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Der Golf GTI wird 45

Aus dem Kompaktsportler ist mittlerweile eine ganze Familie geworden. Ein Rückblick.

Als Volkswagen 1975, nur kurz nach der Einführung des Golf 1974, den ersten GTI vorstellte, war das Konzept des Autos keineswegs eine Revolution. Ford hatte mit dem Escort RS2000 bereits ein ähnliches Modell im Angebot, ebenso Opel mit dem Kadett GT/E.

Trotzdem überzeugte der GTI von Anfang an: Der kleinere Golf schöpfte seine 110 PS aus deutlich weniger Hubraum als seine Konkurrenten und wog mit 810 kg Leergewicht deutlich weniger, was ihm zu sehr guten, sportlichen Fahrleistungen verhalf. Trotzdem wollte man beim GTI schon von Anfang an ein Konzept bauen, das auch alltagstauglich war. Werbebotschaften wie „auch zum Einkaufen in Schrittgeschwindigkeit ruckfrei zu fahren“ unterstrichen dies.

Und das Konzept funktionierte: Vom Golf I GTI und Golf II GTI, der ab 1984 1,8 statt der bisherigen 1,6 Liter Hubraum bot, wurden von 1976-1987 74 380 Stück verkauft – allein in der Schweiz. In Deutschland waren es mehr als 270 000 Stück. Ein Erfolg, den so niemand vorausgesehen hatte: Ursprünglich war der Golf GTI als Sondermodell in limitierter Auflage von 5000 Stück gedacht. Das lag vor allem daran, dass der GTI nicht geplant war: Das Konzept stammte aus der Feder einiger Ingenieure und Marketingmitarbeiter um den damaligen Pressechef Anton Konrad, nachdem Alfons Löwenberg, Mitarbeiter in der Versuchsabteilung, die Idee eines sportlichen, preisgünstigen Fahrzeuges erstmals vorschlug. Ohne Kenntnis des VW-Vorstands entwickelten die Ingenieure einen Prototypen. Dieser überzeugte den damaligen Vorstand Werner Schmidt derart, dass er eine Weiterentwicklung genehmigte.

Zu früh:
Der erste Golf GTD

1982, ein Jahr vor der Vorstellung es Golf II GTI, stellte Volkswagen den ersten GTD vor. Der Turbodiesel erreichte 69 PS – der Name GTD geriet allerdings vorerst wieder in Vergessenheit: Die ersten Modelle waren keine grossen Erfolge, zu hoch war der Preis, zu unbekannt das Konzept eines sportlichen Diesels. Ab dem Golf III hiessen die starken Diesel deshalb wieder GT TDI und GTI TDI. Ähnlich erging es auch den benzinangetriebenen GTI Modellen der dritten Modellgeneration: Sie verloren zwar nicht ihren Namen, dafür aber ihre Exklusivität. Golf III GTI und Golf IV GTI waren lediglich Modellvarianten, deren Motoren auch in anderen Versionen des Golf verbaut waren.

Trotzdem blieb das Kürzel „GTI“ den Menschen im Kopf. Obwohl es im Laufe der Zeit auch stärkere Golf-Modelle wie den VR6 und später den R32 gab, blieben die drei Buchstaben als Synonym für den stärksten Golf erhalten. So war es kein Wunder, dass VW an die Tradition anknüpfte und ab dem Golf V wieder einen eigenständigen Motor für den GTI anbot. Ab dem Golf VI gab es dann auch wieder den GTD, nun mit 170 PS aus einem 2,0 L Turbodiesel. Dadurch etablierten sich die sportlichen Kompakten weiterhin, und nicht zuletzt dank zahlreicher Sondermodelle entwickelte sich immer mehr eine eingefleischte Fangemeinde, die die Mischung aus Alltagsauto und Sportlichkeit schätzte.

Die Fortsetzung:
Der Golf GTE

Daher war es wenig überraschend, dass Volkswagen 2014 an die Erfolgsgeschichte dieser Modelle anknüpfen wollte, indem sie den ersten Plug-In-Hybrid des Golf als „GTE“ auf den Markt brachten. Mit einer Systemleistung von 204 PS brachte es der Hybrid auf ähnliche Leistungswerte wie der klassische GTI und schaffte zusätzlich bis zu 50 km rein elektrisch.

So ist über die Jahre aus dem einstigen Erfolgsmodell eine ganze Familie geworden, deren Erfolgsgeschichte nicht abreisst: Allein vom Golf VII GTI wurden in der Schweiz fast 5000 Autos verkauft. Darauf aufbauend stellt VW nun, pünktlich zum abgesagten Genfer Autosalon, die nunmehr achte und neuste Generation dieser Erfolgsmodelle vor: Den Golf VIII GTI, GTD und GTE. GTI und GTE leisten in ihrer neusten Ausführung beide 245 PS, so viel wie das GTI Performance-Modell der letzten Generation. Der GTD leistet mit 200 PS traditionell etwas weniger, will aber mit grösserer Reichweite und tieferem Verbrauch überzeugen.

In Anlehnung an den roten Kühlergrillrahmen des ersten GTI tragen auch die neusten Modelle farbige Querspangen, die sie von den anderen Motorisierungen abheben: Rot für den GTI, blau für den GTE und silber für den GTD: Eine wichtige optische Abgrenzung, die es nur beim „verwässerten“ Golf III und IV GTI so nicht gab. Ein Fehler, aus dem man gelernt hat. Schliesslich will sich die sportliche Version des Kompakten trotz ihrer Alltagstauglichkeit vom normalen Golf abheben. Bei der neusten Generation geht man da noch einen Schritt weiter: breitere Seitenschweller, rot lackierte Bremssättel und markanter Frontspoiler sowie Heckdiffusor sprechen eine eindeutig sportliche Designsprache. Trotz eines modernen, digitalen Cockpits bekennt man sich auch innen zur Historie: Ein Dreispeichen- Lenkrad und Karomuster auf den Sitzen erinnern an die GTI-Geschichte.

Trotz der mittlerweile starken Konkurrenz wie dem Mercedes A35 AMG und dem Hyundai i30 N wird sich die Erfolgsgeschichte der GTI-Familie sicherlich fortsetzen: Anders als seine Konkurrenten kann der Golf auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurückblicken, die ihm viele Liebhaber beschert hat. Diese blicken dem Marktstart der achten Generation Ende des Jahres mit Spannung entgegen, können alle drei Modelle aber schon im Sommer bestellen. Die Preise werden noch bekanntgegeben – zum Vergleich: Bisher kostete ein Golf GTI Performance mit 245 PS 45 150 Franken, der GTE startete bei 46 650 Franken und der GTD kostete zu seiner Lancierung 2013 38 950 Franken.

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