Es war knapp. Aber es hat zum Ende doch noch gereicht: Vergangenes Wochenende sicherte sich Porsche zum 19. Mal den Gesamtsieg bei den legendären 24 Stunden von Le Mans.
Beide Top-Teams. Porsche und Toyota, hatten in der Nacht mit technischen Problemen zu kämpfen. Der führende Toyota schied rund eine Stunde nach Mitternacht aus und alles deutete auf einen klaren Sieg für Porsche hin. Doch: Le Mans gewinnt man nicht, Le Mans lässt dich gewinnen – so pflegt man unter Rennfahrern zu sagen. Eine Weisheit, die sich für das führende Team mit dem Schweizer Neel Jani rund vier Stunden vor Rennende schmerzlich bewahrheitete. Der hochkomplexe Hybrid-Renner rollte langsam aus und schaffte es nicht mehr zurück an die Box. Es kam zu einem packenden und zugleich sinnbildlichen Finale. Denn an der Spitze lag nun plötzlich das chinesische Jackie Chan Racing Team aus der zweithöchsten Klasse, LMP2. Die LMP2-Autos fahren, im Gegensatz zu den Topteams, mit reinem Benzinantrieb ohne Hybrid-Unterstützung. «Technisch gesehen, sind die LMP2-Autos ungefähr auf demselben Stand, wie es die Top-Autos vor 10 bis 15 Jahren waren», erklärt der Schweizer Porsche-Pilot Neel Jani.
Es kam also zum Duell der bewährten Technik gegen den modernen Hybrid-Boliden. Der hatte zwar zehn Runden Rückstand gutzumachen – das Auto stand während der Nacht eine Stunde an der Box, da der vordere Elektromotor getauscht werden musste – hatte aber auch ein paar gewichtige Vorteile: Denn die Hybrid-Renner sind nicht nur zehn bis 15 Sekunden pro Runde schneller, sie verbrauchen dabei auch noch weniger Sprit. Wer bei einem Langstreckenrennen weniger Sprit verbraucht, verliert weniger Zeit mit Boxenstopps zum Nachtanken.
Schliesslich gewann der Porsche mit einer Runde Vorsprung. Hightech hat sich also gegen den klassischen Verbrennungsmotor durchgesetzt.

Kleiner Verbrennungsmotor
Kaum verwunderlich, wenn man sich die aufwendige Technik des Hybrid-Rennwagens im Detail anschaut. Hauptantriebsquelle ist nach wie vor ein Verbrennungsmotor. Der fällt aber verhältnismässig klein aus. Aus nur zwei Liter Hubraum holt der V4-Motor knapp 500 PS. Unterstützt wird er aber zusätzlich durch einen Elektromotor, der an der Vorderachse nochmals über 400 PS erzeugt. Somit kommt der Renner auf fast 1000 PS Gesamtleistung. Doch um diese zu erzielen, muss der E-Motor mit genügend Strom versorgt werden. Die Batterie dafür ist neben dem Fahrer untergebracht. Sie ist ungefähr so gross wie ein kleiner Koffer, der im Flugzeug als Handgepäck mitreisen darf, und wiegt rund 70 Kilo.
Strom bekommt die Batterie aus zwei Quellen. Einerseits wird, ähnlich wie bei strassentauglichen Hybridautos, beim Bremsen Energie rekuperiert. Die Strecke in Le Mans hat lange Geraden und langsame Schikanen. Hier fällt innert kurzer Zeit viel Energie an.
Doch der grösste Teil der Strecke besteht aus Vollgas-Passagen. Auf der längsten Geraden erreichen die Renner über 330 km/h. Hier kann der Porsche einen Vorteil nutzen: Der 919 Hybrid ist nämlich das einzige Auto im Feld, das auch in den Beschleunigungsphasen Strom generieren kann. Nebst dem Turbolader ist im Abgasstrang des Motors eine weitere Turbine verbaut, die einen elektrischen Generator antreibt.

Ideales Versuchslabor
Wie effektiv diese Technologie ist, zeigt ein Blick auf die Verbrauchswerte. Im Renneinsatz verbraucht das Siegerfahrzeug rund 31 l/100 km – auf einer Strecke mit rund 70 Prozent Vollgas-Anteil, wohlgemerkt. Ein GT-Fahrzeug ohne Hybrid verbraucht rund das Doppelte und ist zudem auch deutlich langsamer unterwegs. Der Verbrauch ist indes per Reglement limitiert.
Das macht die LMP1-Prototypen zum idealen Versuchslabor für künftige Strassenautos, auch wenn kaum Teile direkt übernommen werden: «An Teilen von der Strecke finden Sie nicht sehr viel, sehr wohl aber an Konzept-Ähnlichkeit», erklärt Dr. Michael Steiner, Mitglied des Vorstands Forschung und Entwicklung bei Porsche. Vor allem wenn es darum geht, die elektrischen Komponenten auch für längere Belastungen, und nicht nur für kurze Sprints, haltbar zu machen, könne man hier viel lernen. Nicht zuletzt auch, weil bei Porsche die Serien-Entwicklung und die Entwicklung für den Rennsport sehr nahe zusammenlägen. Es ist eine Frage der Zeit, bis der Higtech-Antrieb auch auf der Strasse die Nase vorne hat.