Mazda
Kleine Nummer kommt gross raus

Der Mazda2 ist das kleinste Auto der Japaner für den europäischen Markt und wusste im Test zu überzeugen.

Markus Chalilow
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Mazda2

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Das Kleinwagensegment ist für alle Autohersteller wichtig. Denn in dem Segment werden, wegen der günstigen Einstiegspreise, die Jungen zur Marke geholt. Entsprechend heftig ist der Kampf um Marktanteile. Wobei – die Bezeichnung Kleinwagen stimmt nicht ganz für den Mazda2. 406 cm lang ist der Mazda mittlerweile. Wenn man bedenkt, dass das erste Modell mit diesem Namen (gebaut von Ford) zehn Zentimeter kürzer war, ist der Grössenzuwachs seit 2003 aber durchaus akzeptabel. Interessant ist, dass der Mazda 2 der ersten Generation mit dem 1,4-l-Benziner 1160 kg wog. Der aktuelle 2er mit dem 1,5 l grossen Benziner wiegt (DIN) 980 kg! Also, leicht ist er, drum reichen die 115 PS des Prüflings auch locker aus, um vorwärtszukommen. Im Gegenteil, es macht Spass, den knackigen Japaner zu bewegen. So viel Spass, dass wir den mangelnden Seitenhalt der Sitze monieren müssen. Und, sie sind sehr straff gepolstert, was nicht allen Fahrern des 2ers gefiel. Sonst mögen wir am Innenraum nichts kritisieren. Kein wilder Materialmix mehr, gute Ergonomie und endlich auch eine angenehme Haptik. Dazu ein logisches Bediensystem. Weil Mazda glaubt, dass ein Touchscreen den Fahrer zu sehr ablenkt, kann man das System allerdings nur mittels eines Controllers bei der Handbremse bedienen. Wir finden das schade, aber die Japaner werden sich schon etwas dabei überlegt haben.

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Viel Hirnschmalz haben sie wohl auch ins manuelle Sechsganggetriebe investiert. Die laut Werk extrem leichte Schaltbox soll dank Optimierungen in Sachen Leichtlauf wesentlich dazu beitragen, dass der Mazda2 trotz 115 PS einigermassen sparsam ist. Wir sagen, es macht vor allem Freude, den Ganghebel zu betätigen. Und wir stellen einmal mehr fest, dass Fahrzeugpräsentationen im Ausland und ein Test in der Schweiz zwei Paar Schuhe sind. Während der Fahrvorstellung in Barcelona ist uns nämlich nicht aufgefallen, dass der Mazda im ersten Gang etwas singt. Das Geräusch erinnert an die gerade verzahnten 1. Gänge von leichten Nutzfahrzeugen früherer Jahre. Zum Glück ist es deutlich leiser als damals, aber halt hörbar. Leichtbau bedeutet auch geringen Verbrauch, zumindest in der Theorie. Mazda spricht von einem Durchschnittsverbrauch von 4,9 Litern pro 100 Kilometer. Das klingt nicht gerade nach einer Revolution, aber: Weil der kleine Vierzylinder keinen Turbolader hat, kamen wir in der realen Welt mit 5,7 l/100 km aus. Angesichts der Fahrleistungen (0–100 km/h in 8,7 Sekunden, Topspeed 200 km/h) kann man von sehr ordentlichen Verbrauchswerten reden. Die Version mit 90 PS soll übrigens mit 4,5 Litern auskommen, notabene mit Automatikgetriebe.

Das Platzangebot ist klassenüblich. Auch wenn es deutlich bessere Systeme gibt, wenns um das Abklappen der Rücksitze geht. Aber auch bei Mazda kann man offenbar nicht alles haben. Zum Thema alles haben: Wir hatten alles in unserem Testwagen, teuerste Ausstattung, Metallic-Lack, Teppichsatz und Navigationssystem. Zusammen mit dem stärksten Motor ist das nicht ganz billig. 25'669 Franken will ein Mazda-Händler, wenn man unseren Testwagen kaufen möchte. Das ist eine Menge Geld für einen kleinen Japaner, aber es geht natürlich auch billiger. Mit 90 PS und in der Basisversion bekommt man den 2er ab 19'650 Franken.