Hyundai
Kampfansage aus Korea

Der Hyundai/Kia-Konzern ist erfolgreich. So erfolgreich, das man auch zur Oberklasse schielt. Dabei ist die Zeit des Korea-Barocks vorbei, das neuste Konzeptauto der Koreaner dürfte bei so manchem europäischem Hersteller für hochgezogene Augenbrauen

Markus Chalilow
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Hyundai HCD-14 Genesis Concept

Hyundai HCD-14 Genesis Concept

HO

Der Name ist noch etwas nüchtern: HCD-14 Genesis Concept heisst das mächtige Flaggschiff der Koreaner. Dabei hätte man sich für den Viertürer durchaus einen etwas interessanteren Namen aussuchen können. So geht dem flüchtigen Betrachter wohl unters Eis, dass der Hyundai einen neu entwickelten, freisaugenden V8-Motor mit 5 Litern Hubraum unter der ellenlangen Motorhaube und hinter dem gewaltigen Kühlergrill hat. Leider machen die Koreaner aber auch im Wettkampf ums komplizierteste Türsystem mit. Ob sich das mit den hinten/seitlich gleitenden Fondtüren durchsetzt wagen wir zu bezweifeln. Und auch im Innenraum haben wir noch ein paar Fragezeichen. Wieso dass der Beifahrer in einem «Holzkäfig» sitzen muss, nun, dass wissen wir beim besten Willen nicht. Offenbar gibts aber auch in Korea Ehefrauen und Schwiegermütter mit ordentlich Aggressionspotenzial...

Mediteranes Feeling ist ebenfalls angesagt: Nein, nicht wegen der Materialwahl oder einem Olivenölspender im Handschuhfach. Der HCD-14 soll sich mittels Gesten steuern lassen. Wenn also in - sagen wir - zehn Jahren jemand im Auto wie ein junger Napoletaner gestikuliert, versucht er wohl gerade einen Radiosender abzuspeichern. Möglich wird das durch eine 3D-Kamaera im Innenraum, welche die Gesten in entsprechende Befehle fürs Fahrzeug umsetzen soll. Aber keine Angst, ein Lenkrad ist nach wie vor mit an Bord. Konzeptautos sind aber immer eine Spielerei, sollen die Richtung vorgeben. Nicht einfach funktionieren. Und, wenn künftige Limousinen von Hyundai wirklich so daher kommen, dann müssen sich die europäischen Autobauer noch wärmer anziehen. Denn der HCD-14 ist nicht nur fein gemacht, er zeugt auch von einer Detailliebe, die den Asiaten bisher eher fremd war. Vorbei die Zeiten eines Hyundai Sonata, der in etwa gleich viel Charme hatte wie Napoletaner, dem gerade das Auto gestohlen wurde. Oder dem Equus, der letzten Premium-Limousine von Hyundai. Da war zwar alles mit an Bord, was das Fahren angenehm macht. Doch optisch lag der Bomber irgendwo zwischen einer russischen Staatslimousine und dem Industriedesign von Caterpillar.

Der HCD-14 ist anders, edler, europäischer und vor allem ohne unnützen Zierrat. Und so wie die Koreaner in den letzten Jahren an der Entwicklungsschraube gedreht haben zweifeln wir auch nicht daran, dass wir ein ähnliches Fahrzeug bereits in wenigen Jahren auch auf unseren Strassen sehen werden. Wir warten gespannt ab, ob sich VW-Chef (derjenige, der im Hyundai i30 völlig konsterniert meinte: «da scheppert nix, wieso können wir das nicht?») auch zum HCD-14 äussert. Oder ob er sich nur fragt, wie schnell die Asiaten dieses Konzept auf die Strasse bringen können.