Die Hybrid-Air-Technologie verzichtet auf teure, schwere und umweltbelastende Akkus. Sie kombiniert einen Benzinmotor mit einem Pressluftantrieb.  Altgedienten Autojournalisten ist diese Technologie nicht neu. Jahrzehnte lang hat uns ein Franzose mit Namen Guy Nègre mit seinem kleinen Druckluftautos «genervt». Denn der umtriebige Tüftler versprach immer viel mehr, als seine Wägelchen (AirCar) halten konnten. Dennoch war sein Ansatz, ein Auto mit komprimierter Luft zu betreiben seit jeher interessant. Keine teuren Installationen, einfach Handhabung und Wartung und – vor allem – ein alternativer Antrieb bei dem man nicht auf seltene Metalle oder ähnlich wenig umweltfreundliche Chemikalien angewiesen ist. In letzter Zeit ist es still geworden um den Tüftler aus der Nähe von Nizza, der in den 80er-Jahren unter anderem einen W12-Motor für die Formel 1 entwickelte. Nach wie vor  versucht er mit seiner Firma MDI zusammen mit dem indischen Hersteller Tata die kleinen Druckluftautos zur Serienreife zu bringen. Wie gesagt, grundsätzlich ist die Idee ja gut, die Umsetzung von Druckluft als Antriebsquelle scheint dann aber doch problematischer als angenommen.

Jetzt aber kommt Peugeot und nimmt die Idee für den 2008 auf. Allerdings fungiert die Druckluft eben nicht als alleinige Antriebsquelle. Vielmehr setzt man auf die Hybridtechnik. Ein Benzinmotor sorgt für den Vortrieb. Beim Bremsen oder Ausrollen wird aber nicht ein elektrischer Speicher geladen, sondern mittels eines Verdichters die Druckluftflaschen am Unterboden des Fahrzeugs. Zudem wird der Drucklufttank in bestimmten Fahrsituationen auch vom Verbrennungsmotor «geladen». Gemäss Peugeot soll der Tank am Mitteltunnel innert 10 Sekunden auf Betriebsdruck sein. Der kleine Tank hinten fungiert lediglich als Ausgleichsbehälter. Zur Druckerzeugung oder zur Kraftübertragung wird eine Hydraulikgruppe genutzt, welche aus Motor und Pumpe besteht und im Motorraum über dem Getriebe plaziert wurde. Die Kraftübertragung erfolgt dann über ein automatisiertes Planetengetriebe, welches die konventionelle Schaltbox ersetzt. Das Steuergerät steuert die beiden Energiequellen so, dass in jeder Fahrsituation die optimale Leistung erzielt wird.

Peugeot 2008 Hybrid-Air Drucklufttanks

Peugeot 2008 Hybrid-Air Drucklufttanks

Im Druckluftmodus wird das Fahrzeug ausschliesslich mit Druckluft betrieben. Die sich ausdehnende Luft beansprucht im Druckluftspeicher immer mehr Raum und verdrängt dabei ein entsprechendes Ölvolumen, das wiederum den an das Planetengetriebe gekoppelten Hydraulikmotor antreibt. Im Benzinbetrieb wird das Fahrzeug dagegen durch den 3-Zylinder-Benzinmotor 1.2 VTi angetrieben. Er ist 21 kg leichter als die Vorgängerversion und besitzt eine um 30 % geringere Motorreibung sowie ein verbessertes Wärmemanagement, das ihn schneller auf die optimale Betriebstemperatur bringt. Im Mischbetrieb wirken Benzin- und Hydraulikmotor zusammen, um in jeder Fahrsituation optimale Leistung bei geringstmöglichem Verbrauch zu erzielen.  Die Hybrid Air-Technologie kann den Hydraulikmotor also aus zwei Energiequellen speisen. Solange der Druckluftspeicher ausreichend Druckluft enthält treibt er den Hydraulikmotor an. Danach kann der Hydraulikmotor bei Bedarf direkt über die Hydraulikpumpe angetrieben werden. Was kompliziert
klingt ist nichts anderes, als die bisherige Benzin-Elektro-Hybridfunktionsweise, nur eben mit Druckluft.

Klingt alles wunderbar. Aber: der Aufwand an Bauteilen ist deutlich grösser als bei einem Elektrohybrid. Neben den Drucktanks, Hydraulikgruppe und dem Planetengetriebe brauchts auch noch Lufttrockner, frostsichere Ventile usw. Leichter als die bisherigen Hybride wird der neue Antrieb also kaum sein. Dafür deutlich günstiger in der Herstellung zumal man nicht auf «seltene Erden» für die Batterieproduktion angewiesen ist. Wann man bei den Franzosen die fahrende Luftpumpe in die Realität umsetzen will, ist noch unklar. Aber es scheint sicher, dass die Technologie im neuen Crossover 2008 ihre Premiere feiern wird. Wir warten ebenso gespannt auf die ersten Fahrversuche wie wohl auch ein gewisser Monsieur Guy Nègre. Dann wird sich auch zeigen ob Peugeot das Ziel, mit nur 2 Liter Benzin pro 100 Kilometer auszukommen, erreicht hat.