen. Und das ist mit dem GLA, der auf der gleichen Frontantriebs-Plattform aufbaut wie die A-, B- und CLA-KLasse, bestens gelungen. Zwar nennt Mercedes das neue Produkt ein Lifestyle-SUV, doch eigentlich stimmt das gar nicht. Denn obwohl der kleine Stern etwas mehr Bodenfreiheit hat als die A-Klasse und dank 4matic-Antriebssystem auch abseits der Strassen alles andere als eine schlechte Figur macht – ein Geländewägelchen ist er nicht. Er bietet «nur» eine höhere Sitzposition (und trotzdem kaum Übersicht, die Scheiben sind einfach zu klein), ansonsten ist er ein ganz klassischer Personenwagen. Was ihm unbedingt zum Vorteil gereicht, denn das Fahrwerk ist ausgezeichnet, sowohl komfortabel wie auch von den sonst so SUV-typischen Wank- und Schaukelbewegungen befreit. Er mag Kurven, der GLA, er kann Langstrecke und er bringt Fahrspass – alles keine Kernkompetenzen eines «gewöhnlichen» SUV. In der Schweiz wird der Allradantrieb ja sowieso in erster Linie für den Winter gekauft, und auf Schnee wird sich der Benz keine Blösse geben müssen.

Als Testwagen stand uns ein GLA 250 4matic zur Verfügung, angetrieben von einem 2-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 211 PS. Diese Version wird in der Schweiz am häufigsten bestellt – und sie ist eine gute Wahl, der GLA ist mehr als nur ausreichend motorisiert. Zumal sich der Verbrauch mit knapp unter 8 Litern in einem vernünftigen Rahmen hielt. Mit einem Basispreis von 48'900 Franken gehört der Mercedes sicher nicht zu den Schnäppchen in diesem Segment, doch das ist bei den deutschen Premium-Konkurrenten ja auch nicht anderes. Dafür ist der GLA irgendwie schicker (vielleicht gar: zu modisch?), auch fröhlicher, vor allem aber kein Möchtegern-Geländewagen, der nach mehr «Offroad» aussieht, als er tatsächlich kann.