Lexus UX 300e
Entschleunigung auf Rädern

Das erste Elektroauto von Lexus im Test: Der Lexus UX300e hat viele Pluspunkte – und ein Manko.

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
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Lexus UX 300e

Lexus UX 300e

Bild: zVg

Die Weichen scheinen gestellt zu sein: Die Elektromobilität nimmt zusehends Fahrt auf und ist unumgänglich, um die Klimaziele für die Zukunft zu erreichen. Kaum ein Hersteller – exotische Kleinserienhersteller einmal ausgenommen – kommt mehr ohne Elektroautos und Plug-in-Hybride aus. Auch die Lexus, die Edelmarke aus dem Hause Toyota, muss nun einen nächsten Schritt gehen - obwohl Hybridantriebe hier schon lange eine Selbstverständlichkeit sind. Doch ein Vollhybrid, welcher seine Batterien für die E-Motoren ausschliesslich über die Bremsenergie auflädt, ist auf Dauer nicht mehr effizient genug. So hat Toyota bereits Plug-in-Hybride im Angebot und Lexus schickt nun mit dem UX300e sein erstes Auto mit reinem E-Antrieb auf die Strasse. Der Stromer ist, bis auf den Antrieb, identisch mit dem Benzin- oder Hybridgetrieben UX, der schon seit 2018 produziert wird. Optisch unterscheidet sich der Stromer nur in Details – und auch das Platzangebot ist komplett erhalten geblieben. So sitzt man auch im elektrischen Kompakt-Crossover bequem und angenehm hoch. Die Sitze sind komfortabel gepolstert und vielfältig einstellbar. So fühlt man sich auch im UX mit Elektroantrieb auf Anhieb wohl und geborgen. Die Bedienung erfolgt über ein Touchpad auf der Mittelkonsole, was etwas Eingewöhnung verlangt. Dafür funktioniert die Smartphone Verbindung über Android Auto oder Apple CarPlay problemlos, sodass Musik und Navigation einfach und auf dem neuesten Stand ins Auto kommen.

Lexus UX 300e

Lexus UX 300e

Bild: zVg

Die Tachoeinheit kombiniert analoge und digitale Elemente und informiert damit auf einen Blick über die aktuelle Geschwindigkeit, Verbrauch und vor allem Batterieladung und Reichweite. Laut Werksangabe reicht der Akku mit 54,3 kWh Bruttokapazität für eine Reichweite von 315 Kilometern laut WLTP-Messnorm. Das Entspricht einem Verbrauch von 17 kWh (WLTP). Im Test verbrauchte der Japaner im Schnitt knapp 19 kWh/100 km, womit rund 280 Kilometer pro Akkuladung möglich wären. Das ist durchaus Alltagstauglich - vor allem auch, weil der Bordcomputer die Restreichweite präzise und nachvollziehbar vorausberechnet. Man kann sich also durchaus auf die Prognosen verlassen. Das ist umso wichtiger, weil das Lexus-Navi beim Finden von Ladestationen, beim Planen von Routen mit Aufladestopps oder beim Berechnen der Restreichweite bei der Ankunft am Ziel keine Hilfe bietet; hier ist man als Fahrer auf sich alleine gestellt, weil das System nicht gründlich auf den Einsatz im E-Auto angepasst wurde.

Das eigentliche Manko des gelungenen Stromers ist aber das Aufladen. An einer Wechselstrom-Ladestation, also beispielsweise einer öffentlichen Ladestation oder einer heimischen Wallbox, zieht der UX maximal 6,6 kW. So kommen pro Stunde nur rund 30 Kilometer Reichweite in den Akku, eine vollständige Ladung dauert acht Stunden. Die meisten Konkurrenten bieten hier 11 kW Ladeleistung, womit pro Stunde fast 60 Kilometer Reichweite geladen werden könnten.
An einer Schnellladestation mit Gleichstrom lädt der UX 300e mit maximal 50 kW, womit der Akku nach 50 Minuten wieder zu 80% voll ist. Das ist an sich schon kein Spitzenwert. Schade ist aber vor allem, dass Lexus auf den veralteten und in Europa wenig verbreiteten Chademo-Standard setzt. Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur kommt hier vor allem der neuere CCS-Standard zum Einsatz, der höhere Ladeleistungen erlaubt. So wird das Schnellladen auf längeren Strecken mit dem Lexus erschwert, da ihm deutlich weniger Ladestationen zur Verfügung stehen. So sollte man längere Reisen schon im vorab gut planen, will man nicht riskieren, mit dem Stromer zu stranden. Damit wird der UX 300e fast schon zum Zweitauto verdonnert, was bei einem Auto für mindestens 49 900 Franken ein grosses «Aber» ist.

Trotzdem ist der erste Lexus mit E-Antrieb ein gelungenes Auto, sofern man ihn hauptsächlich im Alltag nutzt und entweder zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann. Denn gerade im täglichen Pendlerverkehr ist der UX 300e eine angenehme Entschleunigung - obwohl der 1,9 Tonnen schwere Crossover mit 204 PS und 300 Nm Drehmoment durchaus flott sprinten kann, wenn man denn will. Doch durch den guten Federungskomfort, die grundsolide Verarbeitung und die erstaunlich gute Schallisolierung ermuntert der Japaner viel eher zum gemütlichen gleiten, wozu der geräusch- und vibrationsarme Elektroantrieb vorzüglich passt. Und für gelegentliche Ausflüge in die nächste Stadt oder einen Ausflug aufs Land ist die Reichweite absolut ausreichend, sodass man sich um das Aufladen nicht zu sorgen braucht.

Lexus UX 300e

Lexus UX 300e

Bild: zVg

Sorgenfreiheit will Lexus auch in Bezug auf die Langlebigkeit bieten; auf den Akku gewährt der Hersteller eine Garantie von zehn Jahren oder einer Million Kilometer; für den restlichen Antriebsstrang garantiert Lexus fünf Jahre oder 100 000 Kilometer.

Lexus UX 300e

Motor: E-Maschine
Leistung: 204 PS /300 Nm
Antrieb: Aut. 1-Gang, FWD
L×B×H: 4495×1840×1540 mm
Kofferraumvolumen: 414–1290 l
Gewicht: 1860 kg
0–100 km/h: 7,5 Sek.
Vmax: 160 km/h
Reichweite WLTP: 315 km
Preis: ab 49 900 Franken

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