Renault

Mehrheitsfähiger Charakter

Renault Kadjar

Renault Kadjar

Im Test überzeugt der Renault Kadjar mit allen Qualitäten, die im Alltag wirklich wichtig sind: mit seiner Sparsamkeit – und mit seinem guten Aussehen.

Dass es so etwas noch gibt! Rutschende Bodenteppiche! Da investiert ein Auto-Hersteller Milliarden in die Entwicklung eines neuen Automobils, Dutzende von Designern versehen den Wagen mit einem ansprechenden Aussehen, Hunderte von Ingenieuren machen ihn flexibel, sparsam, zuverlässig – und dann flutscht der Bodenteppich einfach und immer wieder in die Pedalerie. Da wundert sich der erfahrene Auto-Tester dann schon – und nimmt das Ding einfach raus.


Und damit hat es sich eigentlich schon mit der Kritik am neuen Renault Kadjar. Der Franzose ist ja eigentlich ein Japaner, eine Kopie des Nissan Qashqai, doch Renault hat sich ansonsten viel Mühe gegeben, dem Wagen einen ganz eigenen Charakter zu verleihen. Das Design erscheint harmonisch – mehrheitsfähig. Und ist sicher auch ein Grund dafür, weshalb der Kadjar nach dem kompakteren Captur der zweite Renner werden wird im SUV-Programm von Renault: Design ist und bleibt einer der wichtigsten Kaufgründe. Sieht der Wagen gut aus, gefällt er, dann sind Technik und sogar Preis bald einmal zweitrangig. Wobei man bei der Technik beim Kadjar nicht klagen kann. Unser Testwagen war mit dem bekannten 1,6-Liter-Diesel ausgerüstet, der 130 PS leistet und über ein maximales Drehmoment von 320 Nm schon ab 1750/min verfügt. Leistung also nicht satt, aber ein wunderbares Durchzugsvermögen, was im Alltag weit wichtiger ist als überschäumende Pferdchen. Und weil sich der Kadjar über sechs manuell bedienbare Gänge jederzeit in einem optimalen Leistungsspektrum halten lässt, war auch sein Durst nicht besonders gross: 5,7 Liter im Durchschnitt sind für ein Fahrzeug dieser Grösse ein guter Wert. Gemäss Norm sollten es 4,9 Liter sein, doch seit einigen Tagen weiss man ja, was die Papier-Werte bedeuten...

Renault Kadjar

Renault Kadjar

Im Kadjar, der ein Qashqai ist, merkt man schon beim Einsteigen, weshalb diese SUV so sehr im Trend liegen: Die Sitzposition ist hoch, die Übersicht glänzend, man fühlt sich also – sicher. Und hat halt beim Ein- und beim Aussteigen keinerlei Probleme. Ja, auch die Sitze sind bestens im Kadjar, auf langen Strecken gar vorbildlich komfortabel; die sportliche Kurvenhatz ist ja nicht so sehr das Ding solcher Fahrzeuge, also sei der nicht gerade grossartige Seitenhalt hier nicht beklagt. Überhaupt fühlt sich der Renault am wohlsten, wenn er einfach komfortabel sein darf, dazu passt auch seine relativ weiche Abstimmung des Fahrwerks. Und wieder: Auf der Langstrecke freut man sich über solches. Nur loben kann man die einfache Bedienbarkeit des Wagens, die saubere und schöne Gestaltung des Innenraums, die hochwertigen Materialien, die verwendet werden. Vielleicht sind da gewisse deutsche Hersteller noch einen Tick nobler, doch das sind Kleinigkeiten, die nur wenige Kunden überhaupt bemerken werden.


Und so fährt man denn entspannt, ruhig einher. Dies allerdings nur, wenn man auch über das entsprechend gut gefüllte Konto verfügt. Unser Testwagen kostete nämlich die stattliche Summe von 44'600 Franken. Einverstanden, als Version «Bose» verfügt der Kadjar nicht nur über ein sehr hochwertiges HiFi-System, sondern auch über alles an Infotainment- und Sicherheitssystemen, was man sich nur vorstellen und wünschen kann. Ob man das alles wirklich braucht, das steht auf einem anderen Blatt geschrieben – uns erscheint der Preis schon ziemlich üppig. Doch dann freut man sich am ebenfalls üppigen Platzangebot, an der erstaunlichen Flexibilität des Innenraums, an den maximal fast 1500 Litern Kofferraumvolumen (Bodenteppiche inklusive . . .) – und ist einfach zufrieden.

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