Leise Fortsetzung

Mercedes präsentiert das zweite Modell der EQ-Elektroauto-Familie. Auf der ersten Testfahrt überzeugt der EQA mit viel Komfort.

Philipp Aeberli
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Mercedes-Benz EQA.

Mercedes-Benz EQA.

Bild: zVg

Fahrkomfort und niedrige Fahrgeräusche stehen bei Mercedes, sofern es sich nicht um ein Sportmodell von AMG handelt, ganz weit oben im Pflichtenheft. Das gilt auch – oder gar erst recht – bei einem Modell mit E-Antrieb. Mit dem EQA hat Mercedes nun das zweite Modell seiner EQ-Modellfamilie präsentiert. Das Angebot wird laufend ausgebaut; so folgen dieses Jahr noch der EQS als rein elektrische Alternative zur luxuriösen S-Klasse und mindestens ein weiteres Modell. Der EQS wird das erste Modell auf einer Basis sein, die ausschliesslich für den Einsatz elektrischer ­Antriebe konzipiert wurde. Der nun präsentierte EQA hingegen basiert auf dem Unterbau des konventionell angetriebenen GLA. Mit dem kompakten Crossover teilt sich das neue Modell auch die Aussenabmessungen,  die meisten Karosserieteile und das grundsätzliche Layout des Innenraums. Darüber hinaus gibt es aber ­einige Veränderungen, die den EQA als eigenständiges Modell dastehen lassen. Prägnanteste Merkmale, die alle künftigen «EQ»-Modelle auszeichnen sollen, sind die LED-Leuchtbänder an Front und Heck, die sich über die gesamte Breite des Autos ziehen. An der Front wurde der Kühlergrill fast komplett verschlossen; stattdessen wird er durch eine hochglanzschwarze Fläche angedeutet. Der Innenraum wurde, bis auf ein paar neue Akzente und eine erweiterte Ambientebeleuchtung, kaum verändert. Das grosse Infotainment-System mit einem Touchscreen im Querformat und ausgeklügelter Sprachsteuerung passt aber auch in diesem Kontext bestens. Die Bedienung erfolgt intuitiv, gibt keine Rätsel auf und lenkt nicht von der Strasse ab. Einzig relevanter Unterschied im Vergleich zum GLA mit Verbrennungsmotor sind die Schaltwippen am Lenkrad; im EQA werden damit nicht die Gänge gewechselt, sondern auf Wunsch die Stärke der Rekuperation verstellt. So wählt man ­direkt am Lenkrad, ob der ­Stromer möglichst frei weiterrollen oder möglichst stark verzögern und damit Energie in den Akku ­zurückgewinnen soll, wenn man den Fuss vom Gas­pedal nimmt.

Mercedes-Benz EQA 250
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Mercedes-Benz EQA 250
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Mercedes-Benz EQA 250

Mercedes-Benz EQA 250

Bild: HO

Leise und geschmeidig

Unterwegs fühlt sich der neue Stromer mit Stern sehr souverän an. Mit seinen 190 PS und 375 Nm Drehmoment fühlt er sich ausreichend kräftig an, auch wenn der Kompakte aufgrund der grossen Batterie mit 66,5 kWh nutzbarer Kapazität im Unterboden mehr als zwei Tonnen wiegt. Bemerkenswert ist die Stille im EQA. Während in Autos mit Verbrennungsmotor allfällige Wind- Abroll- oder Fahrwerks­geräusche vom Antrieb übertönt werden, fallen diese im E-Auto deutlich stärker auf. Mercedes hat sich grosse Mühe gemacht, dem elektrischen Crossover sämtliche Störgeräusche ab­zugewöhnen. Ein Punkt, der oft vergessen geht, ist dabei der ­E-Antrieb selbst. Denn im leisen Umfeld kann selbst das ­Summen des Elektromotors als ­störend empfunden werden. Mercedes hat den Antrieb in EQA von der Karosserie schwingungsentkoppelt montiert, sodass sich keine unerwünschten Geräusche in den Innenraum übertragen können.

Ausreichend schnell

Vor allem wichtig sind bei einem E-Auto nach wie vor die Punkte Reichweite und Lademöglichkeiten. Laut WLTP-Messzyklus soll der getestete EQA 250, die zunächst einzig verfügbare Antriebsvariante, 426 Kilometer mit einem vollen Akku schaffen. In der Realität dürften es auch bei winterlichen Bedingungen noch rund 350 Kilometer sein, was für die meisten Autofahrer durchaus alltagstauglich sein dürfte, zumal der Mercedes seine Reichweite präzise und ohne plötzliche Schwankungen anzeigt. Erfreulich ist, dass der EQA seine Reichweite nicht nur über eine grosse Batterie, sondern auch über gute Effizienz ­generiert. Der Verbrauch wird mit 17,7 kWh/100 km angegeben. Zum Vergleich: Der VW ID.4, der auf einer eigens für E-Autos konstruierten Plattform sitzt, ist mit 18,5 kWh/100 km nach WLTP-Messung angegeben. Genauso wichtig wie die Reichweite ist das Aufladen. Auf Reisen kann der EQA mit maximal 100 kW Gleichstrom laden; kein Bestwert, aber absolut ausreichend. In 30 Minuten soll der Akku damit von 10 auf 80% befüllt werden können. Zusammen mit dem Navigationssystem, das Ladepausen automatisch mit einberechnet und den Akkustand am Ziel vorhersagen kann, sind längere Reisen also kein Problem. An einer Wechselstrom-Wallbox lädt der EQA mit maximal 11 kW, womit der Akku nach 5:45 Stunden wieder voll ist. Die Preise für den neuen EQA stehen noch nicht fest. Das Basismodell dürfte aber unter 50 000 Franken starten. Gemessen an der modernen Technik und der guten Verarbeitungsqualität ein fairer Preis. Teurer wird die Allrad-Version mit mehr als 270 PS, die Mercedes noch 2021 nachreichen will.

Mercedes-Benz EQA 250

Motor: E-Maschine asynchron
Leistung: 190 PS/375 Nm
Antrieb: Front, Aut. 1-Gang
L×B×H: 4463×1834×1620 mm
Kofferraum: 340–1320 l
Gewicht: 2040 kg
0–100 km/h: 8,9 Sek.
Vmax: 160 km/h
Reichweite WLTP: 426 km

Preis: unter 50 000 Franken

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