Die Online-Shops stehen vor einem grossen Knackpunkt: Wer heute bestellt, kriegt seine Ware am nächsten Tag per Post geliefert.

Doch auch hier will es der Kunde künftig schneller. Wer dringend ein neues Smartphone braucht, möchte dies noch am selben Tag geliefert bekommen. Das geht momentan, wenn überhaupt, nur mit einer teueren Kurierfahrt. Künftig soll die Eilfracht durch die Luft schneller zum Kunden kommen, meinen Mercedes, Drohnenhersteller Matternet und der Online-Händler Siroop. In einem dreiwöchigen Pilotprojekt wird dies nun im Raum Zürich auf Praxistauglichkeit getestet.

Das Projekt unterscheidet sich aber in einigen Punkten von den bekannten Drohnen-Zustellungen, wie sie beispielsweise der Online-Händler Amazon plant. Denn die Drohne fliegt bei Siroop nicht direkt bis zum Kunden. Dies würde, so die Verantwortlichen, zu viele Risiken bergen. Landet die Drohne im Vorgarten, könnte sie beispielsweise Kinder oder Haustiere verletzen. Ausserdem gibt es in dicht besiedelten Gebieten nicht immer einen geeigneten Landeplatz.

Sichere Basis

Hier kommt im Pilotprojekt der Mercedes Vito ins Spiel. Er wurde zur mobilen Landebasis aufgerüstet, sodass die Drohne sicher auf dem Dach landen kann. «Geht eine Bestellung ein, wird das Produkt verpackt und in die Drohne verladen. Diese bringt die Lieferung dann zu einem Zustellwagen, der schon in der Nähe des Kunden unterwegs ist. Dort landet die Drohne sicher auf dem Dach und der Bote kann dem Kunden das Produkt übergeben», erklärt Peter Rohn, CEO von Siroop. Wo sich Drohne und Zustellwagen am besten treffen wird automatisch per Software errechnet, sodass die Wege möglichst kurz bleiben. Die Drohne vom US-Hersteller Matternet kann bis zu 20 Kilometer zurücklegen, wobei sie bis zu 70 km/h schnell unterwegs ist. Die maximale Flugdauer liegt bei 25 Minuten. Bei einem Eigengewicht von 10 Kilogramm kann die Drohne Lasten von bis zu 2 Kilogramm transportieren. Auf einer Flughöhe von acht Metern navigiert die Drohne komplett selbstständig. «Die grundsätzliche Orientierung erfolgt per GPS. Darüber hinaus sind diverse Sensoren an Bord, sodass die Drohne Hindernissen ausweichen kann und ihren Weg findet», erklärt Andreas Raptopoulos, CEO von Matternet. Zudem sind mehrer Sicherheitsmechanismen eingebaut. Vor dem Start überprüft sich die Drohne eigenständig. Sollte während des Fluges ein Fehler auftreten, wird eine Fehlermeldung verschickt und die Drohne bleibt an Ort und Stelle stehen. Sollten alle Stricke reissen, ist ein Fallschirm verbaut, der das Fluggerät langsam und sicher zu Boden bringt.

Drohne statt Lieferwagen?

Bleibt noch die Frage, ob sich die Zusammenarbeit auch für Mercedes lohnt; schliesslich könnte die Drohne dereinst auch zur Konkurrenz für den klassischen Lieferwagen werden.

«Wir glauben nicht, dass es zu einem Wettkampf kommen wird. Sowohl unsere Vans, als auch die Drohnen sind Mittel, um Waren zu befördern. Es geht darum, bestmögliche Synergien zu finden, um dem Kunden noch mehr Komfort zu bieten», meint Stefan Maurer, Head of future transports bei Mercedes-Benz Vans.