Jaguar
Lord Laster gibt sich die Ehre

Kombi und Jaguar? Ja, das passt wirklich zusammen, sogar mit Dieselmotor.

Markus Chalilow
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Jaguar XF Sportbrake

Jaguar XF Sportbrake

HO

Wir waren nach den ersten Testfahrten vor einiger Zeit bereits positiv überrascht. Dieser Eindruck hat sich beim Test auf heimischem Geläuf bestätigt. Viel besser auf jeden Fall, als beim letzten Kombi der Briten. Der X-Type (ab 2001) gehört war alles andere als perfekt, und eigentlich ein Ford Modeo. Um damals die Traditionalisten nicht von Beginn an zu verärgern gabs den X-Type erst nur mit Allradantrieb. Später folgten dann auch Versionen mit Vorderradantrieb und sehr kleinen Motoren. 2009 wurde die Produktion des X-Type dann eingestellt.
Nun also der zweite Versuch, mit einem Kombi ein breites Publikum anzusprechen. Das wird gelingen, denn der XF Sportbrake ist ein richtig gutes Automobil. Wie gesagt, Jaguar scheint aus Fehlern gelernt zu haben. Die Briten haben mit dem XF-Kombi fast alles besser gemacht, ausser: dass es keinen Allradantrieb gibt! Vor allem für Schweizer Kunden sicher eine herbe Enttäuschung. Und, angesichts der Konkurrenz (Audi mit Quattro, BMW mit X-Drive oder Mercedes mit 4Matic) ein echter Nachteil.
Doch zurück zu unserem Testwagen, einem bildhübschen 2,2-L-Diesel mit mächtigen Rädern (19-Zöller, natürlich gegen Aufpreis). Keine Frage, 200 PS aus einem Vierzylinder-Diesel ist nicht unbedingt dass, was der klassische Jaguar-Fahrer erwartet. Aber, wie schon bei anderen Modellen der Marke vermag der Selbstzünder auch im XF Sportbrake zu überzeugen. Zumindest so lange, man sich nicht pausenlos auf der Autobahn in Deutschland rumtreibt. In der Schweiz reichen die 200 Pferde und das maximale Drehmoment von 450 Nm locker aus. Bei Autobahntempo gibt der 2,2-Liter zudem den Schiffsdiesel. Denn dank der Achstufenautomatik braucht es für Tempo 120 knappe 2000 Umdrehungen. Der Topspeed des XF-Kombi soll bei 214 km/h liegen, die Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h oll gemäss Werk 8,8 Sekunden dauern. Wie gesagt, alles keine Top-Werte, aber es reicht aus, auch wenns mal vollbeladen in die Berge geht. Und, der Verbrauch ist wirklich beachtenswert. Während des Tests pumpte der Jaguar genau 6,7 Liter Diesel pro 100 Kilometer durch die vier Einspritzdüsen. Das ist zwar viel mehr als versprochen (Werksangabe 5,2 L/100 km), aber im Vergleich mit der Konkurrenz wirklich okay. Wie immer bei Jaguar ist das Auto alles andere als leicht. Knapp zwei Tonnen bringt der Sportbrake auf die Waage. Das spürt man allerdings beim Fahren nicht so ausgeprägt. Die relativ sportliche Fahrwerksabstimmung des 497 cm langen Briten und die guten Seitenhalt bietenden Sitze animieren dazu, Lord Laster auch mal Fliegen zu lassen. Nur die Lenkung dürfte etwas direkter sein. Doch das Gesamtpaket in Sachen Fahrwerk, Lenkung und Komfort ist durchaus stimmig.
Eine Angabe macht uns allerdings stutzig. Gemäss Jaguar wiegt der XF Sportbreak nach ECE-Norm (also inkl. 75 kg schwerem Fahrer) 2062. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt aber nur 2320 kg. Das bedeutet, dass die maximal vier Begleiter und das Gepäck zusammen gerade mal 258 Kilogramm wiegen dürfen. Also im Schnitt pro Person 64,5 kg, Gepäck darf dann allerdings keines mehr in den Kombi! Dabei fasst das Gepäckabteil bei normaler Sitzkonfiguration immer noch 550 Liter (maximal 1675 Liter). Im Fond haben die Passagiere deutlich mehr Platz als in der Limousine, was nicht zuletzt der nicht abfallenden Dachlinie des Kombis zu verdanken ist. Wie es sich für Jaguar gehört spielt man auch beim XF mit Kombiheck die Premium-Melodie im Innenraum. Leder, feine Stoffe, Aluminium und gute Verarbeitung sorgen für Lounge-Atmosphäre. Aber: in Sachen Infotainment ist der XF mittlerweile etwas ins Hintertreffen geraten. Doch das wird man sicher bald korrigieren. Trotzdem finden wir, dass der XF Sportbrake eine gelungene Alternative zu Lifestyle-Lastern aus Deutschland ist. Preislich allerdings nicht wirklich. Mindestens 63'500 Franken muss man für den XF mit grossem Kofferraum löhnen. Mit ein paar Extras ist man dann aber schnell auf einem Betrag jenseits der 80'000 Franken und somit bei Audi, BMW und Co. in bester Gesellschaft.