Audi
Ingolstadt-Express mit viel Gepäckraum

Hinter dem Kürzel RS6 versteckt sich bei Audi der potenteste Kombi im Programm. Schnell, teuer und: fazinierend.

Markus Chalilow
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Audi RS6 Avant

Audi RS6 Avant

HO

Ach, was sollen wir über einen Kombi mit 560 PS und 700 Nm maximalem Drehmoment schreiben? Er ist sauschnell – na ja, das trifft es auch nicht wirklich. Schnell ist er, der Audi RS6, aber er ist noch viel mehr. Ein Beispiel: Gemäss Werk zieht der Audi in 3,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und ist maximal 305 km/h flott. Aber: wozu? Und wo soll man diese Leistungsgrenzen, bitteschön, ausreizen? Klar, diese Frage kann man sich bei zahllosen potenten Autos stellen, aber nirgends ist die Frage drängender als beim RS6 mit Allrad.
Selten war es so «anstrengend», ein Auto zu fahren. Immer – manchmal auch noch, wenn das Auto auf dem Parkplatz steht, blickt man auf den Tacho. Ständig «tastet» man mit den Augen jeden Winkel der Strasse nach einem Radarkasten oder einem uniformierten Freund und Helfer ab. Und wenn man das Gefühl hat, hier ist es fein, streichelt man das Fahrpedal nur leicht. Die beiden Lader schnaufen ein – und schon wird der Wagen nach vorne katapultiert. Und der Tacho (inklusive Audi) rauscht sofort in Gefilde, die den Piloten direkt ins Gefängnis bringen. So muss es sich anfühlen, wenn die Piloten in ihren Jets mit dem Dampfkatapult vom Flugzeugträger geschossen werden.
Anstrengend ist das, aber schön. Da gibts nur eins: Kurvige Strecken suchen, um Spass zu haben. Den kann man mit dem RS6 auch durchaus haben, aber nur in schnellen Autobahnbiegungen. Wird es enger, merkt man, dass das Auto vor allem eines will: möglichst schnell weg von den Kurven, wieder zurück auf die Autobahn. Denn der RS6 fühlt sich auf normalen Schweizer Strassen einfach schwer an. Klar: Mit Allrad und elektronischen Helferchen ist das Biest eigentlich einfach zu kontrollieren. Natürlich ist es ein geniales Gefühl, wenn am Kurvenausgang die 700 Nm auf die vier Räder los gehen, diese trotzdem (zumindest mit den Winterreifen) immer noch etwas um Gnade winseln. Und man dabei in einem nahezu perfekten Innenraum sitzt. Die rautenförmig abgesteppten Sport-Ledersitze sind echte Rückenschmeichler. Und natürlich ist die Verarbeitung im Innenraum vom Feinsten. Und ja, er macht auf der Strasse eine Menge her mit seinen breiten Backen. Und es gibt natürlich Sachen, die im Audi RS6 Avant richtig Spass machen. Der Sound zum Beispiel. Dieser kernige V8-Sound ist trotz Turboaufladung nicht verloren gegangen. Ausser, der Vierliter-Motor läuft gerade im Vierzylinder modus ... Ohne Anzeige würde man das gar nicht merken, das hat man in Ingolstadt schon sehr gut hingekriegt. Doch zwei so mächtige Turbolader, wie sie der RS6 hat, brauchen natürlich Futter. Also, die Lader an sich sind ja genügsam, die wollen nur Luft zum Verdichten. Der V8-Motor ist da nicht ganz so zurück haltend, der will Sprit, um die Fuhre voranzubringen.
Wenn man sich nicht im Zaum halten kann, sind das im Durchschnitt gerne mal 19 Liter für 100 Kilometer. Während des Tests gings aber mit weniger. Zwar nicht mit den versprochenen 9,8 Litern, aber immerhin mit 11,4 l/100 km. Das ist, angesichts der Masse des Fahrzeugs und den galaktischen Fahrleistungen wenig. Unser Testwagen stand mit gut 170 000 Franken in der Preisliste. Da sind dann 3500 Franken für einen Satz Winter reifen nicht mehr viel Geld. Also, im Verhältnis. Dafür gibt es den perfekten, geräumigen Reise-Express für die Autobahn in Deutschland. Wahnsinnig durchzugsstark, enorm stabil und vor allem hervorragend verarbeitet.

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